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Schweizer Banken kehren "Fusionitis" den Rücken

Stehen UBS und Credit Suisse, hier die Hauptsitze am Zürcher Paradeplatz, auf einem guten Fundament? Keystone

Finanzexperten treffen sich diese Woche am Finance Forum in Zürich, um die künftigen Banken-Strategien zu besprechen.

Dieser Inhalt wurde am 02. November 2004 - 12:30 publiziert

Beat Bernet, Professor am Schweizerischen Institut für Banken und Finanzen an der Hochschule St. Gallen, sprach mit swissinfo über die Aussichten der beiden Schweizer Grossbanken.

Das Thema des diesjährigen Forums heisst "Die Bank der Zukunft - Strategien für immer härter umkämpfte Märkte". Eine aktuelle Diskussion, liebäugeln doch mehrere europäische Grossbanken mit einem Schritt über den grossen Teich, um mit US-Banken zusammenzuspannen.

UBS und Credit Suisse, die beiden Schweizer Grossbanken, die europaweit den Ton angeben, stehen bei diesem Trend aber abseits: Sie scheinen von künftigen Fusionen die Hände zu lassen.

Beat Bernet geht davon aus, dass andere europäische Finanzinstitute sich dieser Haltung anschliessen werden, obwohl die Übernahme der britischen Abbey durch die spanische Bank Santander noch nicht lange zurückliegt.

swissinfo: Wieso diese aktuelle Diskussion über internationale Verbindungen?

Beat Bernet: Dahinter liegt einerseits der Wachstums-Gedanke, andererseits die Erschliessung neuer Märkte.

swissinfo: Wieso sind grenzüberschreitende Banken-Fusionen in Europa so selten?

B.B.: Einerseits wegen der Marktregulationen, andererseits aus wettbewerbs-rechtlichen Gründen. Auch kennt heute ein Institut die immensen Kosten, die aus einem solchen Projekt erwachsen. In einem schrumpfenden Markt wird es immer schwieriger, aus einer Fusion Gewinn zu schlagen.

swissinfo: Weshalb lassen die Schweizer Grossbanken ihre Finger von einem solchen Deal?

B.B.: Die grossen Fusionen waren eine Erscheinung der 90er-Jahre. Heute müssen die Banken eher netzwerk-orientierte Geschäfts-Modelle ins Auge fassen. Solche schaffen eher die Möglichkeiten, vom Faktor der schieren Grösse zu profitieren. Dabei fallen erst noch die vollen Kosten einer Integration weg.

swissinfo: Die UBS verfolgt eine Strategie der "kleinen Übernahmen", was ist mit der Credit Suisse?

B.B.: Credit Suisse fokussiert ebenfalls auf eine Konsolidierung und konzentriert sich wieder vermehrt auf die Kerngeschäfte. Die CSG wird in den nächsten zwei bis drei Jahren ihre Geschäftszweige durchkämmen. Danach wird sie vielleicht zum nächsten grossen Sprung ansetzen.

swissinfo: Der Abgang von Credit-Suisse-CEO John Mack wird mit seinen Plänen für ein Zusammengehen mit der Deutschen Bank in Verbindung gebracht – zu Recht?

B.B.: Schwer zu sagen, aber ich bin sicher, dass eine zu enge Verbindung mit der Deutschen Bank keine gute Idee ist. Damit gäbe es nichts zu gewinnen, denn Grösse allein garantiert noch keinen Profit oder besseren Marktzugang.

swissinfo: Wie stehen die Karten von UBS und Credit Suisse im Vergleich zu ihrer europäischen Konkurrenz?

B.B.: Da muss man nach Geschäftseinheiten unterscheiden, also zwischen Privatkunden-Geschäft, Retail- und Investment-Banking. Die Antworten fallen für jede Einheit verschieden aus. Im Private Banking halten die Schweizer Banken eine sehr starke Position. Da haben sie auch eine internationale Strategie. Im Retail-Geschäft sieht es anders aus, denn hier gibt es noch lokale Märkte, in die Aussenstehende kaum eindringen können.

swissinfo: Können die Schweizer Banken mit den grossen US-Instituten mithalten?

B.B.: Die künftigen Kernmärkte für unsere Banken liegen in Europa und Asien. An beiden Orten sind die zwei Schweizer Player gut positioniert und konnten in den letzten zwei Jahren ihre finanzielle Stärke in verbesserte Profitabilität ummünzen.

Strategisch gesehen hatten sie in der Vergangenheit einige Schwierigkeiten, aber sie haben ihre Hausaufgaben gemacht. Dasselbe lässt sich von vielen euopäischen und US-amerikanischen Banken nicht behaupten.

swissinfo-Interview: Chris Lewis
(Übertragung aus dem Englischen: Renat Künzi)

Fakten

In den USA fusionierten kürzlich Bank One mit der JP Morgan Chase sowie die FleetBoston Financial mit der Bank of America.
Diese neuen "Superbanken" haben eine viel grössere Kapitalbasis als die europäischen Konkurrenten.
Die grössten europäischen Banken - HSBC, Royal Bank of Scotland, Deutsche Bank, UBS und Credit Suisse – sind diesem Trend bisher nicht gefolgt.

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In Kürze

Die jüngste Welle von Bankenfusionen in den USA löst in der Branche in Europa entsprechende Diskussionen aus.

Hier gibt es grosse gesetzliche und kulturelle Unterschiede, weshalb die kürzliche Übernahme einer britischen Bank durch ein spanisches Institut wohl eher die Ausnahme von der Regel bilden könnte.

Die beiden Schweizer Grossbanken stehen bei grossen internationalen Fusionen abseits, eine Strategie, die sich nach Experte Beat Bernet auszahlen könnte.

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