Heute in der Schweiz
Sehr geehrte Damen und Herren
Normalerweise schreibe ich nicht über Sport an dieser Stelle. Aber heute hat das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest begonnen. Und das ist ja schon eine spannende Sache – denn sie sagt einiges über die Schweiz aus.
Freundliche Grüsse aus Bern
Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Pratteln hat begonnen.
Alle drei Jahre findet das Spektakel statt, heuer erwarten sie in Baselland über 400’000 Besucher:innen während den drei Tagen, an denen die «Bösen» aufs Sägemehl steigen. «Unser Sport hat sich etabliert und wird heute sehr stark wahrgenommen, er ist Hype», sagt ein Funktionär des Eidgenössischen Schwingerverbands.
Das hat natürlich damit zu tun, dass Tradition und Folklore durch die Globalisierung an Bedeutung gewinnen. Und ich meine, es hat auch damit zu tun, dass der Sport nicht so kommerzialisiert ist wie andere – was sich anhand der verpönten Werbung zeigt.
Das bedeutet natürlich nicht, dass kein Geld fliesst: In den letzten zehn Jahren haben die Schwinger immer mehr Geld mit Werbeverträgen und Sponsoring eingenommen. Wir haben uns das mal etwas genauer angeschaut.
Übrigens machen auch sechs Auslandschweizer beim Eidgenössischen mit. Der Blick hat die Brüder Roger und Thomas Badat aus Kanada porträtiert, die eigens dafür in die Schweiz gereist sind (und dabei einen Koffer verloren haben – hoffen wir, er taucht bald wieder auf).
- Unser Bericht zum diesjährigen Schwingfest, und wie dieses zwischen Kommerz und Tradition balanciert.
- Vor ein paar Jahren schrieb ich für das Langenthaler Tagblatt eine Reportage über meinen ersten (!) Besuch bei einem Schwingfest – wie das ein Neuling erlebt, können Sie hier nachlesenExterner Link.
- Wie schwingt man eigentlich? Eine illustrierte Anleitung für Laien – unsere Bilderstrecke.
- Der BlickExterner Link hat die zwei Schwinger-Brüder aus Kanada porträtiert.
Mehr
Die Sommerferien sind endgültig vorbei – die Diskussion um das Schweiz-EU-Verhältnis nimmt Fahrt auf.
Der Think-Tank Operation Libero will nächste Woche seine Europa-Initiative lancieren. Und auch andere zivilgesellschaftliche Organisationen melden sich wieder zu Wort: Wie soll die Schweiz ihr Verhältnis zur EU gestalten? Man sieht – die Sommerferien sind vorbei, die Politik ist wieder gefragt(er).
Auch die ideologische Gegenseite wird aktiv: Die Organisation Kompass/Europa fordert Parlamentarier:innen in einem Brief auf, eine Lösung beim Strom mit der EU zu finden. Das Problem ist zweifelsfrei gross. Nur: Sie kassieren damit Häme, wie die Aargauer Zeitung schreibt – immerhin waren sie an vorderster Front dabei, als das Rahmenabkommen versenkt wurde.
Was heisst das nun? Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat die geopolitische Lage in Europa verändert, das wissen alle. Das zwingt die Schweiz dazu, an Tempo zuzulegen: Wir müssen uns endlich klar werden, was wir eigentlich für ein Verhältnis zur EU wollen. Denn wer nicht selbst entscheidet, überlässt manchmal die Entscheidung den anderen.
- Hier geht esExterner Link zur Seite der Europa-Initiative.
- Hier finden SieExterner Link den Artikel der Aargauer Zeitung. (Paywall)
- Unseren Fokus zu den Beziehungen Schweiz-EU finden Sie hier.
Das Ende der Sommerferien bedeutet auch: Ukrainische Kinder in der Schweiz gehen (wieder) in die Schule.
Unsere ehemalige Mitarbeiterin Gaby Ochsenbein hat Viktoriia und ihre Tochter Polina bei sich aufgenommen, als sie nach ihrer Flucht aus der südukrainischen Stadt Mykolajiw in die Schweiz flohen. Über das Zusammenleben schreibt sie bei uns eine Kolumne.
Nun sind im Kanton Bern die Schulferien vorbei, und Polina geht jetzt in die sechste Klasse. Und sie ist mit dem Problem konfrontiert, das alle Flüchtlingskinder kennen: Nicht nur der Unterricht auf einer Fremdsprache – sie müssen auch zusätzlich Französisch lernen, wie im Lehrplan vorgesehen. Keine einfache Sache.
Das ist aber nicht die einzige Herausforderung: Die Mutter von Viktoriia kommt bald auch in die Schweiz, sie suchen deshalb eine eigene Wohnung. Das ist in Bern angesichts des Wohnungsmangels gerade nicht so einfach.
- Hier finden Sie unsere Kolumne.
- Sollen russische Staatsbürger:innen keine Visa für Europa mehr erhalten? Wir haben Stimmen aus der Schweizer Politik zusammengetragen.
Serie Inklusion Teil 2: Das Erbe der Mitenand-Initiative.
«Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen», sagte der Schriftsteller Max Frisch 1965. Und fasste die Diskrepanz zwischen der Politik und der gesellschaftlichen Realität in der Nachkriegszeit zusammen.
Während des Wirtschaftsbooms nach dem Zweiten Weltkrieg holte die Schweiz Hunderttausende Arbeitskräfte in die Schweiz, vor allem aus Italien und anderen südeuropäischen Ländern. Mehr als arbeiten sollten sie jedoch nicht dürfen.
1973 wurde die Mitenand-Bewegung – auf Französisch: Etre solidaires, auf Italienisch: Essere solidali – als Reaktion auf die gehässige Diskussion um «Überfremdung», welche die frühen 1970er-Jahren in der Schweiz vergiftete, ins Leben gerufen. Wir werfen einen Blick zurück.
- Lesen Sie hier den Beitrag des Historikers Kijan Espahangizi.
- Den ersten Teil der Serie finden Sie hier.
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