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Schlechte Ernährung - auch für Spitäler ein Thema

Das Essen ist vor allem für ältere Patienten, hier im Waidspital in Zürich, ein Problem.

(Keystone)

Mangelernährung der Patienten ist für die Schweizer Spitäler ein grosses Problem. Das kann auch hausgemacht sein, wie eine Studie am Genfer Unispital zeigt.

Ausschlaggebend ist nicht die Quantität, sondern die Qualität des Essens wie auch der Hilfe dabei.

Spitäler in der Schweiz pflegen Patienten, welche an einer Krankheit leiden oder einen Unfall erlitten haben. Daneben ist das Pflegepersonal mit einem weiteren Problem konfrontiert: Einer von fünf Patienten zeigt beim Eintritt ins Spital Symptome von Mangelernährung. Die Aufgabe der Pflegerinnen und Pfleger wird dadurch zusätzlich erschwert.

Oft ist aber, was die mangelhafte Ernährung der Patienten betrifft, das Spital selber Teil des Problems. Dies zeigt eine Studie, bei der 1700 Patienten des Genfer Universtitäts-Spitals untersucht worden waren.

Ein Drittel betroffen

Rund ein Drittel dieser Patienten verliess das Spital unterernährt. Bei den anderen zwei Dritteln wurde der Heilungsprozess infolge Unterernährung im Spital verzögert. Weitere Folgen von zu wenig Essen waren Müdigkeit, Verwirrtheit und eine verminderte Immunabwehr.

Studien in den USA und Europa hätten ähnliche Resultate zutage gefördert, sagt Claude Pichard, Autor der Genfer Studien gegenüber swissinfo.

"In Frankreich haben die Spitäler für die Mahlzeiten pro Tag und Patient 10 Franken zur Verfügung. In Schweizer Spitälern sind es 40 Franken, das Essen hier sollte also hervorragend sein", so Pichard. Die Zahl von rund 33% mangelernährten Patienten sei deshalb mehr als erstaunlich.

Wieso der Appetit vergeht

Ein Fünftel der 1700 befragten Genfer Patienten gab an, dass mangelnder Geschmack, kalt gewordene Mahlzeiten und zu geringe Menü-Auswahl die Gründe seien, weshalb sie im Spital nicht essen wollten.

Ein Viertel führte den fehlenden Appetit darauf zurück, dass sie sich krank fühlten oder unfähig zum Essen seien.

Die Befragung zeigte aber auch noch einen anderen Grund auf: Den Faktor Zeit, sprich die Hast, mit der die Mahlzeiten serviert und wieder abgetragen werden.

"Wir fanden heraus, dass die Patienten zu wenig Zeit zum Essen haben. Nach 20 Minuten werden die Teller eingesammelt. Ältere Menschen können aber gar nicht so schnell essen."

Pichard erwähnt auch Fälle, wo Patienten, die nicht selber essen konnten, mit den Mahlzeiten allein gelassen worden seien.

So habe er einen Patient mit Lähmungserscheinungen gesehen, der bei den Mahlzeiten überhaupt keine Hilfe erhalten habe, so Pichard.

Sensibilisierung

"Das Pflegepersonal in den Spitälern muss bei der Hilfe beim Essen unbedingt auf die Details achten", fordert Pichard. "Die Ernährung ist kein Nebenaspekt, sie ist vielmehr vital für Gesundheit und Heilungsprozess."

Neben der Pflege sollten aber auch die Mahlzeiten qualitativ verbessert werden, so eine Forderung der Autoren. Die Genfer Uni-Klinik hat diese Kritik aufgenommen und will ihre Patienten ab September verbesserte Mahlzeiten anbieten.

Pichard verweist auf das Beispiel des Berner Inselspitals, wo die Patienten bereits seit vier Jahren ihr Menü zwischen einer grösseren Anzahl von Gerichten auswählen können. Gemäss dem Experten führte das zu einer Essenszunahme von 30%.

Deutschschweizer Studie

Eine weitere Studie, an der sieben Spitäler der deutschsprachigen Schweiz beteiligt waren, hat bestätigt, dass die Mangelernährung eintretender Patienten ein sehr grosses Problem darstellt.

Darin wurde mit Hilfe eines standardisierten Erfassungsbogens, der schnell und einfach auszufüllen war, der Zustand erwachsener Patienten beim Eintritt ins Spital aufgezeichnet.

Das Ergebnis, das am letzten Donnerstag am Forum "Mangelernährung in Schweizer Spitälern" in Bern präsentiert worden war, fiel deutlich aus: 18% der 10'268 erfassten Patienten sind stark gefährdet oder leiden bereits an Mangelernährung. Die Probleme der Mangelernährung verschärfen sich im Spital oft weiter.

Kostenfaktor

Weil mangelernährte Patienten vor allem nach Operationen häufiger von Infektionen betroffen sind, deutlich länger im Spital bleiben und nach ihrer Entlassung öfter wieder dahin zurückkehren müssen, verursachten sie sehr hohe Mehrkosten, wie es hiess.

Eine Verminderung des Problems der Mangelernährung verbessere nicht nur das Wohlbefinden der Patienten, sondern leiste auch einen Beitrag zur Reduktion der Kosten im Gesundheitswesen.

swissinfo, Elizabeth Meen
(Übertragung aus dem Englischen: Renat Künzi)

Fakten

Gemäss einer Studie an der Genfer Uni-Klinik essen 66% der Patienten zu wenig.
Ein Drittel verlassen das Spital unterernährt.
Laut einer anderen Studie weisen 20% der Patienten bereits beim Eintritt ins Spital Mangelerscheinungen auf.

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In Kürze

Die Folgen von Mangelernährung sind Untergewicht, Müdigkeit, schlechte Zähne und Immunabwehr sowie Depressionen.

Gemäss Europarat ist mangelhafte Ernährung in vielen europäischen Spitälern ein Problem.

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