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Schweizer Wirtschaft umwirbt vietnamesischen Drachen

Trotz rasanter Veränderungen steht die Statue "Onkel Ho" noch immer im Zentrum des ehemaligen Saigon.

(swissinfo.ch)

Vietnam öffnet sich immer mehr: So hat das Land zahlreiche Reformen durchgeführt und möchte der Welthandels-Organisation (WTO) beitreten. Die Schweizer Wirtschaft will diese Entwicklung nutzen.

Zum 35. Jahrestag der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern reiste eine Schweizer Delegation nach Vietnam, um neue wirtschaftliche Kontakte zu knüpfen.

"Wir erleben hier etwas ähnliches wie vor 15 Jahren in China", erklärt Catherine Kellerer, verantwortlich für Vietnam im Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) gegenüber swissinfo.

"Schritt für Schritt, mit einer Mischung aus Vorsicht und Intelligenz, setzen die vietnamesischen Behörden eine Reihe von Reformen in Gang, die sich mit der Marktwirtschaft vereinbaren lassen, um so ausländische Unternehmen und Investoren anzuziehen", erklärt sie.

Und die Resultate können sich sehen lassen: 2005 hat Vietnam Direktinvestitionen aus dem Ausland für 4,2 Mrd. Franken erhalten.

Im Zug des wirtschaftlichen Booms, der nun schon einige Jahre andauert, konnte das Land letztes Jahr ein Wachstum des Brutto-Inlandprodukts (BIP) um 8,4% verzeichnen, eine weltweit herausragende Wachstumsrate. Nur der grosse Nachbar China wächst noch schneller.

Ausserdem kann Vietnam bei der Entwicklung auf einen wichtigen Inlandmarkt setzen. Das Land zählt 83 Mio. Einwohner.

Der richtige Zeitpunkt

Im Rahmen eines zwischen Anfang und Mitte September von der Wirtschaftskammer Schweiz - Asien (SACC) organisierten Besuchs hat Ho Chi Minh Stadt (das ehemalige Saigon) zu einem bilateralen schweizerisch-vietnamesischen Wirtschaftsforum eingeladen.

Zahlreiche Redner – unter ihnen der Schweizer Botschafter in Hanoi, Bénédict de Cerjat, und der SACC-Präsident, Werner Berger – betonten, dass jetzt der richtige Zeitpunkt sei, um in Vietnam zu investieren.

Politische Behörden beider Länder, rund 100 Unternehmens-Vertreter, sowohl schweizerische wie vietnamesische, hatten am Forum teilgenommen.

Gutes Klima

Obwohl Vietnam nach wie vor von einer "kommunistischen" Regierung geführt wird, hat das Land 1986 das "doi moi" eingeführt, das heisst eine Reformpolitik, die sich am freien Markt orientiert.

Schon damals bot das Land einige strukturelle Vorteile (insbesondere junge, motivierte und gut ausgebildete Handwerker mit tiefen Löhnen). Aber laut Daniel P. Keller der Schweizer Beraterfirma Swiss Consulting in Hanoï sind die Rahmenbedingungen für Investoren erst in den letzten Jahren merkbar besser geworden.

So soll demnächst ein neues Gesetz in Kraft treten, das vietnamesische und ausländische Unternehmen gleich behandelt. Ausserdem wurden die Grundkosten für Dienstleistungen wie Telefon, Verkehr und Strom deutlich gesenkt und die Rechtsnormen bezüglich des Geistigen Eigentums wirksamer gemacht.

Nicht nur rosig

Trotz zahlreicher günstiger Faktoren ist die Situation in Vietnam nicht nur rosig. Wie viele andere in Entwicklung begriffene Länder hat auch Vietnam mit Problemen wie Korruption und einem undurchsichtigen bürokratischen System zu kämpfen.

Aber es gibt Schlimmeres. Vielleicht gerade, weil er seine verführerische Wirkung wieder entdeckt hat, ist der dynamische Drache wirtschaftlich überheblich geworden. Dank seiner Trümpfe gelingt es Vietnam tatsächlich, riesige Investitionen von multinationalen Konzernen wie Nike oder Intel zu gewinnen, was von den Behörden begrüsst und unterstützt wird.

Diese konstruktive und offene Haltung gilt allerdings nicht in gleichem Masse für die kleinen und mittleren Betriebe (KMU). Zumindest glaubt dies der Schweizer Andrea Kalberer, Besitzer von AB Promotions, ein mittleres Textilunternehmen mit 350 Angestellten, das in der Region von Ho Chi Minh Stadt tätig ist.

Die vietnamesische Regierung schenke den KMU nicht genügend Aufmerksamkeit, meint Kalberer. Er habe oft den Eindruck, dass die Behörden meinten, alle Investoren müssten "Global Players" sein. Doch in der Schweiz beschäftigen 99,7% der Unternehmen weniger als 250 Mitarbeiter.

swissinfo, Marzio Pescia, Ho Chi Minh Stadt
(Übertragung aus dem Französischen: Susanne Schanda)

HANDELSBEZIEHUNGEN SCHWEIZ-VIETNAM

Ende 2005 erreichten die Direkt-Investitionen der Schweiz in Vietnam 720 Mio. Dollar. Damit gehört die Schweiz zu den 15 grössten ausländischen Investoren in Vietnam und ist viertgrösster europäischer Investor hinter Frankreich, den Niederlanden und Grossbritannien.

Rund 90 Schweizer Unternehmen sind in Vietnam aktiv. Unter ihnen einige Grossbetriebe (mit rund 2500 Angestellten) wie Holcim (Zement), ABB (Energie), Nestlé (Nahrungsmittel) oder Syngenta (Agrochemie).

2005 überstieg die Handelsbilanz zwischen den beiden Ländern 240 Mio. Dollar. Die Schweiz exportiert vorwiegend Maschinen und chemische oder pharmazeutische Produkte. Sie importiert vor allem Schuhe, Textilien, Fisch und Landwirtschaftsprodukte.

Jedes Jahr verbringen rund 15'000 Schweizer Touristen ihre Ferien in Vietnam. Damit steht die Schweiz im Tourismus-Sektor des Landes an sechster Stelle der europäischen Länder.

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