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Schweiz sieht sich in Aids-Strategie bestätigt

Öffentliche Aids-Nachtwache während der Konferenz in Toronto.

(Keystone)

Die Schweizer Delegationsleiterin an der Internationalen Aids-Konferenz in Toronto, Elisabeth Guggenbühl, erklärt gegenüber swissinfo, inwiefern das Treffen ein Erfolg war.

Zum Ende der sechstägigen Aids-Konferenz am Freitag haben Experten eindringlich zu einer besseren Vorsorge und zu mehr Engagement der Politik im Kampf gegen Aids aufgerufen.

"Wir haben alle wissenschaftlichen Hinweise, um Millionen Menschen zu retten. Jetzt brauchen wir den langfristigen politischen Willen, es auch zu tun", sagte Peter Piot, Direktor des Aidsbekämpfungsprogramms UNAIDS der Vereinten Nationen.

Ein weiteres wichtiges Thema war das Geld. Während der Tagung hatten viele der rund 24'000 Teilnehmer immer wieder beklagt, dass die reichen Länder der G8-Gruppe ihre mehrfach gegeben Spendenzusagen nicht erfüllten und daher viele Millionen Menschen unnötig an Aids stürben.

UNAIDS beziffert den Finanzbedarf im Jahr 2007 auf 18,1 Mrd. Dollar, davon seien bislang nur etwa 10 Mrd. Dollar angekündigt oder zugesagt.

Über das Ergebnis der Konferenz hat swissinfo mit Elisabeth Guggenbühl gesprochen, der stellvertretenden Leiterin der Sektion Aids im Bundesamt für Gesundheit (BAG).

swissinfo: Wie erfolgreich war die diesjährige Konferenz?

Elisabeth Guggenbühl: Für das Bundesamt für Gesundheit ist es schon ein Erfolg, wenn man Wissen und Erfahrungen mit vielen im Aids-Bereich tätigen Menschen aus der ganzen Welt austauschen kann. Wir sind auf zahlreiche neue Ideen für unsere Arbeit gestossen und sehen uns in unserer Strategie bestätigt.

swissinfo: Was für Rückmeldungen haben Sie bezüglich der schweizerischen Aids-Arbeit bekommen?

E.G.: Die Leute waren begeistert von unserer letzten Kampagne "Love Life – Stop Aids", die offensichtlich weltweit bekannt ist.

Auch mit unserem neuen freiwilligen Beratungs- und Testprogramm, das wir nächstes Jahr einführen wollen, stiessen wir auf grosses Interesse. Für die anderen Präventionskampagnen haben wir wichtige Informationen und Anregungen erhalten.

swissinfo: Ein Hauptproblem in der Schweiz stellt die hohe Rate an Neuinfektionen – 34% im Jahr 2005 – bei homosexuellen und bisexuellen Männern. Haben Sie hier Lösungsansätze gefunden?

E.G.: Das war eher enttäuschend. Wir hatten uns erhofft, von anderen westlichen Ländern zu erfahren, wie sie mit dem Problem umgehen, aber leider haben wir nichts Neues erfahren.

Offensichtlich sehen sich andere Länder ähnlichen Problemen gegenüber und kämpfen für Lösungen. Diese Konferenz war aber nicht der Ort für einen Durchbruch. Deshalb müssen wir unsere bilateralen Bemühungen mit anderen Ländern intensivieren.

swissinfo: Wo stehen wir weltweit im Kampf gegen Aids?

E.G.: Die Zahlen sind bekannt: Rund 38 Mio. Menschen sind mit HIV infiziert. 65% von ihnen leben im südlichen Afrika, und jedes Jahr kommt es zu vier Mio. neuen Ansteckungen.

An der Konferenz wurde klar, dass für den Kampf gegen Aids noch nie so viel Geld zur Verfügung gestanden hatte. Aber auch die finanziellen Bedürfnisse waren noch nie so gross. Trotz gewissen Erfolgen steigt die Anzahl der Erkrankungen und der Menschen, die Therapie benötigen, weiter an.

Ein weiteres Problem ist die Menschenrechts-Situation in gewissen Ländern, wo Homosexualität und Prostitution illegal ist und Aids-Kranke ausgegrenzt werden. Bei diesen Leuten ist Präventionsarbeit fast unmöglich.

swissinfo-Interview: Simon Bradley
(Übersetzung aus dem Englischen: Susanne Schanda)

Fakten

Die 16. Internationale Aidskonferenz fand vom 13. bis 18. August im Metro Convention Centre in Toronto, Kanada, statt.
Über 24'000 Delegierte aus 170 Ländern nahmen daran teil. Unter ihnen Aids-Infizierte, Forscher, Leute aus dem Gesundheitswesen, Aktivisten, Politiker.

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In Kürze

Über 38 Mio. Menschen leben mit HIV. 2,8 Mio. HIV-infizierte Menschen starben 2005, die meisten von ihnen im südlichen Afrika, wo Nahrung knapp ist und das Gesundheitssystem schlecht.

Seit Juni 1981 haben sich weltweit 65 Mio. Menschen mit Aids infiziert und 25 Mio. sind daran gestorben.

UNAIDS schätzt, dass im letzten Jahr für die Behandlung, die Vorsorge und für die Aids-Waisen in Entwicklungsländern rund 8,3 Mrd. Dollar ausgegeben wurde. Als Ziel wurden vor 5 Jahren 7 bis 10 Mrd. Dollar gesetzt.

Laut Aids-Hilfe Schweiz leben in der Schweiz über 20'000 Männer und Frauen mit Aids. Jeden Tag erhalten zwei Menschen die Diagnose HIV-positiv.

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