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Serie Camping Der Traum vom Vanlife in der Schweiz

Camper und Kühe

Vanlife auf dem Gotthardpass.

(Keystone / Urs Flueeler)

Auf den sozialen Netzwerken sind Bilder und Videos zu #Vanlife ein Hit. Doch ist dieses einfache und naturverbundene Leben in Freiheit auch in der reichen und überregulierten Schweiz möglich? Wir besuchen das erste Vanlife-Festival der Schweiz und sprechen mit den Besucherinnen und Besuchern.

Die Bilder zeigen halbnackte tätowierte Paare mit Gitarre in chic ausgebauten Kastenwagen, bei erotisch inszenierten Turnübungen, mit Hund oder beim Kochen auf Reisen: Der Hashtag #Vanlife ist auf Instagram und anderen sozialen Netzwerken der grosse Hit.

"Vanlife ist eine junge Bewegung", sagt Oliver Grützner, Leiter Tourismus und Freizeit beim Touring Club Schweiz (TCS). "Viele junge Paare oder Familien wollen die Welt im VW-Bus entdecken."

Die Schweiz ist für Vanlife besonders geeignet. Sie bietet Sicherheit, Natur, Berge, kurze Anfahrtswege und viele Gewässer. "In der Schweiz kann man auf kleinem Raum alles machen und hat ganz unterschiedliche Landschaften", sagt Grützner.

Doch die Schweiz ist auch stark reguliert. Immer mehr Gemeinden und Kantone verbieten Wildcampen. Wir haben diesen Sommer das erste Vanlife-Festival der Schweizexterner Link im Fricktal besucht und gefragt, wie Vanlife in der Schweiz funktioniert.

Zwar spielt jemand Gitarre und viele Festival-Besuchende haben tatsächlich Hunde; doch diese Menschen haben mit der künstlichen Instagram-Welt wenig gemeinsam. Sie sind pragmatisch, hilfsbereit und offen. Sie besuchen sich gegenseitig in ihren Vans, trinken Bier an Campingtischen und tauschen sich aus.

Für manche Besucher und Besucherinnen des Festivals ist Vanlife eine Freizeitbeschäftigung für Wochenenden und Ferienexterner Link; sie wohnen den Rest der Zeit in einer "normalen" Wohnung und haben häufig einen ortsgebundenen Beruf.

Doch dann gibt es die Hartgesottenen, die das ganze Jahr in einem Van leben – teilweise sogar mit Hunden und Kindern. So wie Angi, André und Romyexterner Link, die seit 2018 mit einem Laster auf Langzeitreise sind.

Mann mit kleinem Mädchen

Die wohl jüngste Vanliferin am Festival lebt und reist mit den Eltern in einem Militärfahrzeug.

(swissinfo.ch)
Militärfahrzeug

Das Zuhause auf Rädern.

(swissinfo.ch)

Ihr englisches Militärgefährt hat die Familie komplett selbst ausgebaut, mit Bett, Tisch, Kompost-WC, Kombi-Dieselheizung und Dieselherd.

Toilette

Die (selbstgebaute) Kompost-Toilette, auch Trocken- oder Trenntoilette genannt, ermöglicht autarkes und umweltfreundliches Campen ohne Chemie.

(swissinfo.ch)
Innenraum eines Vans

Die Inneneinrichtung ist komplett selbst gebaut.

(swissinfo.ch)

"In der Schweiz ist das Vanlife schwieriger als in Deutschland oder Frankreich", sagt André. "Es gibt wenige Stellplätze. Und Campingplätze sind unbezahlbar. Das Freistehen in der Natur klappt nur mittelgut." In Deutschland stünden sie häufig eine Nacht im Wald. Das sei in der Schweiz wegen Fahrverboten praktisch unmöglich. Genial findet er hingegen, dass sie in der Schweiz überall problemlos Frischwasser bekommen. In der Schweiz gibt es viele Brunnen, die sich fast ausnahmslos aus Trinkwasser speisen.

Auch Manu Codiga, der Veranstalter des Vanlife-Festivals, lebt mit seiner Lebenspartnerin ganzjährig im Van. Vor drei Jahren zogen sie zunächst in einen Bauwagen, später in einen Van. Dabei tauchten viele Fragen auf, daher suchten sie den Austausch mit Gleichgesinnten. Sie gründeten die Facebook-Gruppe Vanlife Schweizexterner Link. Daraus wuchs eine Community von mehreren hundert Menschen. Sie trafen sich bald auch im realen Leben. Es entstand der Wunsch nach einem grösseren Treffen mit Rahmenprogramm. Das war die Geburtsstunde des Vanlife-Festivals. Etwa 60 Fahrzeuge kamen an das Treffen – mehr als erwartet.

Vans
(swissinfo.ch)

Die Besucher und Besucherinnen sind altersmässig durchmischt. Manche haben ihren Van selber ausgebaut, andere besitzen voll ausgestattete Camper Vans von professionellen Anbietern. "Ein Occasion-Fahrzeug selber auszubauen ist viel günstiger als einen fertigen Camper Van zu kaufen", erläutert Manu. "Und je billiger und gammliger das Gefährt aussieht, desto sicherer ist man unterwegs" fügt er lachend hinzu. Diebesbanden rauben nämlich auf Raststätten mit Vorliebe teure Wohnmobile aus.

Van

Dieses Paar hat den Van selbst ausgebaut und führt einen Blog.

(swissinfo.ch)
Kleiner Bus

Ein Besucher des Festivals geniesst das schöne Wetter. Der gelernte Schreiner plant, seinen VW-Bus demnächst auszubauen und auf Reisen zu gehen.

(swissinfo.ch)

Die meisten Besucher und Besucherinnen haben über Social Media vom Event erfahren. Man kennt sich - zumindest virtuell. Die meisten erhoffen sich vom Anlass Austausch, Ideen und Inspiration. Die Community teilt gerne Wissen miteinander, sei es auf Social Media, in Blogs oder auf Youtube – und eben in Real Life am Festival. Wie baut man eine Kompost-Toilette? Wie spart man Wasser? Wo entsorgt man Abfall?

Am Festival kann man an einem Kurs lernen, wie man aus Pflanzen und Naturmaterialien Seife, Waschmittel und Hygieneprodukte selbst herstellt. Viele dieser Vanlifer sind sehr umweltbewusst und betrachten sich als Minimalisten, die mit wenig Besitz auskommen.

"Die Nachhaltigkeit des Vanlifes ist ein umstrittenes Thema", sagt der Festival-Veranstalter Manu Codiga. "Wenn ich aber unseren Öl- und Stromverbrauch im Gesamten betrachte, ist unser Verbrauch minimal im Vergleich mit einer Wohnung, die man beheizen muss, wo man Warmwasser hat und Unmengen Strom verbraucht."

Manu und seine Lebenspartnerin Sara haben auf ihrem Van eine Solarzelle installiert, sie waschen sich mit einer Aussendusche, verwenden ausschliesslich Naturprodukte, und achten allgemein auf Minimal Wasteexterner Link und plastikarmen Konsum. "Wenn man es bewusst angeht, kann man im Van sehr ökologisch leben", sagt Manu.

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