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Sensationelle Schweizer Leistung

Der Schweizer Severin Brüngger kämpft um den Ball mit seinem ungarischen Gegner. Keystone

Die Schweizer Handball-Nationalmannschaft hat sich mit einer sensationellen Leistung in Ungarn für die Europameisterschaft 2002 in Schweden qualifiziert. Obschon sie in Nyiregyhaza 24:25 verlor, löste die Equipe von Erfolgstrainer Arno Ehret das EM-Ticket mit dem Gesamtskore von 46:46 dank der Auswärtstore-Regel.

Dieser Inhalt wurde am 10. Juni 2001 - 21:07 publiziert

Drei Penaltys prägten in den letzten fünf Minuten die mitreissende Finalissima. Erst gelang Arpad Mohacsi per Siebenmeter der umjubelte Ausgleich zum 23:23, 57 Sekunden vor Schluss erhöhte er nach Nagys 24:23 wieder vom Penalty-Punkt aus auf die vermeintlich wegweisende Marke von 25:23. 4'000 Zuschauer tobten, derweil die bis dato generös kämpfende SHV-Auswahl vor dem allseits längst vorher erwarteten Knockout schien.

Der Schein trügte, denn die Schweizer, mittlerweile ohne Torhüter, stemmten sich in geradezu heroischer Weise gegen ihr Schicksal - und reüssierten! Mit dem letzten ihrer insgesamt 46 Angriffe erzwang Rechtsaussen Zeno Läber jenen Penalty, den Robbie Kostadinovich fünf Sekunden vor dem Ende verwandelte. Die erstmalige EM-Teilnahme stand allerdings erst fest, nachdem Goalie Christian Meisterhans den letzten Schuss des Barcelona-Jungstars Nagy mit einer Weltklasseparade abwehrte.

"Dass wir hier in Ungarn gegen einen renommierten Gegner eine solche Leistung abliefern, ist in dieser Art aussergewöhnlich", staunte und lobte Nationalcoach Arno Ehret. "Ich ziehe vor dem Team den Hut", fuhr der sichtlich gerührte Deutsche fort. "Wir hatten in den letzten 30 Sekunden die Geduld, unseren letzten Angriff auszuspielen. Wir haben die Ruhe bewahrt, liessen uns nicht aus dem Konzept bringen", strich Ehret heraus. "Das wertet unsere Leistung besonders auf."

Läber herausragend

Der fantastische Exploit in der vollbesetzten Stadthalle von Nyiregihaza besitzt mehrere Väter. Hinter der wiederum tadellos funktionierenden Defensivkette um die beiden jungen Chefs Severin Brüngger und Martin Stettler stand mit Meisterhans ein Torhüter, der die Schweizer in heiklen Phasen mit exzellenten Paraden stets vor deutlicheren Rückständen bewahrt hatte. Im Rückraum überzeugte Robbie Kostadinovich ein weiteres Mal als technisch perfekter Organisator und sicherer Weitschütze. Mit Ursic (4 Tore) verfügten die Gäste über den Allrounder, der erst am Kreis überzeugte und in der zweiten Halbzeit den zu statischen Gautschi halblinks wirkungsvoll ersetzte.

Und Bestnoten verdiente sich Zeno Läber. Der kleingewachsene Suhrer war noch vor wenigen Wochen als Flügel Nummer 3 ins EM- Playoff-Vorbereitungs eingerückt. Als sich dann aber Markus Keller verletzt abmelden musste und Michael Suter wegen einer Achillessehnenverletzung nicht richtig auf Touren kam, erhielt Läber eine Chance -- und packte sie. Nach einer verhaltenen ersten Hälfte avancierte Läber in den letzten 22 Minuten zum Mann der Partie. Vier Treffer ohne Fehlversuch stellten ihm ein blendendes Zeugnis aus; links erfüllte Carlos Lima mit drei Treffern seinen Part ebenso.

Aussergewöhnliche Schweizer gegen starken Gegner

Die Vorstellung in der schmucken Provinzstadt mit dem kaum aussprechbaren Namen Nyiregyhaza ist ohne Zweifel und Übertreibung als aussergewöhnlich einzustufen. Der Gegner stellte immerhin ein routiniertes, zuweilen gar hochkarätiges Ensemble von Professionals aus europäischen Top-Ligen und zählt trotz EM-Qualifikation zur ersten Güteklasse Europas. Die Schweiz hingegen, das sollte keiner ausser Acht lassen, hatte ohne den am Daumen verletzten Marc Baumgartner, den Lemgo-Shooter von Weltformat, anzutreten.

Und trotz der knappen 21:22-Hinspielniederlage lagen eigentlich sämtliche Trümpfe in den Händen der heimstarken Magyaren, zumal in der jüngeren Vergangenheit prominenter besetzte Schweizer Auswahlen in vergleichbaren Situationen (und mit weitaus besseren Ausgangslagen im Rücken) regelmässig kläglich gescheitert waren. Wohl kaum einer kalkulierte allen Ernstes mit einer derart positiven Meldung aus Ungarn. Kaum einer mit Schweizer Pass, geschweige denn die Einheimischen, die allesamt einen deutlichen Sieg erwarteten, befand die seit Jahren glück- und erfolglosen Schweizer für fähig, eine Hürde vom Kaliber Ungarns in fremder Halle zu überspringen. Selbst Arno Ehret hatte Gegenteiliges befürchtet, wie er hinterher freizügig zugab: "Ich sah die Ungaren im Europacup, ich kenne das Niveau ihrer Meisterschaft. Dementsprechend war die Befürchtung da, dass wir, bis wir ins Spiel stolpern, schon mal mit sechs, sieben Toren zurückliegen."

swissinfo und Agenturen

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