Mittwoch
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland,
Unser Selbstversuch zu Armut in der Schweiz gibt zu reden: Heute geben wir einem wirklich Betroffenen das Wort. Doch nicht nur das: Auch zu den Dauerbrennern Frauen und Klima erfahren Sie Neues.
Eine gute Lektüre wünsche ich Ihnen
Grégoire Barbey hat den Selbstversuch meiner Kollegin Sibilla Bondolfi, einen Monat «arm» zu leben, mit Interesse gelesen. In einem Gastbeitrag sagt er uns, was er davon hält.
Sibilla wollte wissen, was es heisst, in der Schweiz knapp durchzumüssen. Für was reicht das Geld und für was nicht? In einem Blog hielt sie fest, wie es ihr dabei erging. Die Schilderung ihrer Erfahrungen sorgte bei unseren Leserinnen und Lesern für viele Kommentare.
Barbey, ein freier Journalist, findet die Art und Weise, wie unsere Autorin an das Thema heranging nun «ungeschickt». Angstzustände, Scham, Schuldgefühle, Traurigkeit – die menschliche Dimension des Alltags von Personen, die in der Schweiz in Armut leben, könnten durch einen solchen Selbstversuch nicht wiedergeben werden.
Er selber habe nie arm sein wollen, so Barbey, sei es aber geworden. In einem der reichsten Länder der Welt heisse das, auf einen Grossteil des sozialen Lebens zu verzichten. «Scheitern ist tabu in diesem Land.»
- Hier geht es zum lesenswerten Gastbeitrag von Grégoire Barbey.
- Lesen Sie hier den Text und den Blog-Beitrag von Sibilla Bondolfi.
- Für Kinder ist arm sein in der reichen Schweiz besonders schwierig.
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Das Thema Frauen prägt den Schweizer Wahlkampf und sorgt für Stoff für unsere Briefings. Heute eine Analyse der NZZ, die zum Schluss kommt: «Helvetia ruft» und der Frauenstreik zeigen Wirkung.
Die NZZ hat die bis jetzt vorliegenden Hauptlisten der sieben grössten Parteien nach Geschlecht und Wahlchancen analysiert. Die Zeitung hält fest, dass der Anteil Frauen im Vergleich zu 2015 von 36 auf 42 Prozent deutlich gestiegen sei.
Wirklich bemerkenswert ist der zweite Befund der Analyse: Demnach belegen Frauen für die nationalen Parlamentswahlen im Oktober 46 Prozent der aussichtsreichsten Positionen. Vor vier Jahren waren es 33 Prozent.
Zu verdanken sei diese Entwicklung vor allem den bürgerlichen Parteien. Bei den Linken steht die Frauenförderung schon länger auf der Agenda.
- Dieser LinkExterner Link führt Sie zur ausführlichen Analyse der NZZ (Paywall).
- «So wird gewählt, so wird gezählt» gibt Auskunft über das Schweizer Wahlsystem.
- Unser Politik-Analyst Claude Longchamp über das Momentum des Frauenstreiks in der Schweizer Politik.
Neben den Frauen prägt auch das Thema Klima den Wahlkampf. Stichwort Flugscham. Wer die nicht hat und gegen die geplante Umweltabgabe auf Flugtickets ist, fliegt künftig am besten ab Basel.
Denn für den Flughafen Basel-Mülhausen würde die Umweltabgabe vorerst nicht gelten. Warum? Weil dieser Abgabe auch Frankreich zustimmen müsste – eine Abgabe nur für den schweizerischen Teil des Flughafens wäre wenig sinnvoll.
Meiden Klimamuffel also dereinst die Flughäfen Genf und Zürich? Bereits wird über mehr Passagiere und einen damit hergehenden Anstieg des Fluglärms über dem Dreiländereck spekuliert.
Die Umweltkommission des Ständerats sprach sich vor rund zwei Wochen für eine Abgabe auf Flugtickets aus. Demnach würden Flugpassagiere künftig 30 bis 120 Franken mehr bezahlen pro Ticket. Auch Frankreich plant die Einführung einer Klimasteuer ab 2020, jedoch eine deutlich tiefere.
- Über die möglichen Konsequenzen für Basel-Mülhausen lesen Sie mehr auf SRF NewsExterner Link.
- Zum Thema Flugscham äussert sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr im Tages-Anzeiger/DerBundExterner Link.
