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Schweizer Uhrenindustrie im Stimmungstief

Selbst Schweizer Luxusuhren leiden unter SARS und Krieg. Keystone

Im Juni haben Cartier und Ebel restrukturiert. 200 Arbeitsstellen gingen in der Schweiz verloren.

Dieser Inhalt wurde am 14. Juli 2003 - 08:58 publiziert

Verantwortlich dafür dürften die ungünstige Konjunktur und der international schwierige Jahresbeginn sein. Doch einige Märkte sind noch nicht ausgeschöpft.

Der schwierigen Konjunkturlage entkommt niemand. Auch nicht die Uhrenindustrie, wesentlicher Bestandteil des Markenzeichens Schweiz.

Anfang Juni kündigte Cartier den Abbau von 180 Stellen an. Am 25. waren es bei Ebel 24. Ist mit weiteren solchen Massnahmen in der Branche zu rechnen?

Zwar hoffen alle, dass es in der zweiten Jahreshälfte wieder aufwärts geht, doch niemand kann das garantieren. Die Hauptschuld wird der schwachen Konjunktur angelastet, insbesondere jener in Deutschland.

Darüber hinaus zeigt die Magerperiode jedoch Strukturprobleme auf, welche die Branche in jedem Fall beheben muss.

Überkapazitäten in Krisenzeiten

"Die Verteilnetze sind überfüllt", hält zum Beispiel Jean-Claude Rennwald fest.

Aber Rennwald, in der Gewerkschaft SMUV für die Uhrenindustrie verantwortlich, weist auch darauf hin, dass diese Restrukturierungen nicht allein mit der ungünstigen Konjunktur-Entwicklung und dem relativ starken Schweizer Franken erklärt werden können.

Dazu beigetragen hätten auch die Misstöne anlässlich der Messe Basel. Wegen der Epidemie der Lungenkrankheit SARS hatte die Schweizer Regierung den Ausstellern aus Asien im April den Zugang zur wichtigsten Uhrenmesse des Landes verweigert.

"Dieses Verbot trug auch zum gegenwärtigen Rückgang der Schweizer Uhrenexporte bei", fährt der Gewerkschafter fort. Denn die Asiaten sind Uhrenliebhaber.

Erstes Halbjahr stark rückläufig

Im ersten Halbjahr 2003 war denn auch ein Rückgang um 6,3% oder 244,3 Mio. Franken zu verzeichnen. Bei den Uhren war er besonders gross: Deren Exporte nahmen im Mai um 13,3% auf 701,4 Mio. Franken ab.

Die exportierte Stückzahl fiel um nahezu 900'000, das sind 36,4% weniger als im Vorjahr. Das schwache erste Halbjahr geben die Unternehmen der Branche denn auch als Grund für ihre Restrukturierung an.

Dabei leiden die Zulieferer am meisten. "Die Bestellungen nehmen ab oder werden hinausgeschoben", erklärt Jean-Daniel Pasche vom Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie.

"Anders als bei der Krise in den 80er Jahren geht heute die gesamte Uhrenbranche angesichts der Unlust der Konsumierenden durch eine schwierige Phase", so Pasche weiter.

Die gegenwärtigen Schwierigkeiten haben allerdings nichts mit der Krise der Uhrenindustrie in den 70er und 80er Jahren gemein.

"Damals hatte die Schweizer Uhrenindustrie den Zug mit den Quarzuhren verpasst, aber ein solcher Technologiesprung dürfte sich in nächster Zukunft nicht wiederholen," hält Marc Gemoets fest.

Wartende Märkte

Der Analyst der Bank Ferrier Lullin ist sicher, dass auch der durch Golfkrieg und SARS-Epidemie verursachte Rückgang im Tourismus Auswirkungen auf die Resultate der Branche hatte. Trotzdem glaubt er, dass das Potenzial mehrerer Märkte nicht ausgeschöpft ist.

Denn es gibt einige aufstrebende Märkte wie Indien, China, Osteuropa und Japan. Die wirtschaftlichen Wachstumsraten dieser Länder liegen weit über jenen der Europäischen Union und der USA, und die Uhrenindustrie hat sich dort noch zu wenig durchgesetzt.

Und auch auf dem amerikanischen Markt könnte noch einiges erreicht werden.

"Die schweizerische wie die ausländische Uhrenindustrie haben sich bisher auf die grossen städtischen Zentren konzentriert. Das Landesinnere wird ziemlich vernachlässigt, es hat aber trotz der zögernden Konjunktur grosses Potenzial", erklärt Gemoets.

Der Analyst ist optimistisch und glaubt nicht an eine so schwere Krise wie in den 70er und 80er Jahren. Eines aber ist sicher: Die Restrukturierungen werden weitergehen, bis nur noch punktuelle Anpassungen nötig sind.

swissinfo, Jean-Didier Revoin
(Übersetzung aus dem Französischen von Charlotte Egger)

Fakten

Uhrenproduktion 2002:

28,3 Mio. Uhren, Wert: 10,561 Mrd. Franken

Mechanische: 2,9 Mio.
Quarz analog: 25 Mio.
Quarz digital: 0,4 Mio.

Export-Länder:

Europa (36,4%)
Asien u. Ozeanien (36%)
Nordamerika (16,2%)
Naher Osten (6,4%)
Südamerika (4,1%)
Afrika (0,9%)

(Quelle: FH)

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