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Schweizer auf dem Weg nach Brasilien

Schweiz - Rio de Janeiro auf dem Wasser. (Bild: Musée d'Art et d'Histoire, Fribourg)

Schon im frühen 19. Jahrhundert haben Schweizer Auswanderer den weiten und beschwerlichen Weg nach Brasilien auf sich genommen.

Flüsse spielten dabei eine wichtige Rolle.

Holland profitierte als "Tor zur Neuen Welt" stets vom Rhein. Waren aus Übersee wurden in holländischen Häfen gelöscht und rheinaufwärts in ganz Mitteleuropa vertrieben. Das Tor öffnete sich aber auch auf die andere Seite.

"Sie sangen, lachten, waren guter Dinge, als sie hier am 30. Juli 1819 ankamen", erzählt Cees Esseboom, ein mit der Geschichte seiner Stadt wohlvertrauter Ökonom und Hobby-Historiker.

Auf Einladung des Königs

Die 2060 glücklichen Männer, Frauen und Kinder kamen aus der Schweiz. Jean VI, König von Portugal und Brasilien, hatte sie eingeladen, sich in Brasilien eine neue Existenz aufzubauen.

Die Siedler, vor allem aus den Kantonen Freiburg, Bern, Wallis, Aargau, Luzern und Solothurn, hatten ihre Heimat verlassen, getrieben vom Hunger und der damals aussichtslos erscheinenden Wirtschaftslage.

Am 4. Juli 1819 starten die Westschweizer Emigranten in Estavayer-le-Lac ihre lange Reise. Die Boote passieren den Bielersee, folgen der Aare und dem Rhein und erreichen am 9. Juli Basel.

Nachdem die Innerschweizer und Aargauer dazu gestossen sind, setzt sich der ganze Tross am 11. Juli flussabwärts in Bewegung.

Entbehrungsreiche Reise

"Die Fahrt war kein Vergnügungstrip," weiss Martin Nicoulin, Schweizer Historiker aus Freiburg. "Sie waren eingepfercht auf Segelbooten, die auf dem reissenden, Hochwasser führenden Rhein navigieren mussten." Die Fahrt auf dem Rhein war nur ein blasser Vorgeschmack auf die beschwerliche Seereise.

Am 29. Juli kommen sie in Dordrecht an. "Die Menschen wollten spätestens zwei Wochen später in Richtung Brasilien in See stechen", berichtet Ceess Esseboom weiter.

Daraus wird nichts. Die Abreise verzögert sich. Im Schweizer Lager brechen Krankheiten aus. 47 Menschen sterben.

Vom 10. Oktober an können die 2013 Überlebenden endlich in See stechen. Sie sind, je nach Schiff, zwischen 55 und 122 Tagen auf See, ehe sie in Rio de Janeiro anlangen und in dessen Hinterland die Schweizer Kolonie "Nova Friburgo" gründen. 313 Emigranten bezahlen die Überfahrt mit ihrem Leben.

swissinfo-Sonderkorrespondent Etienne Strebel, Dordrecht


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