Sollten Sie mit einer Rückkehr in die Schweiz und gar einen Hauskauf in Ihrer alten Heimat liebäugeln, könnte Sie das teuer zu stehen kommen: Denn in der Schweiz wird Wohneigentum für immer mehr Interessenten unerschwinglich.
Wer in der Schweiz eine Wohnung oder ein Haus kaufen will, braucht ein immer dickeres Portemonnaie. Denn die im Land sowieso traditionell schon hohen Immobilienpreise steigen weiter an und immer weniger Leute können sich ein Haus leisten – trotz historisch tiefer Hypothekarzinsen.
Als Gründe dafür gibt die Raiffeisen, die drittgrösste Bank der Schweiz, «regulatorische Einschränkungen» und die «rapide Preisentwicklung» an. Laut ihrer Studie variiert der Anteil der Personen, die über genügend Vermögen verfügen, um ein Haus zu kaufen, je nach Kanton zwischen 18 und 44 Prozent. Nötig sei zudem ein hoher Lohn.
Im Vergleich mit anderen Ländern werden Hypothekarschulden in der Schweiz extrem langsam abgebaut: Ein Leben reicht dazu oft nicht aus, die Schulden werden an die nächste Generation weitergegeben.
- Mehr über die Besonderheiten des Schweizer Immobilienmarktes finden Sie auf swissinfo.ch.
- «Untragbar» lautet der Titel der Raiffeisen-StudieExterner Link.
- Haben Sie gewusst? Die Schweiz weist eine der höchsten persönlichen SchuldenquotenExterner Link auf.
Unter dem Mikroskop sieht Olivier Rossier Schweizer Landschaften. Zumindest erinnern ihn die Zellproteine an solche. Als Auslandschweizer der dritten Generation hat er das Ursprungsland seiner Vorfahren erst vor kurzem entdeckt.
Olivier Rossier lebt eigentlich nicht weit von der Schweiz entfernt. Er ist Forscher für Mechano-BiologieExterner Link in Bordeaux. In Frankreich leben am meisten Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer. Dies auch deshalb, weil es viele Nachfahren von Auswandererinnen und Auswanderern gibt, die, wie Rossier, dort geboren wurden.
Nachdem Rossier in Paris aufgewachsen war und rund fünf Jahre in New York wohnte und arbeitete, lebt er nun seit zehn Jahren mit Frau und drei Kindern in Bordeaux. An dieser Stadt schätzt er die Atmosphäre, das Klima, die Verkehrsmittel und vor allem die Vorreiterrolle der Universität bezüglich hochauflösenden Mikroskopen.
Als er sich in Bordeaux mit anderen Schweizern traf, stärkte Rossier seine Beziehungen zur Eidgenossenschaft. Dadurch entdeckte er den Mythos des Rütlischwurs. Seit kurzem hat er auch engere Kontakte zu den Mitgliedern seiner Schweizer Familie.
- Das ganze Porträt von Olivier Rossier finden Sie in unserem Bericht aus Bordeaux.
- Sind Sie auch in der Forschung tätig? In welchem Feld sind Sie aktiv?
- Haben Sie den Schweizer-Pass, die Schweiz jedoch noch nie besucht?
Und noch zur Erinnerung: Am 20. Oktober wählen die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ihr neues Parlament. Ihre Stimme ist schon hart umkämpft.
Dabei geht es um die 200 Volksvertreterinnen und -vertreter im Nationalrat und die 46 Mitglieder des Ständerats (Genau genommen sind es deren 45: Der Kanton Appenzell Innerrhoden wählte seinen Standesvertreter bereits an der Landsgemeinde vom 28. April 2019).
Favoriten sind die Grünen, die Sozialdemokraten und die Grünliberalen – sie waren die Gewinner der letzten kantonalen Wahlen. Die Schweizerische Volkspartei dagegen, landesweit die stärkste Partei, musste auf Kantonsebene stark Federn lassen.
- Wir erklären in einem kurzen Video wie die Parlamentswahlen ablaufen
- Hier zeigen wir Ihnen die Wahlergebnisse seit 1971 auf einen Blick
- Was sind die fünf wichtigsten Probleme der Schweiz? Diese Frage wird jedes Jahr rund tausend Stimmberechtigten gestellt. Hier sind die Ergebnisse
- Noch mehr unserer vielseitigen Berichterstattung finden Sie hier
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