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Sehnsucht nach Licht

Barthélemy Menn, Blick über das Forum Romanum, 1836 (www.langmatt.ch)

(swissinfo.ch)

Sehnsucht Italien: Viele Künstler hat es Anfang des 19. Jahrhunderts in den Süden gezogen. Das Museum Langmatt in Baden zeigt ihre frühe Freilichtmalerei.

Wenig bekannt unter den Freilichtmalern blieben die zahlreichen Schweizer. In Baden sind sie erstmals zusammen zu sehen.

Der Winter verabschiedet sich, die Tage werden länger und wärmer. Und die jährlich wiederkehrende Sehnsucht nach dem Süden, nach Italien, wird spürbar.

Diese Sehnsucht ist nicht neu, wie die seit Anfang April laufende Sonderausstellung im Museum Stiftung Langmatt zeigt. "Sehnsucht Italien. Corot und die frühe Freilichtmalerei 1780 – 1850" eröffnete gerade rechtzeitig, um auf die Osterferien einzustimmen.

Stimulierende Sehnsüchte: Vom Wort zur Tat

"Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunklen Laub die Goldorangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Loorbeer steht?",
schrieb Goethe zu jener Zeit, als auch er seine Italienreisen unternahm (Mignon, 1782).

Dieses Wort-Ambiente mit Pinsel und Ölfarben auf Leinwand zu bannen, bemühten sich darauf ganze Scharen von nordeuropäischen Kunstschaffenden. Darunter eine ganze Menge teils bekannter Schweizer Künstler, die sich mehr vom Süden als von heimatlichen Sujets à la Anker herausgefordert fühlten.

Freilichtmalerei als Novum

Die Sonderausstellung in Baden zeigt die Werke der ersten Vertreter des Freilichtmalerei-Genres. Kurz vor der Jahrhundertwende, ab 1780, begannen Künstler, ihre Staffeleien erstmals direkt im Freien aufzustellen. Die Bilder entstanden den Umständen entsprechend schneller, die Formate wurden kleiner. Das alles war ungewohnt, lag aber klimatisch zumindest in Italien nahe.

Landschaften auf Öl in Farben, die es nördlich der Alpen so gar nicht gibt, waren in der europäischen Malerei bis zu der Zeit hauptsächlich in den Ateliers nachempfunden worden.

"Ende des 18. Jahrhunderts rückte ins Bewusstsein, dass Italien und besonders Rom einen Reichtum von Motiven in günstigen Klima- und Lichtverhältnissen bereit hielt", schreibt Felix Baumann, Gastkurator der Sonderausstellung in Baden. Dies habe nicht nur die Aristokratie aus dem Norden, sondern auch Künstler angelockt. Goethe stilisierte dann Italien endgültig zum Land der Sehnsucht.

Die Kunstrichtung der Malerei im Freien habe sich im Lauf des 19. Jahrhunderts zu einem grossartigen Höhepunkt im Impressionismus entwickelt, so Baumann.

Schweizer Maler als verkannte Ausstellungs-Mauerblümchen

Innerhalb der buntgewürfelten Künstler-Gemeinschaft, die sich ab 1800 vorzugsweise in Rom aufhielt, gab es auch zahlreiche Schweizer Künstler.

Doch die Werke dieser Schweizer Maler des Freilicht-Genres seien von den jüngsten internationalen Ausstellungen fast immer ausgeklammert geblieben, so Baumann. Sie hätten kaum je Beachtung gefunden, weiss der Fachmann, der bis 2000 fast 25 Jahre das Zürcher Kunsthaus leitete.

Deshalb hat Baumann ihnen nun im Museum Langmatt besondere Aufmerksamkeit geschenkt. In Baden zu sehen sind die Basler Friedrich Salathé, Samuel Birmann, Jakob Christoph Miville, Johann Jakob Frey und Arnold Böcklin, die Romands Maximilian de Meuron, Barthélemy Menn, Léopold Robert, François Diday, der Berner August von Bonstetten und der Zürcher Johann Jakob Ulrich.

Begründet hatten die Tradition der Freilicht-Malerei jedoch die Franzosen, ab 1780. Camille Corot, der 1825 erstmals nach Rom reiste, gilt dabei als bahnbrechender Künstler. Unter den insgesamt 100 in Baden ausgestellten Werken sind 23 Corot-Bilder.

Freilicht-Malerei und die Schweiz: Hodlers Vorläufer

Bis ins 18. Jahrhundert habe es in der Schweiz kaum Kunstakademien wie in anderen Ländern gegeben, schreibt Hans Christoph Ackermann im Katalog zur Ausstellung. Landschaftsmalerei existierte kaum. Doch habe das Aufkommen des frühen Alpentourismus durch die Engländer dazu geführt, dass immer mehr Alpenveduten, also naturgetreue Landschaftsbilder, nachgefragt wurden.

Die Schweizer Städte hatten ganz unterschiedlich Zugang zur Landschaftsmalerei. In Bern blühte die Gebirgsmalerei (Caspar Wolff). In Zürich war der erste Professor der Zürcher Kunstschule, Johann Balthasar Bullingen, ein Schüler des Venezianers Tiepolo.

In Basel förderten Kunsthändler und Verleger das Genre Landschafts-Malerei. Die reiche Stadt Genf war die erste, die eine Zeichenschule gründete und öffentliche Kunstausstellungen durchführte. Der jüngste der Genfer Landschaftsmaler jener Zeit hiess Barthélemy Menn. Er ist ebenfalls in Baden zu sehen und war unter anderem auch der Lehrer von Ferdinand Hodler.

Die Sonderausstellung zur Freilichtmalerei passt auch vom Ambiente her gut ins Badener Museum Langmatt. Die Villa neben dem modernen ABB-Gebäude wurde 1900 als Wohnsitz für das Kunstliebhaber-Ehepaar Sidney und Jenny Brown-Sulzer gebaut. Sie wurde vom 1987 verstorbenen Sohn John A. Brown der Öffentlichkeit hinterlassen.

Heute ist die Villa selbst ein Kulturdenkmal.

swissinfo, Alexander Künzle in Baden

In Kürze

"Sehnsucht Italien. Corot und die frühe Freilicht-Malerei 1780 bis 1850."
Museum Landmatt, Stiftung Langmatt Sidney und Jenny Brown, Baden

Dauer der Ausstellung: Von April bis Ende Oktober 2004

Freilicht-Malerei gibt es in der europäischen Kunstszene erst richtig seit Ende des 18. Jahrhunderts, als nördlich der Alpen die Sehnsucht nach dem Süden, nach Italien, aufkam.

Bahnbrechend in diesem Genre wirkte der Franzose Camille Corot.

Im Gefolge der internationalen Künstlerschar, die sich vor allem in Rom niederliess, um von dieser Art Bilder zu leben, waren auch zahlreiche Schweizer.

Künstlerisch nicht weniger qualifiziert als die anderen, fanden sie jedoch bisher kaum Beachtung an Ausstellungen zu diesem Thema.

In Baden sind sie nun erstmals zusammen ausgestellt.

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