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Schweiz.eu gehört nicht der Schweiz

Das Eintippen dieser Adresse könnte eine ausländische Site öffnen.

(swissinfo.ch)

Die Schweiz hatte bei der Registrierung der Internetadressen schweiz.eu und switzerland.eu das Nachsehen. Den Zuschlag erhielten Firmen aus der EU.

Haben die Schweizer Behörden bei der Registrierung geschlampt? Dies wird offiziell verneint. Ganz aus der Welt schaffen lässt sich der Vorwurf aber nicht.

Eine Firma in Österreich hat sich die Domain schweiz.eu, also die Internet-Adresse, unter den Nagel gerissen, ein niederländisches Unternehmen hat switzerland.eu reserviert.

Seit dem 7. Dezember 2005 können öffentliche Einrichtungen, Inhaber oder Lizenznehmer einer Marke, Inhaber einer geografischen Angabe oder einer Ursprungsbezeichnung eine .eu-Domain-Adresse beantragen.

Der Schweiz ist es nicht gelungen, die wichtigen Adressen schweiz.eu und switzerland.eu zu registrieren. Unwissen, Schlamperei? "Nein", sagt Thomas Sägesser, Leiter Rechtsdienst der Bundeskanzlei.

"Wir haben bereits letzten November darauf aufmerksam gemacht, dass man die Registrierung vornehmen sollte. Das Reservierungssystem ist aber auf EU-Mitgliedsstaaten zugeschnitten und nicht auf die Schweiz als Nicht-Mitglied", erklärt er gegenüber swissinfo.

Also musste man nach einer Vertretung der Schweiz im EU-Raum suchen. Das Centre Culturel Suisse in Paris unternahm den Versuch, leider mit wenig Erfolg, weil die EU-Organe die Anforderungen sehr streng auslegten. "Wir waren davon ausgegangen, dass es klappen würde", so Sägesser. Und so hatte sich alles verzögert.

Nicht rechtzheitig gehandelt?

Beat Fehr von der CADiware AG, dem grössten .eu-Registrar der Schweiz, sagt dagegen : "Wir haben die Schweizer Behörden mehrmals informiert, dass man die EU-Domains reservieren sollte."

Er glaubt, bei rechtzeitigem Handeln hätte man durchaus etwas erreichen können. Er hat sich selber ins Zeug gelegt: Im Juli 2005 hatte er sich mit dem Bundesamt für Kommunikation (Bakom), mit dem Aussenministerium, mit der Bundeskanzlei und mit Urs Bucher, dem Schweizer Botschafter in der EU in Verbindung gesetzt.

"Ich sagte Ihnen, was sie tun sollten, wie sie die Sache angehen sollten", so Fehr.

Wieso keine "Marke Schweiz"?

Eine Möglichkeit wäre gewesen, die Schweiz als Marke schützen zu lassen. Dies ist in Belgien relativ leicht und günstig. Mit einem Markennamen in der Hand hätte man der Domain-Namen-Vergabe getrost entgegensehen können.

Laut Sägesser haben sich die Schweizer Behörden das auch überlegt, dann aber das andere Verfahren vorgezogen. Resultat: die Domains gehören anderen.

"First come, first served" - in jedem Fall?

Wer als erster eine Internet-Adresse registriert hat, dem gehört sie bis in alle Ewigkeit! Das war die bislang vorherrschende Meinung. Beat Fehr meint jedoch, es gäbe durchaus Möglichkeiten, eine .eu-Adresse zurückzufordern.

"Die EU Verordnung 874/2004 zeigt im Artikel 21 klar auf, dass ein Domänenname nicht im Ansinnen auf einen späteren Verkauf reserviert werden darf." Weiter dürfe nicht auf Halde reserviert werden, sondern nur von jemandem, der den Namen auch nutze.

Er ist deshalb überzeugt: "Wenn man den Domain-Besitzern einen netten scharfen Brief schreibt und aufzählt, gegen welche Paragraphen sie verstossen und ihnen die Deckung der Unkosten anbietet, würde das wahrscheinlich funktionieren."

Fehr hat für ein solches Verfahren der Bundeskanzlei seine Hilfe angeboten. Thomas Sägesser sagt jedoch: "Wir haben diesen Montag dem österreichischen und dem niederländischen Halter einen Brief geschrieben, in dem wir sie bitten, die Adressen an uns abzutreten."

Der österreichische Halter von schweiz.eu will dem Vernehmen nach der Schweiz nichts wegnehmen. Er würde seine Adresse gar "im Sinn einer Nachbarschaftshilfe" abtreten. Andererseits scheint er auch nicht grundsätzlich abgeneigt zu sein, auf schweiz.eu ein Tourismus-Portal zu installieren.

Eigennutzen oder Missbrauchs-Ängste?

Die Bundeskanzlei beabsichtigt laut Sägesser nicht, in naher Zukunft Webseiten unter den erwähnten Domains aufzuschalten, aber: "Wir möchten die Gefahr eines Missbrauchs durch Private von Anfang an ausschliessen."

Denkbar und auch sinnvoll wäre es, das Integrationsbüro EU-Schweiz später unter schweiz.eu auftreten zu lassen.

Und was ist mit schweiz.ch?

Im Streit um den Internet-Domainnamen schweiz.ch, der einem Schweizer Privatmann gehört, soll gegen Ende Mai der Entscheid des in Prag ansässigen tschechischen Schiedsgerichtshofes vorliegen.

Denn bereits 1995 hatte es der Bund versäumt, rechtzeitig den Landesnamen in deutscher, französischer und italienischer Sprache registrieren zu lassen.

swissinfo, Etienne Strebel

Fakten

Start der eu-Domain-Registrierung: 7. Dezember 2005

16.12.2005: Eingang des Registrierungsgesuchs für schweiz.eu durch die österreichische info.at Internet GmbH bei der EURid, der Registrierungsstelle für .eu-Domains

06.01.2006: Eingang des schweiz.eu-Gesuchs des Centre Culturel Suisse.

Zurzeit gibt es bereits über 1,64 Mio. aktive .eu-Domains.

Bis auf die wichtigen Domain-Namen schweiz.eu, svizzera.eu, suisse.eu und switzerland.eu besitzt die Schweiz die Rechte auf alle .eu-Domains, mit dem Namen schweiz in einer der 21 anderen EU-Sprachen.

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In Kürze

Die öffentliche Verwaltung aber auch Firmen und Private präsentieren sich im weltweiten Datennetz. International tun sie das mit den gängigen Domains .com, .biz, .net, ,org, info.

Laut Wirtschafts-Spezialisten wird .eu in den nächsten Jahren zur wichtigsten neuen Top Level Domain der Welt aufsteigen, steht doch .eu für den rund 440 Mio. Einwohner zählenden Wirtschaftsraum der Europäischen Union.

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