Sergio Vieira de Mellos Revival auf den Bildschirmen

Im Mittelpunkt des Netflix-Films steht die Liebesgeschichte zwischen Sergio Vieira de Mello (Wagner Moura) und Carolina Larriera (Ana de Armas). © 2019 Netflix
Dieser Inhalt wurde am 11. Juni 2020 - 12:30 publiziert
Olivier Pauchard, Valéria Maniero

Sein Tod war damals ein grosser Schock: Die Netflix-Plattform hat soeben einen Film veröffentlicht, welcher der Lebensgeschichte von Sergio Vieira de Mello gewidmet ist. Der brasilianische Diplomat war 2003 bei einem Attentat im Irak ums Leben gekommen. Der ehemalige UNO-Hochkommissar für Menschenrechte liegt in Genf begraben.

Am späten Nachmittag des 19. Augusts 2003 erschüttert eine Detonation das Hotel, in dem sich die UNO-Mission in Bagdad befindet. Zweiundzwanzig Menschen werden bei dem Bombenanschlag getötet, darunter Sergio Vieira de Mello, der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte.

Eine Liebesgeschichte

Siebzehn Jahre später veröffentlicht die Netflix-Plattform einen Film, der den letzten Jahren des Diplomaten gewidmet ist. Gespielt wird er vom brasilianischen Schauspieler Wagner Moura, der vor allem durch seine Rolle in der Fernsehserie Narcos bekannt ist, die der Jagd nach dem berühmten kolumbianischen Drogenhändler Pablo Escobar gewidmet ist.

Gedreht hat den Film mit dem nüchternen Titel Sergio der Amerikaner Greg Barker. Einen grossen Teil des fast zweistündigen Werks widmet Barker der Liebesgeschichte zwischen dem brasilianischen Diplomaten und Carolina Larriera, einer argentinischen Wirtschaftswissenschaftlerin, mit der er verheiratet war und die letzten Jahre seines Lebens teilte.

Larriera war am Tag des Attentats in Bagdad auch anwesend, wurde aber nicht verletzt. Sie sieht positive und negative Aspekte in der Art und Weise, wie sie und Vieira de Mello im Film porträtiert werden, wie Larriera swissinfo.ch erzählt: "Wir Lateinamerikaner werden als charmant und oft nicht als das dargestellt, was wir wirklich sind: vorbereitete Menschen, die hart gearbeitet haben. Wenn man nur auf eine charmante und sexy Person reduziert wird, fühlt man sich manchmal unwohl. Wir sind viel mehr als das."

Externer Inhalt

Ihr zufolge stellt der Film zwei Menschen mit ihren Persönlichkeiten, Zweifeln und Komplexitäten dar. Die Gesamtbilanz ist positiv, dennoch sieht Larriera einige Schwächen: Die Geschichte der beiden Liebenden war zum Beispiel nicht so kurz, wie es im Film scheint.

Ein weiterer entscheidender Punkt ist derjenige der Sicherheit. Larriera bezieht sich auf die Szene, in welcher der Hochkommissar den Rückzug eines Panzers fordert. Tatsächlich war es aber nach ihren Worten "die Führungsspitze der UNO, die beschlossen hat, dass dieser Panzer zurückgezogen werden muss, um die Unabhängigkeit der Vereinten Nationen in Bagdad zu garantieren".

Ein Vermächtnis, das geteilt werden soll

Der Film trage dazu bei, dass das, wofür Vieira de Mello stand, nicht vergessen gehe, so Larriera. Sie sagt, dass der Film helfe, das Leben und die Arbeit "des wichtigsten Beamten in der Geschichte der UNO" bekannt zu machen.

"Es ist wichtiger denn je, sich daran zu erinnern, dass es Menschen gibt, die an Ideale glauben und sich bemühen, für sie zu kämpfen", sagt sie. Es sei wichtig, "gute Überzeugungen zu haben und sie vorzubringen, wie Sergio es getan hat".

Ihr zufolge hinterliess Vieira de Mello ein Erbe an Einfühlungsvermögen und die Vorstellung, dass es Lösungen gibt. "Er glaubte, dass Polarisierung zu Zerstörung führt. Und er wusste, wie man Menschen zusammenbringt", sagt Larriera.

Eine besondere Verbindung zur Schweiz

Vieira de Mello liegt auf dem Friedhof Plainpalais in Genf begraben, am gleichen Ort wie Reformer Jean Calvin, Psychologe Jean Piaget und Schriftsteller Jorge Luis Borges. Der Ort, der auch "Friedhof der Könige" genannt wird, ist Persönlichkeiten vorbehalten, welche die Geschichte von Genf, der Schweiz oder der Welt geprägt haben. Gegenüber dem Palais Wilson thront auch eine Büste des Diplomaten.

Die Büste von Sergio Vieira de Mello in Genf wurde 2007 von Kofi Annan, dem damaligen UNO-Generalsekretär, eingeweiht. Keystone / Martial Trezzini

"Sergio fand den Lebensstandard in der Schweiz unglaublich hoch. Das Leiden der Menschen in seinen Einsatzgebieten wurde dadurch noch deutlicher. Jedes Mal, wenn er in die Schweiz zurückkehrte, machte er sich noch mehr Sorgen darüber, die wirklich leidenden Menschen im Stich zu lassen. Ich glaube, für ihn repräsentierte die Schweiz die Welt, wie sie sein könnte", so Larriera.

Diesen Artikel teilen