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Schweizer Fans glauben weiter an ihre Equipe

Patriotismus pur: Durchgestylte Schweizer Fans an der Euro 2004.

(Keystone)

Noch nie unter Portugals Sonne gab es patriotischere Schweizer als die Fans an der Euro 2004. Sie glauben auch nach dem Remis gegen Kroatien unerschütterlich an die Chancen ihres Teams.

Für die rund 12'000 Schweizer Schlachtenbummler ist klar, dass Köbi Kuhns Spieler die Viertelfinals erreichen.

Wer sagt denn, die Schweizer seien kühl und distanziert, und hätten keinen Sinn für Heimat und fürs Festen?

In Portugal zeigen Tausende Schweizer Schlachtenbummler der Fussball-Welt, dass dieses Image nicht stimmt: Sie singen, tanzen und tauchen die Tribünen in ein Meer aus roten Landesfahnen mit dem weissen Kreuz.

Die hartgesottenen Fans waren schon 1996 in England mit dabei, die meisten aber erleben in Portugal ihre Fan-Feuertaufe. Die Tage in Portugal aber sind für alle vor allem eines: Ferien und Vergnügen. So für der Neuenburger Vovo, den Lausanner Florian, den Berner Markus, den Freiburger Gilles, die Baslerin Barbara und die beiden Tessiner Theo und Marco.

"Unglaublich", schwärmt Florian gegenüber swissinfo. "Das Ambiente hier ist wirklich sehr freundschaftlich und warm. Die Leute lassen sich gehen, vielleicht auch, weil sie sich weniger beobachtet fühlen", so sein allgemeiner Eindruck.

"Doch wir werden im Jahr 2008 zeigen, dass man auch in der Schweiz anständig festen kann", freut sich Florian bereits auf die EM-Endrunde in der Schweiz und in Österreich.

Flugzeug, Zug, Bus oder Auto...

Für die Fans spielt es kaum eine Rolle, dass die Schweiz in Portugal nur Aussenseiterstatus geniesst. Oder dass der erste Match gegen Kroatien unentschieden 0:0 endete. Alle Supporter vor Ort sind überzeugt, dass die Schweiz bis ins Viertelsfinale vorrücken kann.

Und wer weiss, vielleicht sogar bis ins Finale. Zumindest, wenn man dem "Männerchor" am Ausgang des Stadions in Leiria glauben soll. Dieser stimmt, von Kopf bis Fuss in Rot-Weiss, einen Fussball-Gesang in den optimistischsten Tönen an: "Schwiiz allez hoho....Finale hohohoho".

Sicher, der durchschnittliche Schweizer Fan ist männlich, zwischen 20 und 35 Jahre alt, und in Begleitung von Freunden und Kollegen. Aber einige Frauen sind ebenfalls mit dabei.

"Wir sind von Genf aus mit dem Car hierher gefahren", erzählt die Baslerin Barbara. "Es dauerte mehr als 24 Stunden, bis wir in Portugal ankamen, aber die Fahrt war reich an Begegnungen."

Andere, Glücklichere oder mit mehr Geld im Sack, konnten sich ein Flugticket ergattern. Wieder andere kamen mit dem Zug oder dem Auto. Doch sie sind nicht auseinander zu halten, wenn sie in ihrer Fan-Kostümierung auftreten: rot-weisses T-Shirt, eine rote Perücke oder rote Kappe mit Stierenhörnern auf dem Kopf, in eine Schweizer Fahne eingewickelt.

Fussball-Kultur

Offiziell hat der Schweizerische Fussballverband nur 6500 Eintritts-Tickets für die Matches an der Euro 2004 verteilt. Doch dürften es fast doppelt so viele Fans sein, welche die Spieler Köbi Kuhns in Portugal anfeuern.

Diese haben sich direkt bei der UEFA oder bei Reisebüros eingedeckt. Oder sie organisierten sich über Freunde in Portugal selbst, die ihnen zu Tickets verhalfen und sie beherbergen.

"Wir sind Gäste bei einem portugiesischen Freund, der nur einige hundert Meter vom Stadion in Coimbra entfernt wohnt", sagt der Freiburger Student Gilles aus Murten. "Dank ihm entdecken wir auch die Sitten und Gewohnheiten des Landes."

Team von Unterstützung überwältigt

Zwischen den Spielen und einer Fiesta findet die Schweizer Fan-Clique genügend Zeit, um sich im Land etwas umzusehen. Natürlich immer in den roten T-Shirts mit dem weissen Kreuz: "Wir haben fünf davon im Koffer", sagt Markus.

Seitens der Nationalmannschaft wird die Präsenz der zahlreichen Supporter sehr geschätzt. "Wir sind stolz auf unsere Fans, und ich hoffe, dass sie auch auf uns stolz sind", sagt der Walliser Mittelstürmer Raphaël Wicky nach dem Kroatien-Spiel. Jedenfalls sei es wirklich ein tolles Gefühl, vor den mit Schweizern besetzten Tribünen spielen zu können.

"Wenn ich daran denke, dass in der Schweiz 1,8 Mio. Zuschauer den Match verfolgt haben," so der Assistenztrainer Michel Pont, "dann kriege ich Gänsehaut." Für Pont ist der Umstand, dass so grosse Massen hinter der Nationalmannschaft stehen, "eine ungeheuer starke Motivationsquelle".

"Letzten Sonntag in Leiria waren die Tausenden von Supporten einfach fabelhaft", sagt der Trainer. "Was die Herzen betrifft, müssen wir wirklich niemanden beneiden."

swissinfo, Mathias Froidevaux und Doris Lucini in Rio Maior

(Aus dem Französischen von Alexander Künzle)

In Kürze

Die Fans aus der Schweiz reisten per Flugzeug, Zug, Bus oder Auto an die Euro 2004 in Portugal. Nicht alle übernachten im Hotel, einige sind auch bei Freunden untergebracht.

Der Schweizerische Fussballverband erhielt von der UEFA ein Kontingent von 6500 Tickets zugeteilt.

Rund 6000 Schweizer Fans ergatterten sich ihre Eintrittskarten direkt bei der UEFA, bei Reisebüros oder spannten Bekannte in Portugal ein.

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Fakten

Rund 12'000 Schweizer Fans waren am Sonntag in Leiria beim Match gegen Kroatien auf der Tribüne.
Daheim vor dem Fernsehbildschirm haben bis zu 1,8 Mio. Zuschauer die Partie verfolgt.
An der Euro 1996 in England hatten bis zu 15'000 Schweizer Fans ihre Mannschaft angefeuert (Eröffnungsmatch im Wembley-Stadion gegen den Gastgeber).

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