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Schweiz begrüsst Demokratie in Liberia

Ellen Johnson-Sirleaf, erste Staatspräsidentin Afrikas. Keystone

Die Entwicklungsagentur der Schweiz sieht die Präsidentschaftswahl in Liberia als positives Zeichen. Ein Umschwung im Land sei aber noch weit entfernt.

Dieser Inhalt wurde am 24. November 2005 - 12:09 publiziert

Vor allem müsse die UNO ihre Friedensmission im Land weiterführen, so die Haltung der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA).

Jetzt steht es fest: Ellen Johnson-Sirleaf, die ehemalige Finanzministerin Liberias, ist die erste Frau an der Spitze eines afrikanischen Landes.

Laut offiziellen Resultaten gewann die Ökonomin der Weltbank am 8. November die Wahlen um die Präsidentschaft Liberias mit knapp 60% der Stimmen. Ihr Widersacher, der ehemalige Weltfussballer George Weah, kam auf gut 40%.

"Wie immer auch das Resultat ausgefallen ist, entscheidend ist, dass die Wahlen diesmal korrekt verlaufen sind," sagte Daniel Rychner gegenüber swissinfo. Er ist Leiter des regionalen DEZA-Koordinationsbüros, das seinen Sitz im Nachbarland Sierra Leone hat.

Berg von Problemen

Die neue Präsidentin stehe aber vor schwierigen Herausforderungen, so Rychner, der sich mindestens einmal pro Monat in Liberia aufhält.

"Die Probleme sind nach dem langen Bürgerkrieg riesig." In der Hauptstadt Monrovia gebe es weder Strom noch Wasser. Zudem seien viele Häuser zerstört und die Strassen in einem fürchterlichen Zustand, beschreibt der DEZA-Vertreter die Lage.

Die Arbeitslosenrate im Land beträgt 80%. Viele der 3,5 Mio. Einwohner sind Analphabeten, Hunderttausende leben immer noch in Flüchtlingslagern.

Im Krieg von 1989 bis 2003, dem fast 250'000 Menschen zum Opfer fielen, wurde die Infrastruktur Liberias fast vollständig zerstört. Aber das ist nicht einmal die Hauptsorge der DEZA.

Schutz für die Schwächsten

"Wir richten das Augenmerk hauptsächlich auf Frauen und Kinder, die ohne Schutz sind", so Rychner. Unterstützt werde beispielsweise das liberianische Rote Kreuz sowie ein Rehabilitationszentrum für Kinder und junge Frauen, welche im Krieg versehrt worden seien.

Es waren die ersten Wahlen seit Ende des Bürgerkrieges. Internationale Beobachter bescheinigten einen korrekten Ablauf des Urnengangs. Es sei nur zu einigen wenigen und unbedeutenden Unregelmässigkeiten gekommen.

UNO-Rückzug wäre fatal

Momentan sichern 15'000 Soldaten einer UNO-Mission den Frieden im Land. Nach Bekanntgabe des Resultats hatten sich wütende Anhänger des Verlierers Weah Auseinandersetzungen mit den Friedensoldaten geliefert.

Doch die Gefahr droht laut dem Schweizer nicht von solchen Zwischenfällen, sondern vielmehr von Seiten der Geberländer, welche die friedenssichernde Mission finanzieren. Diese könnten ihre Mittel zurückziehen, um sie andernorts einzusetzen, befürchtet Rychner. "Doch das wäre ein Fehler."

Um einen dauerhaften Frieden zu erreichen, müssten grundsätzliche Probleme ausgeräumt werden: Korruption und schlechter Regierungsstil.

Wenn die Rahmenbedingungen wieder stimmten, kämen auch wieder Investoren ins Land, ist der DEZA-Mann überzeugt. "Denn mit den Spenden der Geberländer erreicht man keine Entwicklung."

swissinfo

In Kürze

Die DEZA gab zwischen 1997 und 2001 gut 9 Mio. Franken für humanitäre Hilfe in Liberia aus, die hauptsächlich Kindern zu Gute kam.

Das DEZA-Budget für das Land 2004 bis 2006 beträgt rund 6 Mio. Franken,

Die Agentur koordiniert die Aktivitäten in einem regionalen Büro, das sich seit Oktober 2001 in Freetown, Sierra Leone, befindet.

Die DEZA-Gelder fliessen teilweise an UNO-Agenturen (Flüchtlings- und Ernährungshilfe) sowie an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK).

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Fakten

Liberia zählt 3,5 Mio. Einwohner. Mehr als 500'000 sind intern Vertriebene, 320'000 mussten Schutz im Ausland suchen.
Liberia hat grosse Bodenschätze, vor allem Eisen und Gold. Gummi, Kaffee, Holz und Kakao sind die Hauptexport-Güter.

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