Heute in der Schweiz
Sehr geehrte Damen und Herren
Der Regisseur Jean-Luc Godard ist verstorben, nur wenige Tage nach Alain Tanner. Beide gehören zu den bekanntesten Schweizer Filmemacher:innen und kreierten mitunter komplexe Fantasiewelten. Morgen werden wir sie näher porträtieren. Im heutigen Briefing sehen wir uns das – sehr reale – Phänomen Inflation etwas genauer an.
Freundliche Grüsse aus Bern
Die Inflation steigt auch in der Schweiz – und sorgt für Sorgen.
Die welsche Ausgabe des Blick hat berechnet, wie viele Zusatzkosten auf eine Familie in der Schweiz zukommen: rund 4000 Franken jährlich. Dies ist grösstenteils auf die Inflation zurückzuführen, die mittlerweile 3,5% ausmacht und allerlei Güter, aber auch Dienstleistungen und Versicherungen verteuert.
Die Inflation steigt auch weiterhin in den USA und im Euro-Raum. Wie konnte es dazu kommen? Und was sind die Unterschiede zur Schweiz? Im neuesten Geldcast sprechen wir mit dem Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann darüber.
Da die Teuerung in der Schweiz immer noch niedriger ist als im europäischen Ausland, ergibt sich für die Schweiz ein Vorteil bei den Importen. Von diesem profitiert auch die Schweizer Industrie, die trotz anderweitigen Befürchtungen in den letzten Jahren zulegen konnte. Deren grösste Sorge ist momentan eine andere: Eine anhaltende Wirtschaftskrise in Europa. Und es gibt durchaus Anzeichen dafür.
- Den Artikel des Blick finden Sie hierExterner Link (auf Französisch).
- Hier geht es zum neuesten Geldcast, unserem Podcast zur Geldpolitik.
- Keine Angst vor dem starken Franken – mein Kollege Samuel Jaberg erklärt, womit die Schweizer Industrie zu kämpfen hat.
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Gespräche mit der EU: Das «blame game» geht weiter.
Die Schweiz spiele auf Zeit, heisst es aus Brüssel immer wieder. Nein, vielmehr sei es die EU, die verzögert, sagt die Schweizer Chefunterhändlerin Livia Leu. Das sei letztlich nichts als taktische Druckpolitik.
«Die Schweiz hat positive Zeichen ausgesandt und auch klare Vorschläge präsentiert«, so Livia Leu. Sie sei davon ausgegangen, dass im Herbst die Verhandlungen starten. Nun laufe allerdings alles langsamer als erwartet.
Und jetzt? Der Zeitplan hänge von der EU ab, sagt Livia Leu im Gespräch. Wirklich eilig scheint es, irgendwie niemand zu haben. Kein Wunder, immerhin gibt es in Europa momentan drängendere Probleme. Das zeigt aber auch, wo die Prioritäten der EU momentan liegen – nicht bei der Schweiz. Ob das gut ist oder schlecht, wird sich noch weisen. Zur Erinnerung: Die EU ist bei Weitem die grösste Handelspartnerin der Schweiz; der Zugang zum Binnenmarkt für die Schweizer Wirtschaft umso wichtiger.
- Das Interview mit Livia Leu finden Sie in der NZZExterner Link. (Paywall)
- Hier finden Sie unseren Fokus zu den Beziehungen Schweiz-EU.
Wie politische Ausgrenzung einen Demokratisierungsschub auslösen kann.
Seit 1971 auch die Frauen in der Schweiz wählen und abstimmen können, glauben fast alle, in der Demokratie Schweiz sei die politische Inklusion vollendet. Das stimmt aber so nicht: Politische Rechte gelten auch heute noch nicht ohne Einschränkungen für alle.
So können etwa Personen mit geistigen Einschränkungen nicht abstimmen oder wählen – ausser in Genf, das per Abstimmung dieses Recht einführte. Mit Genf passte damit erstmals ein Kanton die politischen Rechte an die UNO-Behinderten-Konvention an, der die Schweiz 2014 beigetreten war.
Unser Politexperte Claude Longchamp ist im Rahmen unserer Serie «Brennpunkte der Demokratie» in Genf unterwegs und erzählt uns anhand dieses und anderer Beispiele, wie sich die politischen Rechte in der Schweiz entwickelt haben. Er resümiert: Exklusion treibt die Demokratisierung voran. Denn die Ausgrenzung sei eine wichtige Motivation, um erst recht auf seine Rechte zu pochen.
- Lesen Sie hier den Text von Claude Longchamp – inklusive eines Videos aus Genf meines Kollegen Carlo Pisani.
- Die lange Liste der Ausgeschlossenen in der Demokratie Schweiz – die Übersicht zum Thema meines Kollegen Renat Kuenzi.
Ein (überraschender) Blick in die Schweizer Medienlandschaft.
Alle zwei Jahre wird die Medienerhebung gemacht. Das diesjährige Fazit: Die Pandemie hat vielen Titeln zu mehr Qualität verholfen. Der Befund an sich überrascht – und auch welche Titel zugelegt haben.
Einerseits sind das Medien, die eine pointierte Meinung vertreten, wie die WOZ oder die Weltwoche. Aber auch die Pendlerzeitung 20 Minuten, die bei der Einordnung und der Relevanz einen Sprung nach vorne machen konnte.
Ganz vorn liegt einmal mehr die SRF-Radiosendung «Echo der Zeit», auf Platz zwei kommt die Sendung «Rendez-vous». Für mich heisst das: Meinung ist gut und recht – aber die Menschen wollen in erster Linie noch immer zuverlässige Informationssendungen, die Vertiefung bieten.
- Lesen Sie hierExterner Link den Beitrag von SRF News.
- Wie können Medien eine multiethnische Demokratie angemessen abbilden? Meine Leseempfehlung aus dem Archiv.
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