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Schweizer Firma verdrahtet Kuba

Nach den Hurrikanen: Die Arbeiten am kubanischen Kommunikationsnetz sind in vollem Gange.

Die Schweizer Firma Reichle & De-Massari AG (R & M) ist in Kuba seit Jahren beim Aufbau eines Telekommunikations-Netzes dabei. Sie profitiert vom US-Embargo. Aber auch die Hurrikane haben ihr volle Auftragsbücher beschert.

Nach drei verheerenden Hurrikanen, welche diesen Herbst in Kuba grosse Schäden verursachten, ist das Kubageschäft von R & M sprunghaft in die Höhe geschnellt.

Die Hurrikane Gustavo, Ike und Paloma zerstörten nicht nur Häuser, Schulen und industrielle Bauten, sie knickten auch Hunderte von Telefonmasten, zerstörten Telefonverteiler, Richtfunkanlagen und Glasfaserleitungen, von denen in Kuba die Mobil-Telefonie abhängt.

Nach offiziellen Schätzungen betragen die Hurrikan-Schäden rund 10 Milliarden US-Dollar. Ein Augenschein zeigt, dass die Hurrikane in ländlichen Gebieten wie in der Provinz Pinar del Rio grosse Funklöcher bei der Mobiltelefonie hinterlassen haben. In den grossen Ballungszentren wie in Havanna und in Santiago konnten die Schäden rasch behoben werden.

Für sehr viele Kubanerinnen und Kubaner spielt die Abdeckungsdichte der Mobil-Telefonie noch eine geringe Rolle. Sie reden lieber - und viel - direkt mit Nachbarn und Freunden als über unerschwinglich teure Mobilapparate.

Mobiltelefonie ist in Kuba noch in den Kinderschuhen

Der mobile Telefonrausch ist in Kuba erst am Anfang. Renato de Paoli, der Vertreter für Lateinamerika von Reichle & De-Massari AG erklärt gegenüber swissinfo: "Pro Jahr werden in Kuba zwischen 100'000 bis 200'000 neue Telefonverbindungen mit unserem Material aufgebaut. Die hohe Dringlichkeit der Lieferungen nach Kuba hat uns nach den Wirbelstürmen vor grosse Herausforderungen gestellt, die wir aber gemeinsam mit unseren kubanischen Partnern lösen konnten."

Der Schweizer Telcom-Anbieter ist in Kuba fest in einen Quasi-Monopol-Markt eingebunden. Dabei spielt das Handels-Embargo, das die USA gegen Kuba seit Jahrzehnten aufrecht halten für die Schweizer Firma: "Nach einer langjährigen Aufbauarbeit hat sich R & M in Kuba eine sehr gute Marktstellung erarbeitet. Darüber, dass wir uns in Kuba nicht gegen die US-Konkurrenz durchsetzen müssen, sind wir nicht traurig", meint de Paoli.

Selbst bei der jetzt noch tiefen Dichte der Mobil- und Datenkommunikation hat sich Kuba für R & M in den letzten Jahren zu einem namhaften Kunden gemausert: "Kuba ist für uns einer der wichtigsten Märkte in Lateinamerika", erklärt Markus Schlageter, der Chef des Marketings von R & M am Firmensitz im zürcherischen Wetzikon.

Kubaner sind harte aber faire Geschäftspartner

Es scheint, dass Kubas Behörden in der Telekommunikation das ideologische Zwangskorsett aussen vor lassen. Renato de Paoli beschreibt, wie er als Vertreter von R & M die sozialistischen Geschäftspartner in Havanna erfährt: "Wir erleben unsere Geschäftspartner in Havanna als fordernde, seriöse aber auch als zuverlässige Geschäftspartner, welche Verträge einhalten."

Werden auch in Kuba bald die meisten Bürger mit einem Handy am Ohr herumlaufen? Mit einem sprunghaften Wandel in Kuba rechnet die Schweizer Telecom-Firma nicht.

