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Schweizervereine in Grossbritannien brauchen Geld

Freddie Wyser, hier mit Monika Gysin von swissinfo.ch, sprach von einer schwierigen Zukunft, falls die schlechte finanzielle Situation andauern sollte. swissinfo.ch

Finanzielle Probleme haben zu einer spürbar gedämpften Stimmung an der 45. Jahres-Generalversammlung der Schweizervereine in London geführt. Der Dachverband (FOSSUK) tagte in der Schweizer Botschaft. Vertreter aus allen Ecken Grossbritanniens waren dabei.

Dieser Inhalt wurde am 15. Juni 2010 - 08:37 publiziert

Schnell wurde klar, dass auch FOSSUK, der Dachverband der 24 Schweizervereine und Clubs in Grossbritannien, nicht immun gegen die Auswirkungen der globalen Wirtschaftskrise ist.

Üblicherweise kombinieren Delegierte und eingeladene Würdenträger Schweizer Angelegenheiten mit sozialen und kulturellen Aktivitäten. Das letztjährige FOSSUK-Treffen in Wales begann mit einem Abend mit klassischer Musik des BBC-Nationalorchesters von Wales unter der Leitung des Schweizers Thierry Fischer. Und zum Abschluss gab es ein Konzert einer Gruppe von Chormitgliedern aus Cardiff sowie eines 40-köpfigen Chors aus dem Schweizer Kanton Tessin.

Das Jahresevent, das üblicherweise zwei oder drei Tage dauert, wurde in diesem Jahr auf einen Nachmittag in der Schweizer Botschaft in London zusammengestutzt, gefolgt von einem Abendessen in einem Schweizer Restaurant im Zentrum der Stadt.

Die akuten Finanzprobleme haben dazu geführt, dass während der Hälfte der Jahresversammlung über das laufende FOSSUK-Defizit gesprochen wurde. Den Mitgliedern wurde klar gemacht, dass sie Gelder beschaffen müssen.

Harte Zeiten stehen bevor

Die Budgetsorgen sind teilweise wegen eines Zweijahres-Sponsorenvertrages mit der Schweizer Grossbank UBS entstanden, der zu Ende geht und offenbar keine Chance auf eine Erneuerung hat.

Das einzige Einkommen des Dachverbandes kommt derzeit lediglich von den Schweizer Clubs und Vereinen, wobei entweder ein bescheidener Mitgliederbeitrag von einem britischen Pfund pro Person oder ein minimaler Gesamtbeitrag von 20 Pfund pro Club in die Kasse von FOSSUK fliesst.

FOSSUK-Präsident Freddie Wyser sprach von einer schwierigen Zukunft, falls die schlechte finanzielle Situation andauern sollte. "Wir müssen uns sehr anstrengen, damit wir zusätzliche Einnahmen von aussen generieren können. Falls die Zahlen nächstes Jahr nicht besser werden, riskieren wir in Kürze unsere Existenz."

Einnahmen generieren

Trotz der düsteren Perspektive skizzierten Delegierte eine Anzahl von Möglichkeiten zur Generierung von Einnahmen, um das Budget auszugleichen.

Der ermutigendste Vorschlag war, auf der FOSSUK-Website Raum für bezahlte Werbung und Inserate anzubieten. Mit jährlich beachtlichen 70'000 Usern sei die FOSSUK-Site in einer genügend starken Position, um ein Online-Werbekonzept zu entwickeln, meinten die Delegierten.

Es gibt auch Pläne für eine häufigere Aktualisierung der Website. Es sind Verhandlungen in Gang, um möglicherweise Nachrichtenberichte von swissinfo.ch zu streamen. Wenn FOSSUK sich mehr zu einem Informationshub in Grossbritannien entwickeln würde, rechnen die Delegierten mit mehr Usern. Dies wiederum wäre attraktiver für Geschäftsleute.

Weiter war man sich einig, dass sich FOSSUK mehr für die Belange der Mitglieder engagieren muss, um von der Auslandschweizer Gemeinschaft kontinuierlich unterstützt zu werden. FOSSUK-Kassier Daniel Pedroletti gestand, die Leute hätten nur wenig Ahnung über die Tätigkeit des Dachverbandes.

