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schweizer talente mit wohnsitz boston

Universitäten wie das MIT sind ein guter Nährboden für Forscher. 

(Donna Coveney/MIT)

Die Gegend von Boston mit ihren hochkarätigen Universitäten und Forschungsinstituten zieht Wissenschafter und Forscher aus der ganzen Welt an.

Swissinfo traf sich mit zwei Schweizer Wissenschaftern, um herauszufinden, was für Vorteile ihnen die Arbeit in den Vereinigten Staaten bringt.

Olivier de Weck ist Assistenzprofessor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge. Seit 12 Jahren wohnt er in den USA und unterrichtet an der Abteilung für Systemtechnik des MIT.

Er kam ursprünglich in die USA als Mitglied eines Teams, das im Auftrag der Schweizer Regierung an einem Kampfflugzeug-Projekt arbeitete. Nach Abschluss der Projektarbeit beschloss er am MIT sein Doktorat zu erwerben und so kam er zu seiner heutigen Anstellung.

Sein ordentlich aufgeräumtes Büro befindet sich in einem der älteren Gebäude der Universität. Der Raum enthält neben einer bequemen Couch eine elektronische Wandtafel

sowie einen Kaffeetisch mit einem Modell eines F/A 18 Kampfflugzeugs. Die Stimmung ist entspannt aber man merkt, dass hier viel gearbeitet wird.

Atlantischer Brückenschlag

Olivier findet, seine Schweizer Herkunft habe ihm im Beruf durchaus Vorteile verschafft. "Ich habe einiges von dem, was ich in der Schweiz gelernt habe, hier mit Erfolg anwenden können" sagt er im Gespräch mit swissinfo.

"Eigenschaften wie Genauigkeit, Beharrlichkeit oder die Fähigkeit, Dinge von verschiedenen Seiten zu sehen, die mich das Leben in einer multikulturellen Umgebung gelehrt hat. Wenn ich zu einem Resultat komme, kann ich mich fragen,

ob das nun die einzig mögliche Antwort sei."

Olivier de Weck hat auch einen amerikanischen Pass und sagt, er habe kein Problem mit dem kulturellen Brückenschlag.

"Wenn ich in Zürich aus dem Flugzeug steige, fühle ich mich gleich zu Hause, und wenn ich dann nach Boston zurückkomme, ist das nicht anders", fügt er hinzu. "Meine Situation erlaubt mir, die besten Aspekte der Schweiz und New Englands miteinander zu verbinden. Ich fühle mich überhaupt nicht hin und her gerissen."

Die Arbeit am MIT gibt ihm das Gefühl, den Lauf der Dinge beeinflussen zu können und Olivier sieht darin den grössten Vorteil

seiner Arbeit in Amerika. "Die Forschung hier hat eine Bedeutung, hat Auswirkungen auf die reale Welt. Wir beschäftigen uns nicht mit irgendwelchen fiktiven Problemen, die sich nirgends anwenden lassen."

Hochseilakt ohne Netz

Nouchine Hadjikhani arbeitet seit 1997 an der Harvard Medical School, wo sie am Martinos Center for Biomedical Imaging das menschliche Hirn untersucht. Ihr kleines, vollgestopftes Büro im alten Charlestown Navy Yard gewährt ihr freie Sicht auf den Hafen und die Stadt Boston.

Als Assistenzprofessorin für Radiologie leitet sie ein kleines Team von Forschern, deren Arbeit zu Störungen wie Migräne und

Autismus immer wieder neu finanziert werden muss. Im letzten Jahr war dies besonders schlimm, weil die Regierungsgelder für die Biowissenschaften weniger freizügig fliessen, obschon die Forschung immer mehr Geld verschlingt.

"Ich habe zwar einen Titel in Harvard, aber das bedeutet nicht, dass ich automatisch einen Lohn und Forschungsgelder erhalte", erklärt sie. "Das ganze ist wie ein Hochseilakt ohne Netz".

Auch mit Nachteilen verbunden

Das ist nicht unbedingt ein Nachteil und kann sogar sehr stimulierend sein. "Es zwingt mich, mein bestes zu geben und interessante Entdeckungen zu machen", fügt sie hinzu. Ausländerin zu sein hat

allerdings auch seine Nachteile, sagt sie. "Du sprichst anders, denkst anders, kannst dich nicht so gut verkaufen. Am Anfang muss man enorm viel lernen, damit man in dieser Umgebung überhaupt überlebt", sagt sie im Gespräch mit swissinfo.

Warum also nicht einen Lehrauftrag in der Schweiz annehmen? Für Olivier kommt das zur Zeit nicht in Frage. Es gibt im Moment ganz einfach zu viele öffentliche oder kommerzielle Projekte hier in Amerika, bei denen seine Mitarbeit gefragt ist.

Für Nouchine hingegen liegt eine Rückkehr in die Schweiz durchaus im Bereich des Wahrscheinlichen, nachdem ihr der Schweizerische Nationalfonds ein vierjähriges

Projektstipendium in Aussicht gestellt hat.

Sie wird ihre Arbeit zum Autismus für's erste im Rahmen einer Teilzeitberufung an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne weiterführen. Doch alle Beziehungen zu Boston abbrechen, das will sie keinesfalls.

"Es herrschen hier eine Offenheit und eine Dynamik, die für mich sehr wichtig sind", sagt sie. "Und meine Zusammenarbeit mit einem der weltbesten Zentren für medizinische Radiologie will ich nicht aufgeben."

swissinfo, Scott Capper in Boston (Übertragung aus dem Englischen: Dieter Kuhn)

Fakten

23% aller von wissenschaftlichen Instituten in den USA angestellten Akademiker mit Doktortitel (258,300) sind Ausländer (2003).
Dieser Anteil beträgt bei der Informatik sogar 44% und bei den Ingenieurwissenschaften 40%, bei der Psychologie hingegen bloss 9%.
20% aller höheren Fakultätsmitglieder mit einem Vollpensum in den USA sind Ausländer. In der Informatik beträgt ihr Anteil fast die Hälfte, in der Psychologie hingegen weniger als 10%.
Gemäss Schätzungen sind bis zu 8500 Schweizer Wissenschafter in den USA tätig. Offizielle Angaben gibt es dazu allerdings nicht.

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In Kürze

Olivier de Weck ist einer von zwei MIT-Professoren, die ausgewählt wurden, das Nasa-Projekt zum "Interplanetarischen Management von Versorgungsketten und Logistik- Architekturen" zu leiten. ["Interplanetary Supply Chain Management and Logistics Architectures"]

Ziel dieses Projekts ist es, Lösungen für den Material-Nachschub von der Erde zum Mond oder zum Mars zu finden.

Die grösste Herausforderung dabei ist der Aufbau eines komplexen Nachschub-Netzwerks am Boden und im Weltraum.

Nouchine Hadjikhanis Forschung konzentriert sich auf zwei Hauptgebiete: die Pathophysiologie der Migräne und das Verstehen von neurologischen Entwicklungsstörungen, insbesondere des Autismus.

Nouchines Interesse an diesen beiden Gebieten geht auf ihre frühere Beschäftigung mit visuellen Systemstudien zurück.

Für ihre Forschung verwendet sie verschiedene neurologische Bildgebungstechniken und ist überzeugt, mehr Zeit in medizinischen Scannern verbracht zu haben, als alle ihre Bekannten.

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