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Shoa-Fonds: "Gutes geleistet"

Gute Noten für den Fonds-Präsidenten Rolf Bloch (links) von der Schweizer Presse.

(Keystone)

In den letzten fünf Jahren zahlte der Schweizer Holocaust/Shoa-Fonds 292 Mio. Franken aus. Die Schweizer Presse würdigte den Abschluss der humanitären Aktion wohlwollend.

Fonds für Bedürftige

Der Präsident des Fonds, Rolf Bloch, kommentierte die Höhe der Beträge von bis zu 2000 Franken, die oft auch kritisiert wurde: "Es handelt sich bei den Auszahlungen nicht um eine Wiedergutmachung, sondern um eine karitative, symbolische Geste der Schweiz an bedürftige Überlebende des Holocaust."

"Hier wurde, primär in Osteuropa, Gutes geleistet für Leute, die dessen auch bedurften", schrieb der Kommentator der Neuen Zürcher Zeitung. Der Fonds habe "in guter schweizerischer Tradition sehr willkommene Hilfe" geleistet.

Für den Tages-Anzeiger ging es um "eine hehre Geste, die heute nicht mehr möglich wäre". Denn heute frage niemand mehr, ob wirklich alle Firmen, die in der Nazi-Zeit unrühmlich geschäftet hatten, beim Hilfsfonds mitmachten oder die geschuldete Geste anderweitig erbrachten.

In den letzten fünf Jahren zahlte der Holocaust/Shoa-Fonds - nicht zu verwechseln mit dem Fonds der Schweizer Banken - gut 292 Mio. Franken an fast 309'000 Begünstigte aus. Alle haben zwischen 600 und 2000 Franken aus dem Fonds erhalten.

Dank von Opfern

Am Donnerstag hatte der Schweizer Holocaust/Shoa-Fonds in Bern seinen Schlussbericht präsentiert. An den Wänden der noblen "Grande Societé" hingen Dankesschreiben. Und neben dem Podest, auf dem sich die Fonds-Verantwortlichen vor den Medien präsentierten, blickte Anna Ivanovna Stekolnikova aus Moskau, vom Projektor auf die Leinwand projiziert, hinunter.

Die alte Frau, die das Nazi-KZ Ravensbrück überlebt hat, lebt heute in Moskau. Das Geld, die rund tausend Franken des Schweizer Fonds zugunsten bedürftigter Opfer von Holocaust/Shoa, hat Anna ihrem Sohn gegeben. Er ist sehr krank, denn er wurde bei Aufräumarbeiten in Tschernobyl schwer verstrahlt.

Nicht mit Bankenfonds verwechseln

Bloch betonte bei der Presseorientierung, dass es wichtig sei, diesen Fonds unabhängig vom Fonds der Schweizer Banken zu sehen. Bloch: "Nach der Kontroverse um die nachrichtenlosen Vermögen und die Rolle der Schweiz im 2. Weltkrieg wurde die Schweiz auf zwei Ebenen aktiv." Gehandelt habe man einerseits "juristisch/bankenorientiert" - daraus entstand der Bankenfonds der nachrichtenlosen Vermögen.

"Dann ist die Schweiz aber auch historisch und symbolisch aktiv geworden", sagte Bloch. Daraus entstanden ist der "Schweizer Fonds zugunsten bedürftiger Opfer von Holocaust-Shoa". Die rund 300 Mio. Franken, die der Fonds verteilte, stammen von Banken, von der Nationalbank und der Industrie sowie aus privaten Spenden.

Der Bundesrat erhielt die Oberaufsicht und setzte eine Fonds-Leitung unter der Führung von Rolf Bloch ein. Bloch ist ehemaliger Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds.

Zwei Bücher dokumentieren die Arbeit

Der Holocaust/Shoa-Fonds ist demnach eine humanitäre Einrichtung. Die Gelder des Fonds kamen vor allem Personen zugute, welche bedürftig, also arm sind. Ein grosser Teil des Geldes ging an Holocaust-Überlebende in Osteuropa. Einmal, weil dort viele in finanziell angespannten Verhältnissen leben. Und auch weil während der Zeit des Kalten Krieges Wiedergutmachungs-Zahlungen aus Deutschland nicht möglich waren.

Die Solidaritäts-Beiträge der Schweiz sind klein. Aber die zahlreichen Dankesschreiben zeigen, dass sie hochwillkommen waren. Der Fonds hat sehr schnell gearbeitet und Geld ausbezahlt.

Die Suche und Auswahl der "Begünstigten", ihre Portraits, Lebens- und Leidensgeschichten sind in zwei Publikationen des Holocaus/Shoa-Fonds zu finden: Im Schlussbericht und im Buch "Geschichten und Gesichter von Opfern des Holocaust".

Urs Maurer und swissinfo


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