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Schmolz+Bickenbach erlebt 2009 ein "annus horribilis" - 2010 gut gestartet (Zus)

Dieser Inhalt wurde am 29. April 2010 - 15:06 publiziert

Zürich (awp) - Schmolz+Bickenbach hat 2009 laut seinem Management ein "annus horribilis" erlebt. Die Umsätze des Stahlkonzerns halbierten sich, und das Ergebnis präsentiert sich tiefrot. "Das beste an 2009 ist, dass es vorbei ist", resümierte CEO Benedikt Niemeyer an der Bilanzmedienkonferenz vom Donnerstag in Zürich. Im laufenden Jahr hat sich die Lage dafür unerwartet rasch aufgehellt. Für das erste Halbjahr 2010 erwartet der Stahlkonzern bereits wieder schwarze Zahlen.
2009 hatte die Wirtschaftkrise weltweit zu einem Einbruch der Stahlproduktion geführt, wie Niemeyer vor den Medien ausführt. Verstärkte wurde die Abwärtsbewegung, da die Abnehmer ihre Bestellungen nicht nur wegen der Marktabschwächung reduzierten, sondern auch noch ihre Lager massiv abbauten. Der Umsatz von Schmolz+Bickenbach lag im Gesamtjahr mit 2'052,1 Mio EUR um 49,8% unter dem Vorjahr.
KOSTENSENKUNGS-PROGRAMME
Das Unternehmen reagierte mit Kostensenkungsprogrammen, die unter anderem Kurzarbeit und Werksstillstände umfassten. "Im ersten Halbjahr 2009 lief auch das Werk Emmenbrücke teilweise eine Woche, um dann wieder drei Wochen stillzustehen", sagte etwa COO Marcel Imhof. Zudem wurden die Investitionen auf rund die Hälfte reduziert.
Die Kostenreduktionen vermochten die tiefen Umsatz- und Mengeneinbrüche allerdings nicht aufzufangen. Auf Stufe EBITDA resultierte ein Betriebsverlust von 181,1 Mio EUR nach einem Betriebsgewinn von 233,9 Mio im Jahr 2008. Der Konzernverlust belief sich auf 276,0 Mio EUR, nachdem 2008 ein Konzerngewinn von 62,8 Mio EUR resultiert hatte. Die Aktionäre müssen erwartungsgemäss auf eine Dividende verzichten.
ERHOLUNG SEIT ANFANG JAHR
Seit Anfang 2010 spürt das Unternehmen ein deutliches Anziehen der Nachfrage. So sind die Auftragseingänge im ersten Quartal 2010 um rund 308% über diejenigen des ersten Quartals 2009 gestiegen, was klar über den eigenen Erwartungen liege, wie Niemeyer sagte. Der Auftragsbestand liegt per Ende März 2010 um 80% über dem Vorjahresniveau.
Die Belebung sei in allen wichtigen Märkte spürbar, auch wenn dies derzeit noch nach Regionen und Segmenten variiere, sagte Niemeyer. In den Produktions- und Walzwerken sei die Auslastung bereits wieder sehr gut. Auch die Erträge hätten sich im 1. Quartal markant verbessert, sagte Finanzchef Axel Euchner: Auf Ebene EBITDA sei man bereits deutlich positiv. Und dank einem verbesserten Produktmix werde das Ergebnis im 2. Quartal noch einmal deutlich besser ausfallen.
EIGENKAPITALQUOTE GESUNKEN
Deutliche Spuren hat das Geschäftsjahr 2009 in der Bilanz hinterlassen. Die Eigenkapitalquote verschlechterte sich auf gerade noch 23,7%. Man wolle die Eigenkapitalquote nun langfristig durch betriebliche Ergebnisse wieder erhöhen, sagte Niemeyer.
Während Monaten hatte das Unternehmen zudem mit Kreditgebern verhandelt, was auch zur Verschiebung des Jahresabschlusses geführt hatte. Wie Mitte April mitgeteilt, erhält Schmolz+Bickenbach vom deutschen Staat Unterstützung für ein Finanzierungspaket mit einem Gesamtkreditvolumen von 1'367 Mio EUR. Für die staatlichen Bürgschaften bezahle das Unternehmen Gebühren, betonte Niemeyer.
Wie Schmolz + Bickenbach weiter mitteilte, verkauft der Konzern seine Beteiligung von 35% an der Stahl Gerlafingen AG an den Hauptaktionär AFV Acciaierie Beltrame S.p.A. Beltrame löst die im Verkaufsvertrag von 2006 festgehaltene Möglichkeit, Stahl Gerlafingen vollständig zu übernehmen, frühzeitig ein. Über den Preis sei Stillschweigen vereinbart worden.
GEMISCHTES ECHO
An der Börse stiess der Jahresabschluss auf ein gemischtes Echo. Sowohl mit den Umsatz- wie mit den Verlustzahlen 2009 lag Schmolz+Bickenbach unter den Erwartungen der Analysten, die ein besseres 2. Semester 2009 erwartet hatten. Allerdings vermochte die deutliche Verbesserung seit Anfang 2010 positiv zu überraschen. Nach anfänglichen Abgaben notiert die Schmolz+Bickenbach-Aktie um 14.00 Uhr mit 36,50 um 0,4% im Plus.
tp/rt

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