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Schweiz erreicht CO2-Ziele nicht

Der Heizöl-Verbrauch könnte durch eine verstärkte Nutzung von Erdgas reduziert werden. swissinfo C Helmle

Die Schweiz ist weit davon entfernt, die Umweltschutz-Ziele des Kyoto-Protokolls zu erreichen. Dies zeigt eine Studie der ETH Zürich.

Dieser Inhalt wurde am 04. Juli 2003 - 14:48 publiziert

Eigentlich sollten die CO2-Emissionen bis 2010 um 10% reduziert werden. Ohne weitere Massnahmen sinken sie aber nur um 1,3%.

"Es braucht enorme Anstrengungen der Politik, der Wirtschaft und der Bevölkerung, damit die Ziele erreicht werden können", sagte Professor Eberhard Jochem vom Centre for Energy Policy and Economics (CEPE) der ETHZ am Freitag vor den Medien. Je länger Politik und Wirtschaft aber zuwarteten, desto teurer werde es.

Die ETH-Studie ist dabei als Mahnung an die Verantwortlichen zu verstehen: Sie sollen nicht trödeln, sondern die Verpflichtungen bald umzusetzen. Dabei winken eine Reihe wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Vorteile.

Lebensjahre zu gewinnen

Heute könnte die Schweiz im Energie- und Klimaschutz laut Jochem als Pionierin noch Gewinne machen. Und als Hochtechnologieland sei sie auf Pioniergewinne angewiesen. Die Investitionen, die notwendig sind, um die 10-Prozent-Reduktion beim Treibhausgas CO2 zu erreichen, würden bis 2010 50'000 bis 100'000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Kosten fallen auch an: Sie betragen gemäss Studie 160 Mio. Franken pro Jahr aus Sicht der öffentlichen Hand und 410 Millionen aus Sicht der Privatwirtschaft. Dies scheine viel zu sein, sagte Jochem. Die eingesparten Kosten im Gesundheitswesen machten die Mehrausgeben jedoch bereits wett.

Weil eine Reduktion der CO2-Emissionen meistens mit einer Verringerung der Luftschadstoffe wie Schwefel- und Stickstoffoxide verbunden ist, hat eine klimafreundliche Politik auch Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung. Je nach Szenario sind schweizweit zwischen 1600 und 2600 Lebensjahre zu gewinnen.

Ein weiterer Vorteil einer effizienten Nutzung der Energieressourcen ist schliesslich, dass die Abhängigkeit vom Ausland kleiner wird. Dies sei wichtig, weil ein immer grösserer Anteil des Erdöls aus der Krisenregion des Nahen Ostens komme, sagte Jochem.

"Klimarappen" verschenkt Vorteile

Seit Mitte Juni prüft das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) vier Varianten, wie die gesetzlichen Vorgaben erfüllt werden können: Eine reine CO2-Abgabe, ein "Klimarappen" sowie zwei Kombinationen CO2-Abgabe/"Klimarappen". Entscheiden wird das Parlament.

Die Erdölvereinigung weibelt für den privatwirtschaftlich erhobenen "Klimarappen". Dabei soll pro Liter Treibstoff ein Rappen zusätzlich verlangt werden. Mit den Einnahmen von gegen 70 Mio. Franken pro Jahr würden CO2-Zertifikate im Ausland gekauft sowie Massnahmen zur Reduktion der CO2-Emissionen im Inland finanziert werden.

Jochem weist darauf hin, dass bei einem Einkauf von CO2-Zertifikaten im Ausland auch die in der Studie aufgezeigten Vorteile teilweise abwandern würden. Die Pioniergewinne wären weg, ebenso die positiven Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung.

Die Studie fordert, dass Klima- und Energiepolitik als Teile einer langfristigen Innovationsstrategie für das Land verstanden werden. Im Vordergrund stünden folgende Massnahmen: effizientere Nutzung der Energie, die Förderung von Erdgas und erneuerbaren Energien.

Ziele völkerrechtlich verbindlich



Das CO2-Gesetz der Schweiz sieht bis 2010 eine Reduktion des CO2 von 4 Mio. Tonnen vor. Dies bedeutet eine Verminderung der CO2-Emissionen bei den fossilen Brennstoffen um 15% und bei den Kraft- und Treibstoffen um 8% gegenüber 1990.

Diese Zielsetzung ist auch völkerrechtlich verbindlich, nachdem das Parlament im Mai dieses Jahres das Kyoto-Protokoll ratifiziert hat.

Die CO2-Emissionen haben bei den Brennstoffen zwischen 1990 und 2001 jedoch nur um rund 1 Mio. Tonnen CO2 abgenommen, bei den Kraftstoffen sind sie sogar um fast 1 Mio. Tonnen gestiegen. Damit dürfte die Schweiz ohne weitere Massnahmen das Ziel des CO2-Gesetzes bei weitem verfehlen.

swissinfo und Agenturen

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