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Schweizer Worte im Reich der Mitte

Eingangstor zur Universität Beiwai in Peking, wo sich auch das Schweizer Institut befindet.

(swissinfo.ch)

Dürrenmatt, Frisch oder Rousseau in Peking: Rund 6000 Bücher oder Revuen machen das "Zentrum für Schweizer Studien" an der Universität Beiwai aus.

Die von Pro Helvetia unterstützte Bibliothek möchte ein Fenster sein für helvetische Kultur und Gesellschaft. Doch die Mittel sind beschränkt.

Alte Gebäude, dunkle Korridore, kühle Aulen und Büros: Die einfach gehaltenen Strukturen der vor den Toren Pekings gelegenen Universität Beiwai täuschen manchen Besucher.

"Eigentlich handelt es sich um das Institut mit dem besten Ruf in ganz China, wenn es um Sprachen und fremde Kulturen geht", sagt Tang Xingying, Direktorin der Fakultät für Romanistik (Französisch), im Gespräch mit swissinfo.

Die Akademie bietet Kurse in 33 verschiedenen Sprachen für rund 8000 Studierende, die aus ganz China stammen.

Die Besten in die Administration

"Die besten von ihnen arbeiten später in Regierungsstellen. Über 200 chinesische Botschafter haben ihre Schulung in Beiwai absolviert", sagt Yuan Jianhua, Direktor der Fakultät für Germanistik.

Beim Schwatz mit einigen Studentengruppen aus den Deutsch-, Französisch- und Italienisch-Fakultäten wird klar: Sie beherrschen ihre jeweiligen Wahl-Sprachen schon beinahe perfekt.

Zwei Räume, ein Computer und Tausende von Papierseiten: Die kleine Schweizer Bibliothek ist vollgestopft mit Romanen und Architektur-, Fotografie- oder Theater-Revuen.

Ein Bücher-Regal ist den Charakteristiken des föderalistischen Systems der Schweiz gewidmet. Ein anderes ist mit Büchern über die Geschichte des Landes belegt.

Ein Blick genügt, und man entdeckt auch Werke über Wilhelm Tell. Daneben steht eine Reihe von statistischen Jahrbüchern.

Und dann die Print-Medien, bei denen Aktualität nicht gerade angesagt ist: Die Westschweizer Wochenzeitung, die aufliegt, stammt aus dem fernen Jahr 2001.

Sparmassnahmen – ebenfalls ein Helvetikum

"Sparmassnahmen", meint dazu die Direktorin des Zentrums, Chen Wei. "Immerhin erhalten wir auch heute noch regelmässig rund 20 Veröffentlichungen." Zeitungen? Davon gibts keine – ebenfalls aus finanziellen Gründen.

"Wir verfügen über mehr als 6000 Bücher über die Schweiz. Davon je die Hälfte auf Französisch und Deutsch, und wenig auf Italienisch", erklärt Chen Wei.

"Ausser den Studierenden informieren sich auch viele Wissenschaftler hier über die Schweiz. Durchschnittlich kommen pro Tag zwanzig zu uns. Andere wenden sich telefonisch an uns."

Dank diesem Zentrum und der Dokumentation sind Studierende in Peking imstande, Diplomarbeiten verfassen, welche die Schweiz betreffen. "Beispielsweise über die traditionellen Feste in der Schweiz, über ihre Aussen- oder Einwanderungspolitik", sagt die Direktorin.

Nicht nur Schokolade und Berge

Das von Dominique Dreyer, dem gegenwärtigen Schweizer Botschafter in China, geförderte Institut wurde 1988 eröffnet. Vor einem Jahr stattete Pascal Couchepin, damals Bundespräsident, dem Institut während eines China-Aufenthalts einen Besuch ab.

Erst kürzlich erhielt das Zentrum endlich seinen ersten (und einzigen) Computer. Nun wird versucht, den Katalog der erhältlichen Publikationen informatisch aufzubereiten.

Laut Lukas Schifferle, dem Kultur-Verantwortlichen in der Botschaft in Peking, ist die Bibliothek ein wichtiges Instrument, wenn es darum geht, den Chinesen ein vertieftes und differenziertes Bild über die Schweiz zu vermitteln.

"Nicht nur Schokolade, Neutralität und Berge, sondern auch Kunst, Kultur, Politik und Wirtschaft", unterstreicht Schifferle.

"Dank dem Institut an der Uni Beiwai haben wir Workshops mit Schweizer Künstlern oder Wirtschaftsvertretern organisiert. Das Interesse der Studenten ist immer sehr gross."

Doch die Schweizer Kunst bleibt den Chinesen vorderhand noch ziemlich fremd. Nur langsam öffnen sich mit der Zeit die Tore für ein besseres Verständnis. Beispielsweise kam im vergangenen Jahr die Theatergruppe Mummenschanz nach China. Eine Tournée führte sie in verschiedene Städte des Landes.

Oder Schweizer Architekten treten in Erscheinung, welche die Stadien für die Olympischen Spiele in Peking für 2008 bauen. Zudem wurden in der Hauptstadt auch Theaterstücke von Dürrenmatt aufgeführt.

swissinfo, Marzio Pescia, Peking
(Übertragung aus dem Italienischen: Alexander Künzle)

Fakten

Die Universität Beiwai in Peking zählt rund 8000 Studenten.

Die Fakultäten für Französisch oder Deutsch umfassen je 330 Studierende.

Die Italienische etwa 50.

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In Kürze

Das Zentrum für Schweizer Studien in Peking wurde 1988 auf Initiative des gegenwärtigen Botschafters gegründet.

Es handelt sich um eine Zusammenarbeit der Universität Beiwai. Der Schweizerischen Konferenz der Universitäts-Rektoren und Pro Helvetia.

Das Ziel bestand darin, an einem wichtigen chinesischen Bildungsstandort ein Fenster zu eröffnen, das einen Blick auf die schweizerische Kultur gestattet.

Gegenwärtig bietet die Bibliothek rund 6000 Bücher und Magazine, hauptsächlich in deutscher und französischer Sprache.

Unter den vom Zentrum angebotenen Aktivitäten gibt es Kolloquien, Diskussionen und Workshops mit Schweizer Künstlern oder anderen Persönlichkeiten aus der Welt der Politik oder der Wirtschaft.

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