Schwieriges Ja zur Berufsbildung

Die Ausbildung von jungen Berufsleuten soll moderner werden - doch wer bezahlt dabei wie viel? Keystone Archive

Der Nationalrat will mehr Geld in die Ausbildung investieren. Zudem sollen die Strukturen vereinfacht werden. Die Details allerdings sind umstritten.

Dieser Inhalt wurde am 28. November 2001 - 14:27 publiziert

Die qualitativ hochstehende Berufsbildung hat in der Schweiz Tradition, sie ist ein wichtiger Eckpfeiler der Wirtschaft. In einer mehrjährigen Ausbildung arbeiten die jungen Leute in einem Betrieb mit und besuchen regelmässig die Berufsschule. Praktische und theoretische Ausbildung gehen dabei Hand in Hand. Diesen Ausbildungsweg durchlaufen zwei Drittel aller Jugendlichen.

Diese Besonderheit der Schweiz strich auch die Grosse Kammer in ihrer Debatte ums neue Berufsbildungs-Gesetz heraus. "Unser duales System ist ein wesentlicher Standortvorteil, den es zu erhalten und auszubauen gilt", betonte etwa die Berner Freisinnige (FDP) Käthi Bangerter. Das Ausland schaue "mit Neid auf unser System".

Für die Tessiner Christdemokratin (CVP) Chiara Simoneschi hat das hiesige Bildungssystem gar "wirtschaftliche und soziale Wunder der Schweiz ermöglicht".

Neues Gesetz bringt wichtige Reformen

Schöne Worte, doch anzumerken bleibt, dass die Entwicklung des neuen Berufsbildungs-Gesetzes Jahre in Anspruch nahm. Allerdings liegt nun - nach heftigem Ringen in der vorberatenden Kommission - ein Gesetzes-Entwurf vor, der grundsätzlich von links bis rechts mitgetragen werden könnte.

Neu sollen alle Berufsgruppen unter einem Dach vereinigt werden: Der Bund (und nicht mehr die Kantone) sind damit auch verantwortlich für die Bereiche Gesundheit, Soziales und Kunst.

Die strikte Regelung, dass die Lehrlinge maximal zwei Tage die Schulbank drücken dürfen, soll abgeschafft werden. In der modernen Wissens-Gesellschaft sind Ausbildungen im Baukasten-System gefragt, angepasst an die Stärken der Schülerinnen und Schüler und die Bedürfnisse der verschiedenen Berufszweige.

Knackpunkt Geld

Noch offen ist jedoch, wer diese Änderungen finanzieren soll. Die Regierung hatte zwar bereits in ihrer Botschaft eine Erhöhung des Bundesbeitrags zur Berufsbildung vorgeschlagen, der vorberatenden Kommission hat das aber nicht gereicht. Sie will eine grössere Aufstockung.

Den abschliessenden Entscheid über den Bundesbeitrag hat der Nationalrat in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht gefällt. Der Abschluss des Geschäftes wird deshalb auf die dritte Sessionswoche verschoben.

Nicht-ausbildende Firmen: Umstrittene Trittbrett-Fahrer

Nicht nur um Geld wird weiterhin zu debattieren sein, auch über die Grösse des Lehrstellen-Angebots.

In der Beratung am Mittwoch hat es der Nationalrat abgelehnt, Bund, Kantone und Organisationen in der Arbeitswelt zu verpflichten, für ein "genügendes Angebot" zu sorgen.

Es gehe dabei um eine unlösbare Frage, betonte beispielsweise der St. Galler SVP-Politiker Theophil Pfister. Denn wann sei ein Angebot ungenügend?

Mit 95 zu 59 Stimmen lehnte es die Grosse Kammer auch ab, den Bundesrat zu Gegen-Massnahmen zu verpflichten, wenn sich ein Ungleichgewicht auf dem Markt für berufliche Grundbildung abzeichnet. Er zog auch hier die abgeschwächte "kann"-Version vor.

Noch zu diskutieren sind die umstrittenen so genannten "Berufsbildungsfonds". Denn nach wie vor drücken sich viele Betriebe davor, junge Berufsleute auszubilden - obgleich sie danach von eben diesen Fachkräften profitieren. Mit dem neuen Gesetz soll deshalb nun ein freiwilliger "branchenmässig ausgerichteter Ausbildungsfonds" geschaffen werden.

Bereits in der Eintretensdebatte am Dienstag hat Volkswirtschaftsminister Pascal Couchepin die Bedeutung dieses Fonds nochmals betont. Nicht ohne Grund, denn mit diesem Bereich wird das Berufsbildungs-Gesetz indirekt zum Gegenvorschlag zu einer Volksinitiative, von der Couchepin nichts wissen will.

Diese "Lehrstellen-Initiative" verlangt ein für alle Betriebe verbindliches Bonus/Malus-System. Mit dieser und weiterer Massnahmen erhoffen sich die Initianten - vor allem Schweizer Jugend-Organisationen - mehr Lehrstellen.

Absehbar ist bereits, dass das Parlament die Initiative selber wohl ablehnen wird. Wie viel Geld und Engagement es in der nochmaligen Detailberatung schliesslich in die Bildung investieren wird, ist noch offen.

Eva Herrmann und Agenturen

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