Seit dem Machtransfer im Februar von Comandante Fidel zu seinem Bruder Raul Castro ist es für kubanische Staatsbürger immerhin möglich, Verträge für Mobiltelefone abzuschliessen. Vorher war das kubanische Volk legal weitgehend von der Mobil-Telefonie ausgeschlossen.

Wer profitiert von der zaghaften Öffnung der kubanischen Telekommunikations-Branche? "Es handelt sich zahlenmässig um eine kleine Gruppe, die sich jetzt ein Mobiltelefon leisten kann", meint Renato de Paoli gegenüber swissinfo.

"In nächster Zeit wird sich die grosse Mehrheit der kubanischen Bevölkerung weder die Mobiltelefonie noch andere Telekomm-Dienstleistungen wie Internet-Anschlüsse leisten können".

Bei Marktöffnung mehr Konkurrenz für R & M in Kuba

Kuba sei weit davon entfernt, im Bereich der Telekommunikation hohe Wachstumsraten zu erzielen. "Die Kaufkraft der durchschnittlichen Einkommen liegt auf dem Niveau vor zehn- oder zwanzig Jahren."

Kuba brauche strukturelle Veränderungen, die mittelfristig eine grosse Anzahl von Arbeitsplätzen schafften.

Woran Renato de Paoli nicht denken mag ist, was mit dem Geschäft von R & M in Kuba passieren könnte, wenn der neue US-Präsident Barak Obama das Handelsembargo aufheben würde. Die Schweizer Firma könnte plötzlich der übermächtigen US-Konkurrenz im Telekom-Geschäft gegenüber stehen.

swissinfo, Erwin Dettling, Havanna

ETECSA

Bei der Empresa de Telecomunicaciones de Cuba (ETECSA) handelt es sich um ein Joint-Venture zwischen Telecom-Italia und dem kubanischen Ministerium für Informatik und Kommunikation (Ministerio Cubano de Informática y Comunicaciones.

ETECSA hat in den vergangenen Jahren die Infrastruktur auf- und ausgebaut.

Zurzeit ist ETECSA zusammen mit dem Schweizer Zulieferer R & M damit beschäftigt, die Schäden im kubanischen Telecom-System zu beheben, welche die drei Hurrikane Gustavo, Ike und Paloma diesen Herbst verursacht hatten.

In Kuba gibt es geschätzte 1,5 Mio. Telefonanschlüsse, rund 300'000 davon sind mobil.

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Reichle & De-Massari AG, Wetzikon, Zürich (R & M)

Reichle & De-Massari ist ein vierzig Jahre altes Familienunternehmen.

R & M liefert Infrastruktur für landesweite Kommunikationsnetze, Komponenten für die Festnetz-Telefonie und die dazu gehörenden Schutz-Elemente. R & M beschäftigt weltweit 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Der Schweizer Telecom-Anbieter erzielt 75% des Umsatzes im Ausland und liefert in mehr als 80 Länder. In 30 Staaten hat R & M eigene Verkaufsorganisationen.

Die zehn wichtigsten Länder für R & M sind: Schweiz, Deutschland, Vereinigte Arabische Emirate, Ungarn, Indien, Frankreich, Italien, Österreich und China.

Kuba ist für R & M einer der wichtigsten Märkte in Lateinamerika und global unter den Top 30.

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Was kostet die Mobil-Telefonie in Kuba?

Bis vor kurzem kostete die Aktivierung für ein Cel-Phone in Kuba umgerechnet 120 US-$, was sechs Monatslöhnen entspricht. Seit Anfang Dezember kostet die Aktivierung noch 65 US-$.

Mobilapparate gibt es in Kuba ab 65 US-$. Lokale Gespräche kosten zwischen 39 und 54 US-Cents pro Minute.

Die Kosten für Internationale Gespräche:
USA-Kuba: ca. 2,45 US-$/Min.
Zentralamerika-Kuba: ca. 3,40 US-$/Min.
Südamerika-Kuba: ca. 4,45 US-$/Min.
Rest der Welt-Kuba: ca. 5,85 US-$/Min.

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