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Schweiz und Österreich werben gemeinsam

Gemeinsam werben, um die Leute in die Alpen zu locken. swiss-image

Am "Winteropening-Event" im belgischen Antwerpen werben die Schweiz und Österreich gemeinsam um Wintertouristen.

Dieser Inhalt wurde am 03. November 2006 - 11:22 publiziert

Die Zusammenarbeit zwischen Schweiz Tourismus und der Österreich Werbung für Wintertourismus ist kein Einzelfall. "Je weiter weg, desto gemeinsamer" heisst die Losung.

Wer Anfang November in Antwerpen über den zentralen Groenplatz im historischen Zentrum schlendert, kann die diversen Chalets nicht übersehen.

Aha, die Schweiz macht Werbung, denkt sich der kundige Belgier, und der zufällig in Antwerpen weilende Schweizer wundert sich. Zwar wirbt da tatsächlich die Schweiz um Wintertouristen, jedoch nicht alleine, sondern gemeinsam mit Österreich.

Gemeinsam stärker (und billiger)

Das erstaunt, sind doch die Schweiz und Österreich gerade im Winter erbitterte Konkurrenten oder wie das heute heisst Mitbewerber.

"Wir veranstalten einen grossen Publikums-Event im Zentrum von Antwerpen", sagt Ivan Breiter, Chef Markt Benelux-Länder von Schweiz Tourismus, gegenüber swissinfo. "Allein die Kosten hätten das Budget des jeweiligen Landes gesprengt. So war es naheliegend, dass die Schweiz und Österreich gemeinsam auftreten."

Für beide Länder sei das Produkt - die Alpen im Winter - identisch, und Antwerpen sei für beide Länder ein Hauptquellmarkt. "Viele Belgier wollen ihre Winterferien in den Alpen verbringen, ob in der Schweiz oder Österreich wird erst später entschieden."

So geht es primär darum, dem Gast die Alpenwelt im Winter schmackhaft zu machen. Erst dann wird er sich für einen Ort entscheiden. Deshalb stehen auf dem Groenplatz die rund 30 Chalets, die mit Destinationen aus der Schweiz oder Österreich angeschrieben sind.

Im Chalet Gstaad, Kitzbühel oder Wallis kann Auskunft über Winterferien in den Alpen eingeholt werden. Die Kinder finden gar eine kleine Skipiste mit echtem Schnee aus einer Skihalle in der Nähe vor. Zudem gibt es Raclette.

Harter Wettbewerb mit Badeorten

"Klar versuchen in den einzelnen Chalets die schweizerischen oder österreichischen Betreuer die Leute in das jeweilige Land zu locken. Aber das ist wie an einer Ferienmesse in der Schweiz, wo die unterschiedlichen Orte um die Gunst des Gastes buhlen", sagt Breiter. Das Verhältnis unter den Teams sei jedoch freundschaftlich. "Wir wollen ja, dass die Leute in die Alpen kommen."

Diese Art von gemeinsamem Marketing werde in der Tat immer wichtiger, betont Edith Zweifel von Schweiz Tourismus in Zürich. Der Gast könne heute im Winter aus unzähligen Angeboten auswählen. "Wintersport steht heute im harten Wettbewerb mit den Badeferien im Winter oder andern Alternativen. Darum müssen wir die Leute erst mal für Urlaub in einem Winterort gewinnen."

Österreich und die Schweiz arbeiteten deshalb auf diversen Gebieten zusammen. "Je weiter weg wir werben, desto gemeinsamer tun wir es", sagt Zweifel. "Im Nahbereich sind wir natürlich gegenseitige Mitbewerber - oder sagen wir es deutlich: Konkurrenten."

Zusammenarbeit an verschiedenen Fronten

Zweifel nennt die Alpine Tourist Commission in den USA. In dieser Organisation treten die Schweiz und Österreich gemeinsam auf, um in den USA den Alpenraum umfassend zu vermarkten.

Daneben werden Studienreisen und Workshop für asiatische Tour-Operators durchgeführt. In Japan zum Beispiel schulen Schweizer und Österreicher die Mitarbeiter von Reisebüros und Touroperator gemeinsam.

Regelmässig tauschen die CEO der Marketing-Organisationen der beiden Länder ihre Erfahrungen aus. Die Länder-Vermarktungen stehen regelmässig in Kontakt.

Am World Travel Mart in London am 7. November veranstalten die Schweiz und Österreich gemeinsam einen Abend für Journalisten und Kunden.

Gemeinsame Fussball-EM

2008 führen die beiden Länder die Fussball-Europameisterschaft durch. Auch da liegen gemeinsame Auftritte nahe, selbst wenn es dem Fussballfan eigentlich egal sei, ob seine Mannschaft in der Schweiz oder in Österreich spiele, so Jörg Krebs, der für Schweiz Tourismus die Zusammenarbeit koordiniert.

"Trotzdem. Wir geben demnächst gemeinsam ein Magazin heraus, in dem sich die beiden Länder vorstellen", erklärt der Koordinator. Das Magazin soll über Lifestyle berichten, Cityportraits und vieles mehr enthalten und in einer Auflage von einer halben Million Exemplaren in Flughäfen, Botschaften, Tourismusmessen und andern wichtigen Orten aufliegen.

Eine europaweite Plakataktion der beiden Länder werde es allerdings nicht geben. "Dafür fehlt uns leider das Geld", sagt Krebs.

swissinfo, Urs Maurer

Fakten

Schweiz Tourismus (ST) vermarktet die Schweiz als Tourismusland.
Dies mit 167 Mitarbeitenden und einem Budget von 74 Mio. Franken.
Die Zahl der Logiernächte in der Schweiz hat im Winter 2005/2006 um 5,6% und im Sommer 2006 um 4,7% zugenommen.
Dies ist beste Ergebnis seit 10 Jahren.

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In Kürze

Bis vor 20 Jahren figurierte die Schweiz weltweit unter den ersten 10 Tourismusländern.

Seither hat sie an Boden verloren: Weltweit wuchs die Branche stark, in der Schweiz jedoch stagnierte sie bis 2005.

Weiterhin entfällt die Hälfte der Einnahmen, bei der Hotellerie noch mehr, auf ausländische Touristen. Früher dominierten Wintertourismus und Alpen, seit einigen Jahren Städte und Sommertourismus.

Die Hotellerie, im Inland an der Sättigungs-Grenze, wächst dafür im Bereich Ausbildung und Schulung.

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