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Schweiz verliert Arbeitsplätze

Die Schweizer Metallindustrie schafft vermehrt Arbeitsplätze im Ausland.

(Keystone)

Die schweizerische Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM) engagiert sich immer stärker im Ausland. Hauptmotive sind tiefere Kosten und bessere Nähe zum Markt.

Die Auslagerung der Aktivitäten ins Ausland hat für den Standort Schweiz Konsequenzen: Es werden kaum mehr Arbeitsplätze geschaffen.

Die Schweizer MEM-Industrie verzeichnet ein erfreuliches erstes Semester 2004. Die Auftragseingänge nahmen um über 11% zu, und die Umsätze stiegen um 7%. Stark zugenommen haben die Exporte, nämlich 10,6%.

Diesen erfreulichen Tatsachen steht eine weitereTatsache gegenüber: Die Schweizer Firmen verlagern zunehmend ihre Aktivitäten ins Ausland.

Für Johann N. Schneider-Ammann, Präsident des Branchenverbandes Swissmem, ist deshalb klar: "Wollen wir im internationalen Standort-Wettbewerb bestehen, müssen wir den Werkplatz Schweiz auf allen Ebenen stärken."

Das sagte Schneider-Ammann kürzlich bei der Präsentation der Halbjahreszahlen der Swissmem-Firmen.

Zwei Umfragen

Damit diese Forderung nicht einfach als Floskel eines Interessenverbandes abgetan werden kann, wollte Swissmem es genau wissen. Gehen die Schweizer Firmen der Maschinen- und Elektroindustrie wirklich vermehrt ins Ausland?

Von Mai bis Juli 2004 befragte die Fachhochschule Winterthur im Auftrag von Swissmem sämtliche 950 Mitglieder, die rund 300'000 Arbeitsplätze vertreten, zum Thema Produktion im Ausland.

In einem zweistufigen Vorgehen wurde zuerst eine Bestandesaufnahme der momentanen Produktion im Ausland gemacht. In einer zweiten Umfrage wurden die Beweggründe, die Vorgehensweise und die effektiven wirtschaftlichen Ergebnisse analysiert.

Starkes Engagement im Ausland

Gut 30% antworteten, was Schneider-Amman als "sehr guten Rücklauf" bezeichnete. Kaum beteiligt haben sich die ganz kleinen Unternehmen, "für die eine Verlagerung der Produktion ins Ausland kaum oder nicht in Frage kommt", sagte der Swissmem-Präsident.

Das Bild, das sich ergab spricht eine deutliche Sprache: Die schweizerische MEM-Industrie weist ein starkes Direkt-Engagement im Ausland auf.

60% der Unternehmen, die geantwortet haben, verfügen über eine Niederlassungen, Tochter- oder Produktions-Gesellschaften im Ausland. 85% davon haben eigene Produktionsstätten. Und, für praktisch alle, die sich an der Umfrage beteiligten, sind die Engagements im Ausland auch erfolgreich.

Tiefere Kosten und Marktnähe

Warum zieht es die grösseren Schweizer Firmen ins Ausland? Die Hauptmotive sind tiefere Kosten und die bessere Nähe zum Markt.

Das hat Konsequenzen für die Arbeitsplätze in der Schweiz. Schneider-Amman gegenüber swissinfo: "Es bedeutet für die Schweiz, dass wir in den letzten Jahren nicht zusätzliche Arbeitsplätze schaffen konnten. Wir haben sie insgesamt abgebaut und hätten sie möglicherweise noch viel mehr abbauen müssen, wenn die einzelnen Firmen nicht über die Internationalität Impulse hätten holen können."

Deshalb müsse die ganze Öffnung und die ganze Verlagerung und der Druck, der von Aussen komme, auch als Chance betrachtet werden.