"Der Verband darf nicht länger nur bekannt dafür sein, dass er einmal im Jahr eine Generalversammlung organisiert und die vier 'britischen' Delegierten in ihrer Rolle innerhalb der Auslandschweizer-Organisation ASO in Bern unterstützt", sagte Pedroletti. "Deshalb haben wir im März eine Serie von Foren gestartet, an denen dringende Fragen der Schweizer Expats erörtert werden."

Bessere Information

Das erste Forum wurde als einer der bisher grossen Erfolge in diesem Jahr bezeichnet. Über 70 Leute aus Südost-England besuchten die Londoner Veranstaltung, an der Themen diskutiert wurden wie die umstrittene Einführung des biometrischen Schweizerpasses, das Wahl- und Abstimmungsprozedere für Auslandschweizer sowie das Minarett-Verbot.

Für später in diesem Jahr sind ähnliche Foren in Nord-England und Anfang 2011 in Schottland geplant.

Der Schweizer Botschafter in Grossbritannien, Alexis Lautenburg, unterstützte die Vorschläge zur Profilierung von FOSSUK. Er glaubt auch, dass die Schweizer Gemeinschaft besser über globale Ereignisse informiert werden möchte.

"Neben der eher sozialen Dimension von freundschaftlichen Treffen in den Schweizer Clubs und Vereinen könnten uns neue und attraktive Formen von Information und Debatten helfen, die Leute besser zu verstehen. Und diese Erkenntnisse könnten weitergegeben werden in die verschiedenen Kantone in der Schweiz", so der Botschafter.

Weitere gute Nachrichten kamen von einem der eingeladenen Würdenträger. Botschafter Markus Börlin, Chef der Politischen Abteilung 6 im Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), erklärte an der FOSSUK-Jahresversammlung, vor zwei Wochen habe das Ministerium die Schaffung eines neuen Amtes beschlossen: ein Generaldirektor für konsulare Angelegenheiten.

Das bedeute, dass erstmals der Auslandschweizerdienst und Fragen im Zusammenhang mit Schengen und Visa unter einen Hut kämen. Börlin gab sich zuversichtlich, dass ein solches Direktorat den Expats mehr Macht und Einfluss innerhalb des EDA und der Bundesverwaltung im Allgemeinen geben würde.

Andrew Littlejohn, London, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Englischen: Jean-Michel Berthoud)

FOSSUK

FOSSUK ist eine aus Freiwilligen bestehende, von politischen Parteien unabhängige Nonprofit-Organisation. Sie ist koordinierend und interaktiv tätig.

FOSSUK und seine einzelnen Vereine, Clubs und Institutionen bzw. seine Mitglieder stehen innerhalb der Richtlinien der Auslandschweizer-Organisation ASO.

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Auslandschweizerrat

Der Auslandschweizerrat (ASR) vertritt die Interessen aller Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer gegenüber Behörden und Öffentlichkeit in der Schweiz.


Der ASR tritt zweimal jährlich in der Schweiz zu einer ganztägigen Sitzung zusammen, um über wichtige Fragen der Auslandschweizerpolitik zu beraten und zu aktuellen Themen aus der Sicht der Fünften Schweiz Stellung zu nehmen.

Dem ASR gehören 160 Vertreterinnen und Vertreter der Auslandschweizer Gemeinde sowie des öffentlichen Lebens in der Schweiz an. Er gilt als Parlament der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer.

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Die Fünfte Schweiz

2009 waren 685'000 (rund 10%) der Schweizerinnen und Schweizer im Ausland ansässig; die Mehrheit in Ländern der Europäischen Union, 8800 mehr als im Vorjahr.

Die grössten Schweizer Kolonien befinden sich in Frankreich (177'600), Deutschland (75'440), den USA (74'900), Italien (48'600) und Grossbritannien (28'900).

Die Auslandschweizer würden den bevölkerungsmässig viertgrössten Kanton der Schweiz bilden, hinter Zürich, Bern und Waadt.

130'017 Auslandschweizer hatten sich 2009 in einem Stimmregister eingetragen (24,6% der gesamten Auslandschweizergemeinde).

Zur Zeit ist kein Expat im Schweizer Parlament vertreten.

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