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Schwarzgeld an Deutsch-Schweizer Grenze

Deutsches Bargeld wird vor allem im Auto versteckt swissinfo.ch

2002 haben deutsche Zöllner zwischen Konstanz und Bad Säckingen 1 Mrd. Euro Schwarzgeld aufgebracht.

Dieser Inhalt wurde am 01. März 2003 - 17:32 publiziert

Beliebte Verstecke seien Unterwäsche und Orte im Auto. Die Kooperation mit den Schweizer Zöllnern gestalte sich schwierig, heisst es in Konstanz.

Für den 283 Kilometer langen Grenz-Abschnitt zwischen Konstanz und Bad Säckingen ist in Deutschland das Hauptzollamt in Singen zuständig. Dessen Chef, Amtsleiter Werner Eberhardt, monierte jüngst vor den Medien das "aggressive Werben" der Schweizer Banken um deutsches Schwarzgeld. Selbst er als Zollchef habe ein Werbeschreiben einer Schweizer Bank erhalten.

In den letzten drei Jahren seien rund sieben Milliarden Euro Schwarzgeld aus Deutschland in die Schweiz geflossen, die gemeinsam mit nachträglich ermittelten Beträgen vom Singener Amt aufgespürt worden seien.

Deutsche Steueramnestie steht

Eberhardt rechnet schon fürs laufende Jahr mit einem Rückgang des Geldschmuggels. Grund für seinen Optimismus ist eine Steueramnestie, deren Details die deutsche Regierung kürzlich bekannt gegeben hatte.

Italien konnte im vergangenen Jahr nach einer ersten Steueramnestie grosse Summen an Geldern repatriieren. Andererseits zeigen die Neugeldzuflüsse, die beispielsweise die UBS und die Credit Suisse Group an ihren Jahresbilanz-Medienkonferenzen auswiesen, ein hohes Wachstum im Bereich des Private Banking.

Bankgeheimnis im Fokus

Die Schweiz findet, es sei nicht ihre Aufgabe, für die von den EU-Bürgern als überhöht empfundene Steuerpolitik der EU-Länder mit der Aufgabe des Schweizerischen Bankgeheimnisses gerade stehen zu müssen. Doch hat die Schweiz nach zahlreichen Verhandlungsrunden mit den Finanzministern der EU-Ländern rund um das Bankgeheimnis einen Vorschlag präsentiert.

Damit könnten solche Vermögen besteuert werden, ohne dass die Identität des Kontobesitzers bekannt wird. In diesem Bereich scheint sich eine Zusammenarbeit abzuzeichnen.

Waffen ja, Geldschmuggel nein

Doch beim Zoll gibt es noch keine Zusammenarbeit beim Schwarzgeld. "Die Schweiz ist für deutsches Geld ein rechtsfreier Raum," sagte der Amtsleiter vor den Medien. Dies zeige sich auch im Arbeitsalltag. Mit den Schweizer Kollegen an der Grenze kooperiere man beispielsweise bei der Suche nach Waffen sehr gut.

Anders sei dies beim Schwarzgeld. "Im Sektor Geld arbeiten die Schweizer absolut nicht mit uns zusammen." Nach Eberhardts Eindruck seien damit auch viele Kollegen in der Schweiz unzufrieden. "Man bekommt dann immer zu hören, dass die Banken in der Schweiz einen grossen Einfluss haben", sagte er.

Sieben Schwarzgeldsünder täglich

Im Durchschnitt ertappen die Mitarbeiter des Hauptzollamtes Singen nach eigenen Angaben sieben Schwarzgeldsünder am Tag. Beliebte Verstecke seien die Unterwäsche oder Orte im Auto. Wer Anlageprospekte von Schweizer Banken auf dem Beifahrersitz habe, werde kontrolliert, sagte Eberhardt. In der in Geldsummen ausgedrückten Vergehensstatistik des deutschen Zollamts macht der Geldschmuggel noch vor dem Warenschmuggel, dem Rauschgift und Waffen den grössten Teil aus.

Bekanntlich wurde besonders während der Umstellung von der D-Mark auf den Euro ein grosser Teil von in Deutschland nicht deklariertem Geld in die Schweiz transferiert, weil es hier auf dem Konto von Banken oder Post "steuerneutral" von D-Mark in Euro umgebucht wurde.

swissinfo und Agenturen

Fakten

In den letzten drei Jahren sollen rund 7 Mrd. Euro Schwarzgeld aus Deutschland in die Schweiz geflossen sein.

Im Durchschnitt fassen die Mitarbeiter des Hauptzollamtes Singen nach eigenen Angaben täglich 7 "Schwarzgeld-Sünder".

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