Gefragt ist Durchhaltewillen

Ismael Mechai (30), studiert an der Uni Bern und ist der oberste Taxifahrer der Stadt Bern. zvg
Dieser Inhalt wurde am 30. April 2020 - 14:00 publiziert

Jetzt müssen viele Schweizerinnen und Schweizer improvisieren – für die meisten eine neue Erfahrung. In einer Serie stellen wir Menschen vor, die sich durch den Lockdown kämpfen. Welche Ängste haben sie durchlebt, welche Hoffnungen hegen sie? Wie geht es den Taxifahrern? Ismael Mechai gibt uns Einblick. 

Seit dem 16. März dreht sich die Welt in der Schweiz langsamer. 

Viele Menschen wurden von einem Tag auf den anderen vor grosse Herausforderungen gestellt. Wie kann der Dönerstandbetreiber mit weniger Laufkundschaft am Ende des Monats die Miete begleichen? Wie kann die Coiffeursalon-Besitzerin den Lohn ihrer Angestellten bezahlen? Oder wie kann ein selbständiges Paar, das sein Yoga- und Pilatesstudio schliessen musste, trotzdem ein Einkommen erzielen?

Auch wenn die Schweiz schrittweise wieder zur Normalität zurückkehren soll: Die Kunst zu improvisieren bleibt gefragt.

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"Wir merken deutlich, dass seit Montag einige Geschäfte wieder geöffnet haben. Jetzt fahren wir unsere Kundinnen und Kunden wieder zum Coiffeur oder in die Physiotherapie. Während des Lockdowns sind unsere Aufträge um 90 Prozent eingebrochen. Nun zieht es wieder an.

Für selbstständige Taxifahrer, die auf eigene Rechnung arbeiten, waren die letzten Wochen besonders hart. Ich konnte glücklicherweise meine 18 angestellten Chauffeure – auch dank der Anmeldung von Kurzarbeit – trotzdem entlöhnen. Zudem arbeiten wir mit 60 selbstständigen Taxifahrern zusammen.

Im Normalfall haben diese einen Tagesumsatz von ungefähr 180 Franken. Jetzt kommen aber manchmal nur noch 20 bis 40 Franken pro Tag rein. Die Chauffeure warten stundenlang am Bahnhof auf Kundschaft. Normalerweise hat man einen Auftrag pro Stunde. Einige selbstständige Taxifahrer befürchteten, sie müssten Sozialhilfe in Anspruch nehmen, wenn es so weiter geht.

Wir durften zwar weiterarbeiten, die Leute wollten aber kaum noch ein Taxi nehmen. Wir haben uns stark dafür eingesetzt, dass auch unsere Branche vom Bund unterstützt wird. Mit Erfolg. Doch vorläufig ist die Corona-Entschädigung nur auf zwei Monate begrenzt. Die Krise ist aber noch lange nicht ausgestanden. Viele Grossveranstaltungen fallen in den kommenden Monaten ins Wasser, das werden Taxifahrer zu spüren bekommen.

"Die Krise ist aber noch lange nicht ausgestanden."

Ismael Mechai

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Unsere Taxis sind zum Schutz der Fahrer und der Fahrgäste mit einer Trennwand ausgerüstet. Ausserdem gibt es in jedem Taxi Desinfektionsmittel. Wenn es meine Mitarbeiter wünschen, können sie sich auch mit Handschuhen und Schutzmasken ausrüsten. Wenn immer möglich versuchen wir bargeldlos zu arbeiten. Aber manchmal geht es halt nicht anders, dann nehmen wir auch Bargeld an. Wir hatten glücklicherweise noch keine Ansteckung in unserem Betrieb.

Jetzt braucht es Durchhaltewillen bis sich die Lage wieder normalisiert. Für unseren Betrieb bin ich optimistisch, weil wir mehrere Standbeine haben: Nebst den herkömmlichen Taxifahrten bieten wir auch Behinderten- und Schülertransporte an.

So geht Taxifahren künftig: Passagier auf dem Rücksitz und Trennvorhang zum Fahrer oder der Fahrerin aus Plastik. zvg


Ich hoffe, dass wir Taxichauffeure aus dieser Krise lernen und weiter nach innovativen Lösungen suchen. So können wir auch schwierige Zeiten finanziell überleben. In diesen Tagen muss man spontan sein und improvisieren – beispielsweise mit Spitälern oder Arztpraxen Kontakt aufnehmen und fragen, ob sie Unterstützung brauchen. Wir haben für unsere Kunden Einkaufsfahrten angeboten, was rege genutzt wurde. Das haben wir vor Corona nicht gemacht.

Anderen Taxifahrern rate ich, dass sie sich laufend informieren. Über staatliche Hilfe oder andere Massnahmen, und zwar nicht nur auf Bundesniveau, sondern auch auf Kantonsebene."

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