Heute in der Schweiz
Sehr geehrte Damen und Herren
"Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen", schrieb Max Frisch, einer der grössten Schweizer Autoren und Dramatiker, 1965. Und Menschen, die kamen, holten ihre Kinder nach. Doch das war illegal. Wie auch die Schulen für diese Kinder, die Helfer:innen für sie klandestin betrieben.
Beste Grüsse aus Bern
Es ist kein schönes Kapitel unserer jüngsten Geschichte: die «Saisonniers», die ihre Kinder nicht in die Schweiz holen konnten.
Sie bauten ab 1950 die moderne Schweiz: Hunderttausende von Arbeitskräften aus dem Ausland, insbesondere aus Italien, Spanien, Portugal und der Türkei.
Doch ausser «Chrampfen» durften sie hier nicht viel: Als Saisonniers durften sie hier keine Wurzeln schlagen – sie mussten das Land nach neun Monaten wieder verlassen, bevor sie nach drei Monaten wiederkommen durften. Wer Kinder hatte, musste diese im Heimatland zurücklassen.
Doch einige setzten Verstand und Elternliebe vor das Gesetz und holten ihre Kinder in die Schweiz – illegal. Nicht nur waren die Kinder «versteckt», sondern auch die Schulen, die sie trotz ihres prekären Status hier besuchen konnten.
Das war Menschen zu verdanken, die den Mut hatten, «geheime» Schulen zu organisieren.
- Ihnen und den Kindern ist eine Ausstellung im Historischen Museum der Uhrenmetropole La Chaux-de-Fonds gewidmet. Der Beitrag stammt von meinem Kollegen Daniele Mariani.
- «Versteckte Kinder» fordern GerechtigkeitExterner Link – Beitrag ebenfalls von Daniele von letztem November.
- Wie Demokratie die Schweizer Fremdenangst verdaut – mein Bericht von 2020.
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Krieg Russland gegen die Ukraine: Für den Europarat, das Bollwerk in Europa für Demokratie und Menschenrechte, ist dies der GAU. Denn damals gehörten beide Länder der Organisation an. Heute nur noch die Ukraine.
Der Europarat hatte sich nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs die Förderung von Demokratie und Menschenrechten auf die Fahne geschrieben.
Der Organisation kommen grosse Verdienste daran zu, dass der Kontinent heute mit Fug und Recht als eine globale Demokratie-Hochburg bezeichnet werden kann.
Doch seit dem 24. Februar, als die Attacke Russlands gegen die souveräne Ukraine begann, ist alles anders, wie Marija Pejčinović Burić einräumt, die Generalsekretärin der Organisation. Wie sie dieses Schreckensszenario künftig verhindern will, verriet sie im Gespräch mit swissinfo.ch.
- So will der Europarat künftig Krieg unter Mitgliedern verhindern.
- An der Ukraine Recovery Conference geht’s auch um Demokratie – mein Artikel mit Stimmen aus dem Treffen von Parlamentsdelegationen der Ukraine und der Schweiz in Lugano.
- Ein «Lugano»-Plan für den Wiederaufbau der Ukraine – unsere Vorschau zur Ukraine Recovery Conference von letzter Woche in Lugano.
Traurige Premiere: Erstmals rissen Wölfe in der Schweiz eine ausgewachsene Kuh. Gegner:innen des Raubtiers sehen sich bestärkt.
Es geschah auf einer Alp im Kanton Graubünden: Vermutlich mehrere Wölfe eines in der Region heimischen Rudels attackierten und töteten eine Mutterkuh.
Der Vorfall verleiht jenen politischen Kreisen Auftrieb, die den hohen Schutz des Raubtiers in der Schweiz durchlöchern wollen.
«Jetzt müssen wir handeln, um noch Schlimmeres zu verhindern», sagte der Bündner Nationalrat Martin Candinas von «Die Mitte».
- Präventive Abschüsse von Wölfen stehen wieder zur DebatteExterner Link – Bericht von SRF News.
- Die Schweiz schützt den Wolf weiterhin umfassend – unser Bericht zur Abstimmung über den Schutz des Wolfes vom September 2020.
- Wölfe: Bereicherung oder Gefahr? – Video meiner Kollegin Susan Misicka von 2017.
Wann, wenn nicht während eines Krieges, wenn Güter knapp werden, macht eine Lösung besonders Sinn: Einkaufen direkt bei den Produzent:innen.
Gehts ums Essen, wird der Einkauf von Gemüse, Früchten, Fleisch oder Milchprodukten direkt vom Bauern und von der Bäuerin sogar echt sympathisch – aus der örtlichen Nähe kann menschliche Wärme werden.
Doch ausgerechnet jetzt gehen die Verkäufe in den Hofläden zurück. Genauer: Die Party, die ihnen das Coronavirus und die Massnahmen gegen dessen Ausbreitung bescherten, ist vorbei.
Aber das Glas ist immer noch eher halb voll als halb leer: Unter dem Strich resultiert immer noch ein Umsatzplus von fünf bis zehn Prozent im Vergleich zu Vor-Pandemiezeiten.
- Der Hofladen-Boom ist vorbeiExterner Link – Bericht von SRF News.
- Ökoquartiere bringen neue Lebensweise – Beitrag von Kollege Alain Meyer.
- Ein Tag auf einem Bauernhof von Pro Specie Rara – Reportage unserer chinesischen Kolleg:innen Dahai Shao und Songyu Gretler-Zhu.
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