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Schweizer Gesundheitswesen immer teurer

Die Spitäler kosten am meisten.

(swissinfo C Helmle)

Das Schweizer Gesundheitswesen verschlingt immer mehr Geld. Im Jahr 2005 stiegen die Kosten der Grundversicherung erstmals auf über 20 Milliarden Franken.

Der Kostenanstieg im letzten Jahr von über einer Milliarden Franken ist der höchste der letzten zehn Jahre.

Noch nie sei die Teuerung in absoluten Zahlen so stark gewesen wie im vergangenen Jahr, teilte der Krankenversicherungsverband santésuisse am Dienstag mit. Die Grundversicherungskosten stiegen um 1,2 Mrd. Franken auf 20,4 Milliarden Franken. Jeden Tag wurde das Gesundheitswesen um 3,3 Millionen Franken teurer.

Pro Versichertem stiegen die Kosten um 5,6%. Das liegt leicht über dem Durchschnitt von 5,4% seit 1998. Letztmals stärker gestiegen sind die Pro-Kopf-Kosten im Jahr 2000 (7,3%).

Kostenexplosion in Uri

Am stärksten zugelegt - um 10,9% - hat im vergangenen Jahr der Kanton Uri. Trotzdem kosten die Urnerinnen und Urner das Gesundheitswesen immer noch einen Fünftel weniger als der Durchschnittsschweizer. Die geringsten Teuerungen fielen 2005 in den Kantonen Neuenburg (1%) und Zürich (3%) an.

Laut santésuisse waren die Kosten in diesen beiden Kantonen dafür 2004 überdurchschnittlich gewachsen. Eine solche Wellenbewegung sei typisch: Wer in einem Jahr nur wenig wachse, kompensiere dies meist im Folgejahr und umgekehrt.

Diese Wellen seien unter anderem auf unregelmässige Abrechnungen zurückzuführen, hiess es weiter.

Tarmed-Probleme wirken nach

Hauptverantwortlich für den Kostenschub sind die Spitäler: Besonders stark - um 19,6% - stieg die Teuerung im ambulanten Spitalbereich. Laut santésuisse ist dieser sprunghafte Anstieg eine Folge der Einführung des neuen Ärztetarifs Tarmed seit 2004: In den Spitälern entstanden bei der Abrechnung grosse Verzögerungen.

Die Kosten des ambulanten Spitalsektors sanken deshalb im Jahr 2004 leicht. Die verspätete Rechnungsstellung wirkte sich 2005 entsprechend aus. Laut santésuisse liegt die jährliche Zuwachsrate seit 1998 im Spital-Ambulatorium deutlich über dem Durchschnitt.

Ein Grund dafür ist laut santésuisse, dass immer mehr Belegärzte ihre Leistungen nicht mehr über die eigene Praxis abrechnen, sondern über das Spital. Daneben bestünden aber nach wie vor falsche finanzielle Anreize.

Spitäler: 1000 Franken pro Kopf

Insgesamt nahmen die Spitalkosten (ambulant und stationär) 2005 um 9,5% zu. Sie machen damit beinahe 40% der Grundversicherungskosten aus. Erstmals bezahlten die Versicherer im vergangenen Jahr über 1000 Franken pro Versicherten an die Spitäler.

Arzt- und Medikamentenkosten stiegen um je 2,9%. Ihr Anteil an den Gesamtkosten beträgt je rund einen Viertel. Im Schnitt bezog 2005 jeder und jede Versicherte für 572 Franken Medikamente.

Die Unterschiede zwischen den Kantonen sind enorm: Im Kanton Genf (808 Franken) sind die Kosten mehr als doppelt so hoch wie in Appenzell Innerrhoden (355 Franken).

Der vierte Pfeiler im Gesundheitswesen, Pflegeheime und spitalexterne Betreuung (Spitex), legte 2005 um 6% zu. Rund 270 Franken pro Kopf oder rund 10% der Gesamtkosten wurden für die Pflegeleistungen ausgegeben.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Das Krankenversicherungs-Gesetz (KVG) ist seit 1996 in Kraft. Die Grundversicherung ist obligatorisch unter dem Prinzip der Solidarität zwischen allen Versicherten.

Jeder und jedem Versicherten ist damit im Falle einer Erkrankung der Zugang zu einer Behandlung garantiert.

Das System wird durch Prämien finanziert, die von Kanon zu Kanton und von Kasse zu Kasse unterschiedlich hoch sind. Personen mit tiefen Einkommen haben Anrecht auf Vergünstigungen.

Der dauernde Anstieg der Krankenkassenprämien bestimmt seit Jahren die politische Agenda in der Schweiz.

2003 scheiterte die Revision des KVG nach drei Jahren Arbeit im Parlament.

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Fakten

Die Gesamtkosten der Krankenkassen stiegen 2005 um 1,2 Mrd. Fr. auf 20,4 Mrd. Fr.
Pro Tag wurde damit das Schweizer Gesundheitswesen um 3,3 Mio. Fr. teurer.
Im Schnitt haben die Gesundheitskosten pro Person 2700 Fr. überschritten.
Der Spitalsektor hat den höchsten Anstieg der Kosten zu verzeichnen (+9.5%).

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Daten der OECD (2003)

Gesundheitskosten in Bezug zum BIP
Schweiz: 11,5%
USA: 15%
Deutschland: 11,1%
Frankreich: 10,1%
Italien: 8,4%

Gesundheitskosten pro Person (in Dollar pro Jahr)
Schweiz: 3781
USA: 5635
Deutschland: 2996
Frankreich: 2903
Italien: 2258

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