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Schweiz sucht Menschenrechts-Dialog mit Pakistan

Botschafter Christian Dunand (Bild: swissinfo)

(swissinfo.ch)

Die Schweiz ist daran, den Dialog mit Pakistan über Menschenrechte wieder aufzunehmen. Dies sagt der Schweizer Botschafter Christian Dunant im Gespräch mit swissinfo.

Der Menschenrechts-Dialog zwischen der Schweiz und Pakistan ist seit sechs Jahren eingefroren.

Christian Dunant ist seit Januar 2000 Schweizer Botschafter in Pakistan. Ende November wird seine Mission zu Ende gehen.

Er trat seinen Posten drei Monate nach dem Militärputsch von Präsident Pervez Musharraf an. Dunant ist zudem zuständig für die bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und Afghanistan.

swissinfo: Inwiefern hat der Konflikt zwischen Pakistan und Indien Ihre Zeit in Islamabad dominiert?

Christian Dunant: Die Beziehungen zwischen Indien und Pakistan waren eine meiner Prioritäten. Wir haben die Entwicklung zwar mitverfolgt, aber waren zu keiner Zeit in die Verhandlungen involviert.

Es ist sehr schwierig für ein kleines Land wie die Schweiz Einfluss zu nehmen, auch wenn wir als neutrales Land von beiden Seiten respektiert werden.

Ich muss sagen, dass ich seit meiner Ankunft in Pakistan vor bald fünf Jahren zum ersten Mal ziemlich optimistisch bin, was die Entwicklung der Beziehungen des Landes mit Indien betrifft. Und ich hoffe, dass sie eines Tages fähig sein werden, normal zusammenzuleben.

swissinfo: Die Schweiz unterhält zurzeit Menschenrechts-Dialoge mit gewissen Ländern, namentlich mit Iran und China. Gilt das auch für Pakistan?

C.D.: Wir haben unseren Dialog mit Pakistan 1998 suspendiert, nachdem Pakistan und Indien mit Atom-Tests begonnen hatten. Nach der Machtübernahme durch Musharraf haben wir entschieden, den Dialog einzufrieren.

In den vergangenen Monaten versuchten wir, die Gespräche wieder aufzunehmen. Zurzeit diskutieren wir mit den Behörden in Islamabad, und ich glaube, der gute Wille ist da.

Wir helfen mit, Projekte im Bereich der Menschenrechte zu finanzieren. Zusammen mit der Regierung sind wir daran, gewisse Texte in den Schulbüchern zu ändern, um so die Kinder für die Menschenrechte zu sensibilisieren.

Wir unterstützen auch Hilfsprogramme für Frauen in den Gefängnissen. Wir sind also ziemlich aktiv auf diesem Gebiet.

swissinfo: Womit wird sich Ihr Nachfolger im wesentlichen beschäftigen müssen?

C.D.: Die Hauptaufgabe meines Nachfolgers wird darin bestehen, die Entwicklung der Wirtschaft in Pakistan zu beobachten und die Handelsbeziehungen zu verbessern.

Im Weitern wird er die politische Entwicklung verfolgen. Hier stellt sich die Frage, ob das Land wirklich eine Demokratie einführen wird. Denn das wird einen direkten Einfluss auf unsere Beziehungen mit Pakistan haben.

Ein weiteres Ziel ist die Aushandlung eines Abkommens für die Rückführung der illegal in der Schweiz lebenden pakistanischen Bürger.

swissinfo: Wenden wir uns Afghanistan zu. Denken Sie, dass die Präsidenten-Wahlen im Oktober für das Land entscheidend sein werden?

C.D.: Ich denke es wird für den Interims-Präsidenten Hamid Karzai nicht schwierig sein, diese Wahlen zu gewinnen. Aber ich bin nicht sehr optimistisch, dass das dem Land Frieden und Stabilität bringen wird.

Ich war in den vergangenen acht Monaten viermal in Afghanistan und habe jedes Mal eine Verschlechterung der Sicherheitslage festgestellt.
Die Leute werden nervöser, teilweise wegen den bevorstehenden Wahlen, aber auch, weil sie sehen, dass die Kriegsherren immer noch stark sind und die zentrale Regierung schwach.

Karzai macht zwar was er kann, aber seine Möglichkeiten sind beschränkt. Die Ex-Taliban im Süden des Landes, an der Grenze zu Pakistan, sind immer noch aktiv und stellen ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar.

swissinfo: Hilfsorganisationen haben sich ähnlich geäussert. Was sind die Folgen für die schweizerische Entwicklungsarbeit?

C.D.: Wir planen nicht, unser Entwicklungs-Büro in Kabul zu schliessen. Natürlich müssen unsere Leute unter erschwerten Bedingungen arbeiten, aber im Moment ist dies noch möglich.

Wir sind jedoch ständig auf das Schlimmste vorbereitet. Falls etwas passieren sollte, werden wir das Büro umgehend schliessen. Ich will nicht das Leben meiner Leute riskieren, falls es zu gefährlich werden sollte.

swissinfo: Wie wird sich die Schweiz in Zukunft am Wiederaufbau Afghanistans beteiligen?

C.D.: Unser Schwerpunkt liegt auf der humanitären Hilfe, aber es ist unsere Absicht, mehr in langfristige Entwicklungs- und Aufbauprojekte zu investieren.

Wir werden den Provinzen helfen, die Modalitäten im Umgang mit der Zentralregierung zu finden. Das ist sicher ein Bereich, in dem die Schweiz mit ihren föderalistischen Strukturen helfen kann. Die Behörden in Afghanistan wollen das auch.


swissinfo-Interview: Ramsey Zarifeh
(Übertragung aus dem Englischen: Andreas Keiser)

In Kürze

Christian Dunand wurde 1950 in Genf geboren und trat 1976 in die Dienste des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

1978: stellvertretender Missions-Chef in Kinshasa. Später arbeitete er in den Botschaften in Paris und Ottawa.

1996: stellvertretender Chef der Schweizer Mission bei den internationalen Organisationen in Genf.

Seit Januar 2000 und noch bis im November 2004: Schweizer Botschafter in Pakistan.

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