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Schweiz will kein Hafen sein

Der gegenüber dem Euro zu starke Franken läuft der Konjunktur-Erholung entgegen.

(Keystone)

Die Schweiz sieht sich vom Devisenmarkt derzeit in die Rolle eines "sicheren Hafens" gedrängt - und wehrt sich dagegen.

Der Gegenversuch, den vor allem die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit zwei Schritten zu Zinssenkungen Anfang Mai und in der vergangenen Woche machte, verpuffte wirkungslos. Immer neue Warnungen vor Terroranschlägen, der Nahost-Krieg oder die Pakistan-Krise machen den Schweizer Franken zum Dollar und teilweise auch zum Euro härter.

Dollarkurs auf Rekordtief

In der vergangenen Woche sank der Dollarkurs mit 1,5660 Franken auf den niedrigsten Wert seit Januar 2000. Der Euro pendelt um die von der schweizerischen Exportindustrie gezogene Schmerzgrenze von 1,45 Franken.

Die SNB hat die Zinsen so weit nach unten gedrückt, dass nach Ansicht von Währungsexperten nun nur noch die Null kommen kann - es also praktisch keinen Handlungsspielraum mehr gibt.

Franken als beliebtes Spekulationsmittel

"Was hat die Schweiz Anlegern an Sicherheiten zu bieten?" fragte etwa die "Basler Zeitung" und gibt gleich die Antwort: "Herzlich wenig, bis nichts." Dennoch hält die Spekulation mit dem Franken neben dem wieder erstrahlten Gold fast unvermindert an.

Und deshalb sind die Zinsschritte der Nationalbank auch wirkungslos, weil sie mit der schnellen Änderung der Wechselkurse nicht mithalten, so Experten.

Exportwirtschaft leidet

Der starke Franken behindert aber die Erholung der Konjunktur, ist etwa die Schweizer Maschinenindustrie überzeugt, die gerade mit der schlechten Nachricht von einem sinkenden Auftragsbestand um fast ein Viertel im ersten Quartal an die Öffentlichkeit gehen musste.

Geschadet hätten der Branche die Wirtschaftsschwäche und der starke Franken, sagte Verbandsdirektor Thomas Daum. Die Folge könnten Produktions-Verlagerungen ins Ausland oder eine Zunahme der Zulieferer aus dem Euro-Raum sein.

Abhängigkeit von der Euro-Zone

Am Euro hängt für die Schweizer Wirtschaft viel, gehen doch über 52 Prozent der Exporte in die zwölf Länder der Euro-Zone. Christoph Koellreuter, Chef der BAK-Basler Konjunkturforschung AG, gesteht denn auch ein, dass die Schweizer Exporteure Probleme mit den Währungs-Schwankungen haben.

Allerdings stimme auch etwas an den Unternehmen nicht, wenn eine Aufwertung von 5 Prozent gegenüber dem Dollar Firmen schon in Existenznot bringe, sagte Koellreuter gegenüber der "Basler Zeitung".

Folge des EWR-Neins?

Die Boulevardzeitung "Blick" sieht ebenfalls hausgemachte Fehler: So habe insbesondere die Ablehnung des Beitritts zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) durch die Schweizer Bürger vor zehn Jahren das Land in Europa "zur Schnecke gemacht", schrieb die Zeitung.

Das fast gleich grosse Österreich, das jetzt in der EU sei, stehe ungleich besser da. Die Schweiz habe zum Teil die Neuordnung ihrer Industrie verpasst.

swissinfo und Heinz-Peter-Dietrich (dpa)


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