Mehr Arbeitsplätze im Ausland

"Der Schweizer Markt ist ein sehr kleiner Markt. Sich hier einfach wohl fühlen bedeutet ein hohes Risjko eingehen." Die Exportlokomotive der Industrie helfe mit, dass der Werkplatz Schweiz immer wieder wachgerüttelt werde. "Das kommt letztlich allen zu Gute", sagt Schneider-Ammann.

Noch immer ist die Schweiz Hauptproduktionsort der MEM-Industrie. Dann folgen die "alte" EU, die NAFTA-Staaten, China, die neuen EU-Länder und ASEAN, Japan und Indien.

Seit dem Jahr 2000 verändert sich die "Rangliste". Die "neuen" EU-Länder und China holen stark auf.

Verhalten äusserten sich die Firmen bezüglich den Auswirkungen auf die Beschäftigung. Nur 20 Unternehmen gaben hier eine detaillierte Antwort. Doch sind die Zahlen auch hier eindeutig: Im Ausland haben diese Firmen rund 5200 Arbeitsplätze geschaffen, in der Schweiz waren es lediglich 200.

Vier Hautpgründe

Johann N. Schneider-Ammann zieht als Fazit vier zentrale Schlüsse aus der Umfrage über die Auslandproduktion der schweizerischen MEM-Industrie.

Die Schweizer Firmen nutzen die Chancen zur Internationalisierung der Produktion. Oder anders gesagt, sie schaffen vermehrt Arbeitsplätze im Ausland.

Die Internationalisierung in der Wertschöpfung bleibt nicht auf grosse Schweizer Multis beschränkt. Sie hat auch den KMU-Bereich erfast. Der Trend wird sich in den kommenden Jahren fortsetzten. 40% aller Unternehmen erwägen nämlich, neu oder auch weiterhin Arbeitsplätze zu verlagern.

Kleine Unternehmen sind mit einem direkten Auslandengagement in der Regel überfordert. Alle andern aber erreichen meistens die gesteckten Ziele. Schneider-Ammann: "Oder sie haben uns in der Umfrage ein Scheitern unterschlagen".

Mit der Internationalisierung der Produktion gehen dem Standort Schweiz vor allem neue Arbeitsplätze verloren. Doch stärke diese Internationalisierung die Unternehmen insgesamt. Das bedeute, dass die bestehenden Arbeitsplätze in der Schweiz erhalten werden können.

Standort Schweiz optimieren

Gesamttaft sieht Swissmem nicht schwarz für den Standort Schweiz. Swissmem-Präsident Schneider-Ammann sagt: "Es sprechen viele Faktoren für den Standort Schweiz: das hohe Ausbildungsniveau, die Qualität der Arbeit, die Arbeitsproduktivität, die Sozialpartnerschaft und die Flexibilität des Arbeitsmarktes."

Aber er verhehlt nicht, dass fast alle Firmen in der Umfrage (91,3%) forderten: Die Schweiz muss ihre Standortfaktoren "optimieren".

Gemeint ist damit, dass die Unternehmenssteuern und die Kosten gesenkt werden, der Binnenmarkt dereguliert wird (Beispiel Strommarkt) und der Bildungsstand verbessert wird. Oder wie Swissmem sich ausdrückt: "Die Schweiz muss sich bewegen, die Politik ist gefordert."

swissinfo, Urs Maurer

Fakten

60% der MEM-Firmen sind im Ausland tätig
Auch der KMU-Bereich ist zunehmend von der Internationalisierung erfasst
Mit der Internationalisierung gehen der Schweiz vor allem neue Arbeitsplätze verloren.

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In Kürze

Schweizer Firmen sehen Qualitätseinbussen und eine schwierige Kommunikation als grösste Gefahren für die Produktion im Ausland.

Als Hauptmotivation für die Produktion ins Ausland werden Kostenreduktionen auf befristete Zeit, kostengünstigere Produktion, tiefere Lohnkosten und kürzere Transportwege genannt.

Für 92% der Firmen haben sich die Erwartungen mit der Produktion im Ausland erfüllt.

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