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Schweizer Know-how für Sotschi 2014

Grosser Nachholbedarf: Bis vor kurzem gab es nur diesen Sessellift. Erik Albrecht

Beim Milliardengeschäft der Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Sotschi wollen auch eidgenössische Firmen mitmischen. Denn Wintersport zählt auch wirtschaftlich zu den Schweizer Stärken.

Dieser Inhalt wurde am 05. Mai 2008 - 17:39 publiziert

Subtropisches Klima an der Schwarzmeerküste, Berge bis zu über 3000 Metern Höhe im Kaukasus – die Lage Sotschis und seines Skiortes Krasnaja Poljana ist einmalig in der Geschichte der Olympischen Winterspiele.

Noch erinnert das Plateau auf 600 Metern Höhe mehr an eine idyllische Alm als an den Austragungsort eines Massenereignisses. Auch sonst bleibt noch viel zu tun, bis hier 2014 die olympischen Skiwettkämpfe ausgetragen werden können. Über 200 Objekte müssen gebaut werden.

"Wir wollen neue Ideen umgesetzt sehen", sagt der Chef des Organisationskomitees, Dmitri Tschernyschenko. Deshalb wolle Russland nicht nur auf Olympia erfahrene Unternehmen zurückgreifen. "Unser Ziel ist es, die innovativsten Olympischen Spiele aller Zeiten durchzuführen."

Viele Schweizer Unternehmen mittlerer Grösse sehen genau darin ihre Chance. Mit einer Delegation der Osec reisten über 20 Unternehmer vergangene Woche nach Moskau und Sotschi, um sich ihr Stück vom Milliardengeschäft zu sichern.

Keine Korruption

"Endlich", mag sich Axel Bermeitinger, Europadirektor der Osec, gedacht haben. Fast mit Schrecken erinnert er sich daran, dass beim Wirtschaftsforum in Sotschi im Herbst 2007, dem ersten Investitionsforum nach der Vergabe der Olympischen Spiele, unter 10'000 Teilnehmern gerade einmal drei Schweizer waren. Daraufhin gründete die Osec eine Arbeitsgruppe für 2014.

Doch die Resonanz sei immer noch verbesserungswürdig, so Bermeitinger. "Russland bedeutet für viele immer noch Korruption", fasst er Berührungsängste zusammen, die er aber nicht gelten lässt: "Hier gibt es mit Sicherheit keine Korruption", sagt er. Die Planung für Sotschi 2014 geschehe vor den Augen der Weltöffentlichkeit.

Schweiz als Massstab

Umgerechnet mindestens 13,5 Milliarden Franken wollen die russische Regierung und kremlnahe Konzerne in die Region Sotschi investieren. Insgesamt hätten Schweizer Unternehmen Potenzial für Aufträge in Höhe von 2 Milliarden Franken, sagt Bermeitinger. "Russland will das Beste, und die Schweiz ist da schon ein Massstab. Vor allem im Stadionbau und bei Skipisten sind wir stark."

Die Olympiade ist für den Kreml auch ein Entwicklungsprojekt für die Region Sotschi. In Krasnaja Poljana gab es Anfang 2006 kurz vor dem IOC-Entscheid gerade einmal einen funktionierenden Skilift. Auch in Sotschi muss das gesamte Olympische Dorf samt Stadien und Eishallen erst noch gebaut werden.

Riesige Investitionen

In der 500'000-Einwohner-Stadt fehle es bislang sogar an einer "normalen Kanalisation, Energieversorgung und Infrastruktur", räumte Präsident Wladimir Putin noch im September 2007 ein. Wohl selten sind Winterspiele so aus dem Nichts aus dem Boden gestampft worden.

Doch für die mitgereisten Unternehmer ist der Boom-Markt Russland weit über die Olympiade hinaus interessant. Mit seinen 142 Millionen Einwohnern könnte das Land nach Meinung mancher Experten schon bald der größte Konsumgüter-Markt Europas werden. Gleichzeitig investiert der Kreml einen Teil der Öl- und Gasmilliarden derzeit in gewaltige Infrastruktur- und Technologieprojekte.

"In den kommenden 20 Jahren sollen 250 Milliarden US-Dollar in der Bahninfrastruktur verbaut werden", schwärmt Hans Rudolf Nussbaumer von der Implenia Bau AG. Allerdings sei es schwierig, die richtigen Kontakte zu bekommen. Sotschi 2014 mit der neuen Bahnstrecke zwischen dem Badeort und Krasnaja Poljana könnte da ein Einstieg sein.

"Man muss präsent sein"

Auch Martin Burri sieht für seine Firma "Burri Public Elements" Chancen weit über Sotschi hinaus. Er verkauft urbanes Mobiliar wie Strassenlampen, Wartehäuschen und Plakatwände. "In Russland ist da fast noch alles zu erneuern", sagt Burri. Gleichzeitig sei das Qualitätsdenken hier sehr hoch. "Das ist etwas, was wir Schweizer können." Auch er will die Osec-Reise als Türöffner nutzen.

Vor Ort in Sotschi konnten die Schweizer Unternehmer derweil ein Gefühl dafür bekommen, wie viel in den kommenden sechs Jahren noch geplant, abgerissen und neugebaut werden muss, bevor die Olympischen Winterspiele 2014 beginnen können. "In Russland kann man gute Geschäfte machen", sagt Bermeitinger nach der Reise. "Man muss aber präsent sein."

swissinfo, Erik Albrecht, Moskau

Sotschi

Sotschi liegt an der malerischen Schwarzmeerküste.

Auch wenn Sotschi eines der wichtigsten Tourismuszentren Russlands ist, liegen viele Strände derzeit noch brach.

Zudem fehlt vielerorts die moderne Infrastruktur, um das Potenzial der Region auszuschöpfen. Immer wieder kommt es zu Stromausfällen.

Die Olympischen Winterspiele sollen Sotschi als Badeort und Krasnaja Poljana Skimekka auf lange Sicht etablieren.

So sollen insgesamt 25'000 neue Hotelbetten entstehen, Straßen, Sessellifte und ein auf den erwarteten Ansturm ausgelegter Flughafen gebaut werden.

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