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Schwarze Liste der EU gilt auch für die Schweiz

"Schrott-Airlines" sind am europäischen Himmel nicht erwünscht. swissinfo.ch

Die Schweiz übernimmt die von der EU am Mittwoch publizierte Schwarze Liste der unsicheren Fluggesellschaften.

Dieser Inhalt wurde am 22. März 2006 - 20:02 publiziert

Die Aufstellung umfasst 92 Airlines, die meisten aus Afrika. Keine davon ist in der Schweiz aktiv.

Künftig gelten europaweit einheitliche Lande- und Überflugverbote für aussereuropäische Airlines. "Europa schützt in Zukunft alle Flugpassagiere besser", sagte EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot nach dem Entscheid der EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel.

Grundlage für die Schwarze Liste, auf der in erster Linie afrikanische und asiatische Airlines figurieren, sind von Experten aus der EU, aus Norwegen und der Schweiz ausgearbeitete Sicherheitskriterien. Sie beziehen sich im Wesentlichen auf die auf europäischen Flughäfen durchgeführten Inspektionen.

Schweiz begrüsst EU-Lösung

"Diese europäische Lösung ist zu begrüssen, denn die Luftfahrt ist eine europäische Angelegenheit. Es ist sinnvoller, eine einzige Liste zu publizieren, als dass jedes Land seine eigene Liste erstellt", begründet Mireille Fleury, Sprecherin des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL) gegenüber swissinfo die Angleichung an Europa.

Auf die Liste kommen schlecht gewartete Flugzeuge, Unternehmen, die nicht fähig sind, die Mängel zu beheben, und unfähige Kontrollbehörden. Gemäss dem BAZL flog bisher keine der aufgeführten Gesellschaften die Schweiz an.

Wegen ungenügender Behördenaufsicht wurden alle Airlines von Liberia, Sierra Leone, Swaziland und Äquatorialguinea aus dem europäischen Luftraum verbannt. Von der Demokratischen Republik Kongo (Kongo-Kinshasa) ist nur eine einzige Maschine für Flüge nach Europa zugelassen.

Experte reagiert kritisch

Der Betrieb von Fluggesellschaften kann ganz oder teilweise untersagt werden. Vor dem Entscheid konsultiert die EU-Kommission die Expertengruppe. Die Liste tritt offiziell am Freitag in Kraft, sie soll künftig mindestens alle drei Monate aktualisiert werden.

Der Schweizer Aviatik-Experte Sepp Moser kritisiert gegenüber swissinfo, solche Listen seien bedeutungslos. "Das ist eine Aktion zur Beruhigung des Publikums." Schwarze Listen würden nicht im Interesse der Flugsicherheit gemacht, sondern aus politischen Gründen.

"Die Tests, auf Grund derer über einen Eintrag auf der schwarzen Liste entschieden wird, dauern 20 Minuten pro Flugzeug. Es ist unmöglich, in so kurzer Zeit über die Sicherheit einer Airline zu entscheiden", so Moser.

In der Schweiz hatte sich die Stiftung für Konsumentenschutz intensiv für eine öffentliche europäische Schwarze Liste eingesetzt. Sie zeigte sich denn auch zufrieden und lobte die Reaktion des BAZL, das die Liste rasch zugänglich machte.

Auslöser Flash Airlines

Ausgelöst worden war die Diskussion über eine einheitliche Schwarze Liste nach dem Absturz einer Maschine der ägyptischen Flash Airlines im Januar 2004. Unter den insgesamt 148 Todesopfern waren viele Franzosen.

Erst später wurde bekannt, dass die Schweiz bereits vor dem Unfall aus Sicherheitsgründen für die Airline ein Landeverbot verhängt hatte. Die Gesellschaft existiert heute nicht mehr, daher ist sie auf der europäischen Schwarzen Liste nicht aufgeführt.

Eine rasche Einigung auf einheitliche Kriterien wurde nicht zuletzt auch durch den politischen Druck nach einer hohen Zahl von Unfällen im Linienflugverkehr 2005 gefördert. Gemäss der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation kamen 713 Menschen bei 18 Unfällen mit Verkehrsflugzeugen ums Leben.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Seit Beginn der Diskussionen um Schwarze Listen setzte sich die Schweiz für eine europäische Lösung ein.

Die Schweiz appliziert im Luftverkehr die Normen der EU und ist Mitglied der Europäischen Konferenz für Zivilluftfahrt.

2006 wird die Schweiz auch der Europäischen Agentur für Flugsicherheit EASA beitreten.

Die Eidgenössischen Räte haben den Beitritt beschlossen. Zurzeit läuft noch die Referendumsfrist.

Die EASA entspricht in Europa der bisher international massgeblichen US-Behörde FAA (Federal Aviation Agency).

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