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Schweizer Arbeitsplätze werden ausgelagert

Die Schweizer Unternehmen produziren vermehrt im Ausland.

(Keystone Archive)

Immer mehr Firmen in der Schweiz lagern Arbeitsplätze ins billigere Ausland aus. Das ist das Fazit einer neuen Studie.

Nur gerade ein Drittel der über 100 untersuchten Firmen produziert noch ausschliesslich in der Schweiz.

Die Autoren der Studie des Institutes für Technologie-Management der Universität St. Gallen kommen zum Schluss, dass bereits eine Mehrheit der Firmen in der Schweiz Teile ihrer Produktion nach Asien, Osteuropa aber auch in die USA ausgelagert haben.

"Die Kosten sind sicher ein wesentlicher Faktor, aber wir stellen auch fest, dass Firmen, die in den neuen Märkten stärker präsent sein wollen, Arbeitsplätze auslagern", sagt Elgar Fleisch, Mitverfasser der Studie.

"Dabei werden aber nicht nur Arbeitsplätze in der Fertigung ausgelagert, in zunehmenden Masse sind es Stellen in der Forschung und Entwicklung", sagt Fleisch gegenüber swissinfo.

Die Mehrheit der für die St. Galler Studie erfassten Firmen sind in den Bereichen Maschinenbau, Automobil, Elektronik sowie in der chemischen und pharmazeutische Industrie tätig.

Dabei verlagern nicht nur multinationale Firmen Arbeitsplätze aus. In zunehmendem Masse tun das auch kleinere und mittlere Firmen, so genannte KMU.

Jobs bleiben verloren

Die Statistik zeigt, dass die Anzahl Arbeitsstellen in der Fertigung seit Anfang 1990 um rund einen Viertel zurückgegangen sind.

"Eine Erkenntnis der Studie ist: Wenn Firmen ihre Produktion oder andere Bereiche ihrer Tätigkeit auslagern, dann bleiben sie im Zielland. Oder anders ausgedrückt: einmal verlagert, immer verlagert", sagt Fleisch.

"Swiss Engineering", der Verband der produzierenden Industrie mit 15'000 Mitgliedern, liess verlauten, dass der Wegzug der Arbeitsplätze ins Ausland irreversibel sei.

"Die St. Galler Studie bestätigt unsere Befürchtung, dass mehr und mehr Unternehmen beabsichtigen, ihre Tätigkeiten ins Ausland zu verlagern", sagt Andreas Hugi, Generalsekretär von Swiss Engineering.

Hugi gibt auch zu bedenken, dass sich die Schweizer Universitäten gut überlegen sollten, ob sie sich die Mühe machen sollen, Ingenieure auszubilden, die dann doch keine Stelle fänden in der Schweiz.

"Die Universitäten haben schon heute Mühe, Studenten zu finden, die eine Ingenieur-Ausbildung anstreben. Denn die Chancen, einen Job in der Schweiz zu finden, sinken."

Grosse und Kleine

Die Studie zeigt noch eine bemerkenswerte Erscheinung: Eine zunehmende Anzahl KMU beginnt, die Produktion auszulagern.

"Rund 25% der Firmen, welche auf unsere Anfragen reagierten und die bislang keine Arbeitsplätze ausgelagert haben, beabsichtigen das in Zukunft zu tun. Die Mehrheit davon sind KMU", sagt Fleisch.

"Wir stellen fest, dass die kleinen und mittleren Unternehmen den grossen folgen."

Andreas Hugi sagt auch, dass der ökonomische Nutzen der kleinen und mittleren Firmen tatsächlich bedeutend sei, weil die Saläre und die allgemeinen Kosten im Zielland einen Bruchteil dessen seien, was in der Schweiz anfällt.

Die Schweiz, warnt Hugi, werde aufgrund dieser Entwicklung wichtige Ressourcen verliere, wenn es nicht gelinge, die kreativen und kompetitiven Kräfte im Land zu behalten.

"Die Schweiz ist nicht mehr das Zentrum von Innovationen, das sie einmal war", sagt Hugi. "Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Unternehmen attraktivere Standorte wie China oder Indien bevorzugen, die zukunftsgerichteter sind und über gut ausgebildete Fachleute verfügen."

"Wenn das so weiter geht, wird die Schweiz zu einem zweiten Monaco. Übrig bleibt 'nur noch' ein Finanzplatz. Das wäre keine gute Entwicklung, denn das Land braucht weiterhin Industrieunternehmen und Banken."

swissinfo, Ramsey Zarifeh
(Übertragung aus dem Englischen: Urs Maurer)

In Kürze

Die Studie beruft sich auf die Antworten von 112 Schweizer Unternehmen.

Das Ergebnis: Immer mehr verlagern auch kleinere und mittlere Firmen (KMU) Arbeitsplätze ins Ausland.

Nur noch 37% der Firmen gaben an, ausschliesslich in der Schweiz zu fertigen.

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