Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen

Schrumpfkurs wirft Fragen auf

Die Ascom-Radikalkur ist am Samstag auf den Frontseiten von beinahe allen Schweizer Zeitungen ein Thema.

(swissinfo.ch)

Die Schweizer Tagespresse nimmt den erneuten massiven Abbau beim Berner High-Tech-Konzern Ascom mit Besorgnis zur Kenntnis.

"Radikalkur soll die Ascom retten", titelt die "Berner Zeitung" und spricht im Kommentar von einem "bösen Beispiel". Die 1987 durch das Zusammengehen der Hasler AG und der Autophon AG entstandene Ascom sei ein Lehrbuch-Beispiel für eine gescheiterte Fusion.

Zum Erfolg verdammt

Dem Konzern bleibe nun jedoch realistischerweise keine Alternative, als mittels der neuen Abspeck-Strategie nochmals einen Anlauf zu nehmen: "Die Ascom ist in einem extrem schwierigen Umfeld zu raschem Erfolg verdammt. Ansonsten wird es die Berner Firma bald nur noch in den Lehrbüchern geben."

Auch dem Kommentator der anderen Berner Zeitung, "Des Bunds", erscheint die damalige Fusion als Fehlentscheidung. Alles was die Autophon AG einbrachte, sei in der Zwischenzeit wieder verkauft worden oder werde demnächst veräussert.

Bitteres Fazit: "Das künftige Kerngeschäft baut auf dem einstigen Kerngeschäft der alten Hasler auf. Der direkte Weg dazu ohne Autophon wäre rückblickend wahrscheinlich weniger schmerzhaft gewesen."

Spätkapitalistisches Lehrstück

In dieselbe Kerbe schlägt der Kommentator des "Tages-Anzeigers": "Der einstige Berner Traditionsbetrieb Hasler wäre heute als eigenständiges Unternehmen höchstwahrscheinlich wesentlich besser dran als unter dem Schirm von Ascom."

Unter dem Titel Ascom seien Werte nicht geschaffen, sondern vernichtet worden. Ascom sei ein "spätkapitalistisches Lehrstück", das zeige, wie wenig Fusionen und schiere Grösse Erfolg garantieren könnten.

Die Suche nach Nischen

Die Westschweizer Zeitung "Le Temps" schreibt, die Ascom habe grundsätzlich das Zeug dazu gehabt, sich zu einem internationalen Telekommunikations-Giganten zu entwickeln.

Tatsächlich habe sich der Konzern dann jedoch in einen Dinosaurier verwandelt, der - ähnlich einem umherirrenden Hund - Nischen suche: "Ascom possédait les gènes d'un géant international des télécommunications. Il s'est transformé en dinosaure. Sa nouvelle vie est celle d'un chien errant à la recherche de niches."

Einen der bittersten Wermutstropfen der erneuten Schrumpfung ortet die Kommentatorin der "Basler Zeitung" in der Unsicherheit, mit der rund 2200 Ascom-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter konfrontiert sind: "Bleibt zu hoffen, dass Verwaltungsrats-Präsident ... und Geschäftsführer ... Wort halten und darauf achten, dass die Beschäftigten auch in neuen Konstellationen 'gut platziert' sein werden."

Was übrig bleibt

Kritisch schliesslich auch die Einschätzung in der "Neuen Zürcher Zeitung": Die geplante Entwicklung der Ascom werfe viele Fragen auf. So sei etwa gar nicht sicher, ob man sich für die richtigen und die richtige Anzahl Rosinen aus dem Portefeuille des Konzerns entschieden habe.

Und: "Die wichtigste und ... keinesfalls abschliessend beantwortete (Frage) ist, ob auf die Phase zwei der Restrukturierung nicht noch eine Phase drei folgen wird. Oder anders formuliert: Was wird letztlich von Ascom noch übrig bleiben?"

Felix Münger


Links

Neuer Inhalt

Horizontal Line


subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.










Umfrage zu SWI swissinfo.ch

Online-Umfrage ausfüllen: Tastatur und eintippen close-up

Liebe Auslandschweizer, sagen Sie uns Ihre Meinung.

Meinungsumfrage