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Schweizer gehen eher zum Psychiater als früher

Der Anteil der Frauen in psychiatrisch-ärztlicher Behandlung hat sich stark erhöht.

(swissinfo.ch)

In der Schweiz ist die Anzahl der psychiatrischen Behandlungen gewachsen. Rund 5% der Bevölkerung konsultiert Psychiater oder Psychotherapeuten.

Laut einer Studie des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums lassen sich doppelt so viele Frauen wie Männer ärztlich behandeln.

Fünf von hundert Personen in der Schweiz sind wegen psychischer Beschwerden in Behandlung. Vor allem bei den Betagten wird die psychiatrische Betreuung zum Problem, wie eine Studie des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums zeigt.

2002 wurden laut Mitteilung des Bundesamtes für Statistik (BFS) 4,5% der Bevölkerung von einem Psychiater oder Psychotherapeuten behandelt. 1997 waren es noch 4,1% gewesen. Bei den Männern blieb der Anteil mit 2,9% praktisch unverändert, während er bei den Frauen auf 6,0% stark stieg.

Nur ein Teil des Ganzen

Laut Hans Kurt, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, der sich auf die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezieht, leiden jeweils 25% der Bevölkerung an vorübergehenden oder latenten psychischen Leiden.

Doch gingen sie zum Psychologen – und zahlten teilweise auch selber – oder suchten direkt ihren Hausarzt auf. "Rund 10% der psychische Leidenden suchen einen Psychiater auf."

Frauen Gefühlen gegenüber zugänglicher

"Frauen sind immer schon eher zur psychiatrischen Behandlung gekommen", sagt Kurt gegenüber swissinfo. "Sie sind Gefühlen gegenüber zugänglicher als Männer. Das ist in ganz Europa so."

"Die Gesellschaft steht den Frauen Schwächen eher zu als Männern", sagt auch Peter Meyer, Leiter des Gesundheitsobservatoriums und Mit-Autor der Studie. "Da gilt es weiterhin hart zu sein und auf die Zähne zu beissen."

Männer müssen laut Studie insbesondere wegen Alkohol und Drogen behandelt beziehungsweise hospitalisiert werden, während bei den Frauen depressive und neurotische Störungen dominieren.

Geschlechtsunterschiede relativiert

Kurt relativiert diesen scheinbaren Unterschied: "Männer kommen zwar wegen anderer Symptome, wie Alkoholmissbrauch. Doch die Ursache dahinter, beispielsweise eine Depression, ist dieselbe. Männer überdecken ihre Probleme mit Alkohol und kommen dann deswegen."

Ausserdem ist Kurt überzeugt, dass es in nächster Zeit zu einer Zunahme wegen dem Kiffen kommen wird.

"Mir persönlich fällt aber auf, dass gegenüber früher der Widerstand der Männer nachgelassen hat", so Kurt. "Nur kommen sie immer noch oft unter dem Druck von Ehefrauen oder vom Arbeitgeber."

"Die Zahlen der Studie sind nicht alarmierend, man hätte eigentlich in der heutigen Zeit höhere Prozentanteile erwarten können", bewertet Peter Meyer gegenüber swissinfo die Resultate.

Zwischen 20 und 40 Jahren ist die Hospitalisierungsrate bei den Männern höher als bei den Frauen. Ambulant seien vor allem Jugendliche und ältere Männer deutlich unterversorgt, heisst es in der Studie.

Immer mehr ältere Menschen

Betagte nehmen eher Kliniken in Anspruch als ambulant praktizierende Psychiater. Mit der Zunahme alter pflegebedürftiger Menschen wird laut BFS der Druck auf die psychiatrischen Kliniken weiter zunehmen.

Die Verbesserung der ambylanten psychiatrischen Versorgung Betagter sei eine grosse Herausforderung der Zukunft.

"Alte Leute lassen sich ungern psychiatrich behandeln und warten zu lange. Dann können die Probleme nur noch mit Hospitalisierung statt ambulant behandelt werden", erklärt Meyer.

Wie viele der psychisch kranken Betagten freiwillig hospitalisiert werden, ist nicht bekannt. 2000 waren 29,1% aller Eintritte in psychiatrische Kliniken unfreiwillig.

Von Kanton zu Kanton gibt es dabei grosse Unterschiede, was auch mit der Handhabung des fürsorgerischen Freiheitsentzugs zusammenhängt.

Zwischen 1997 und 2002 sind die Kosten der Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie in der obligatorischen Krankepflegeversicherung um 15% auf 354 Mio. Franken gestiegen.

In den psychiatrischen Kliniken nahmen sie um 18% auf 568 Mio. zu. Dieser Anstieg liegt unter dem Mittel der gesamten Grundversicherung.

swissinfo und Agenturen

Fakten

In der Schweiz befinden sich 270'000 im psychiatrisch-ärztlicher Behandlung.
Das entspricht rund 5% der Bevölkerung der über 15-Jährigen.
Auf die weibliche Bevölkerung entfallen 6%, auf die männliche 2,9%.

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In Kürze

Die Kosten für psychiatrische Medizin innerhalb der obligatorischen Krankenversicherung nahm zwischen 1997 und 2002 um 15% zu.

2002 entsprach diese Summe 354 Mio. Franken.

Die Kosten für die psychiatrischen Kliniken wuchsen in derselben Zeit um 18% auf 568 Mio. Franken.

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