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Schweizer setzen Grenzen in Moskau

Arbeit auf dem Feld: Mit Hilfe von von der Schweiz finanzierter Satelliten-Technologie vermessen russische Geomatiker Parzellen.

(PD)

Ein von der Schweiz finanziertes Projekt zur Landvermessung verhilft Russland zu mehr Rechtssicherheit und gibt so Impulse für Wachstum.

Denn sicheres Privateigentum ist eine Grundvoraussetzung für eine funktionierende Marktwirtschaft.

Das Ereignis war gross angekündigt worden: Seit 1917 sollte zum erstem Mal wieder Industrie-Boden im Umland von Moskau unter den Hammer kommen. Die Interessenten standen Schlange, denn die Nachfrage nach Land im Umkreis der 13-Millionen-Metropole ist riesig.

Doch im letzen Moment musste eine von drei Parzellen von der Liste gestrichen werden. Nicht alle Unklarheiten über die Rechte am Landstück konnten bis ins Detail geklärt werden.

Zu Sowjetzeiten keine genaue Vermessung

"Zu Sowjetzeiten war es ganz egal, wo die Grenzen genau verliefen. Das Land gehörte dem Staat und wurde von staatlichen Einrichtungen bewirtschaftet", sagt Christoph Zeltner, der bei Grunder Ingenieure in Hasle-Rüegsau arbeitet und für das Unternehmen das Projekt im Auftrag des Schweizer Staatssekretariats für Wirtschaft (seco) nun betreut hat.

Zu Sowjetzeiten gab es weder eine genaue Vermessung der Parzellen, noch wurde das Eigentum detailliert erfasst. Deshalb vermochte auch das Grundbuch seine eigentliche Aufgabe, verlässliche Informationen über Form, Lage, Grösse sowie Eigentum zu liefern, nicht zu erfüllen.

Die vom Parlament verabschiedete Bodenreform erlaubt es Russen, Land zu besitzen. Trotzdem werden bislang nur wenig Grundstücke gehandelt, weil ein verlässliches Grundbuch, wie es die Schweiz seit 1912 kennt, fehlt.

Abklärungen, wem das Grundstück wirklich gehört, wie gross es genau ist und ob Auflagen daran geknüpft sind, können bislang nur mit grossen Aufwand getätigt werden.

Hemmnis für wirtschaftliche Entwicklung

Diese mangelnde Rechtssicherheit bremsen die wirtschaftliche Entwicklung Russlands und den Übergang zu einer Marktwirtschaft nach westlichem Muster.

Die Möglichkeit, privates Grundeigentum zu erwerben, ist eine Grundvoraussetzung für das Funktionieren der freien Marktwirtschaft. Wie Maschinen, Arbeit und Kapital ist Boden ein zentraler Produktionsfaktor der Wirtschaft; privates Grundeigentum dient als Sicherheit für Bankkredite und ermöglicht so neue Investitionen.

Schweiz im Grossraum Moskau aktiv

Seit 1994 unterstützt die Schweiz Russland beim Aufbau eines Katasters. Das Projekt, das den Grossraum Moskau abdeckt, wird im Februar 2004 abgeschlossen und verfolgt zwei Ziele: Auf der technischen Seite die Erfassung der Parzellen und die Nachführung der Veränderungen, auf der administrativen den Aufbau einer Datenbank.

Das Schweizer Engagement ist in ein grösseres Weltbankprojekt eingebettet und konzentriert sich auf einen Bereich, der von der Weltbank vernachlässigt wird: Dem Aufbau der Katastervermessung durch satellitengestützte Technologie. Das seco hat das Projekt mit 4,4 Mio. Franken unterstützt, die russische Seite mit 1,9 Mio. Franken.

Ein grosser Teil der Mittel floss allerdings wieder in die Schweiz zurück. Aufträge in der Höhe von 3,5 Millionen sind an Schweizer Unternehmen gegangen, die Messgeräte und andere Infrastruktur geliefert haben.

Modernste Satellitentechnologie

"Der Schweizer Beitrag stellt eine wichtige Grundlage für Wachstum und Entwicklung dar", sagt Sergej Saj, der Chef der föderalen russischen Kataster-Behörde. Russland verfüge über riesige Landmassen, die allerdings erst wirklich genutzt würden, wenn klar sei, wo die Parzellen-Grenzen verlaufen und wem das Land gehöre.

Die von der Schweiz finanzierte moderne Satelliten-Technologie ermögliche es, nicht nur sehr genau zu arbeiten, sondern auch in kurzer Zeit Kataster zu erstellen. Mit der alten Vermessungstechnik hätte diese Arbeit noch Generationen gedauert, erklärt Saj weiter.

"Unsere Arbeit in Moskau hat Signalwirkung", freut sich der Kulturingenieur Christoph Zeltner, der das Projekt in den vergangenen zweieinhalb Jahren betreut hat.

Moskau erst der Anfang

Das für Russland als Pilotprojekt gestartete Moskauer System gilt nun als Standard für die Vermessung in Russland und ist kompatibel mit der in Europa eingesetzten Technologie.

Diese Kompatibilität ermögliche es auch, in Zukunft über ein System zu verfügen, das von Irland bis Wladiwostok genau gleich funktioniere. Das bringe nicht nur in der Vermessung Vorteile, sondern zum Beispiel auch in der Navigation.

Noch ist erst ein minmaler Teil Russlands vermessen, doch weitere Regionen kommen dazu. Verschiedene Regionen hätten bereits ihr Interesse angemeldet, sagt Zeltner.

"Das System wird mit Unterstützung unserer Moskauer Projektpartner in St. Petersburg bereits aus eigener Initiative und mit eigener Finanzierung kopiert. Die Republik Tatarstan hat ebenfalls bereits Mittel zum Aufbau eines solchen Systems freigegegeben."

swissinfo, Alexandra Stark, Moskau

Fakten

Seit 1994 unterstützt die Schweiz Russland beim Aufbau eines Katasters.
Die Schweiz investierte 4,4 Mio. Franken in das Projekt, Russland 1,9 Mio. Franken.

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In Kürze

Russland ist 400 Mal grösser als die Schweiz, aber nur ein kleiner Teil der Fläche ist wirtschaftlich nutzbar, grosse Teile des Landes liegen in unwirtlichen Gegenden, allein 47 Prozent im Dauerfrost.

Umso wichtiger ist deshalb sicherzustellen, dass der für Wirtschaftstätigkeit vorhandene Boden auch wirklich genutzt werden kann. Seit 1994 engagiert sich die Schweiz deshalb bei der Ausarbeitung eines Katasters.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) hat ähnliche Projekte bereits in anderen Transitionsländern realisiert: in den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen, in Weissrussland und Kirgisistan.

Im Herbst 2003 wurde in Aserbaidschan ein weiteres Projekt in Angriff genommen.

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