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Sinkende Kaufkraft

Steigende Lebenskosten - weniger Geld fürs Einkaufen.

(Keystone)

Für 2004 wird eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 0,9 Lohnprozenten erwartet. Zuwenig, um die steigenden Ausgaben mit erhöhter Kaufkraft zu decken.

Die obligatorischen Ausgaben und höhere Steuern belasten das Budget der meisten Arbeitnehmenden.

Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Schweiz können im nächsten Jahr laut einer UBS-Umfrage mit durchschnittlich 0,9 Prozent mehr Lohn rechnen. Trotzdem wird die Kaufkraft der Haushalte wegen höheren Steuern und Versicherungsprämien weiter sinken.

"Wenn die für 2004 angenommene Jahresinflation von 0,6 Prozent berücksichtigt wird, bleibt von der nominellen Lohnerhöhung gerade noch 0,3 Prozent. Der dicke Knüppel kommt aber noch: Höhere obligatorische Ausgaben für Kranken- und Pensionskassenprämien werden die Kaufkraft der Haushalte weiter durchlöchern", stellt Yves Flückiger, Wirtschaftsprofessor an der Universität Genf, fest.

Die jüngste Einkommens- und Konsumanalyse des Bundesamtes für Statistik (BFS) bestätigt die Abschwächung der Kaufkraft. Im Jahr 2001 haben die durchschnittlichen, monatlichen Ausgaben der Schweizer Haushalte im Vergleich zum Vorjahr um 3,6 Prozent auf 7912 Franken zugenommen. Parallel dazu legten die Einkommen im Durchschnitt lediglich um 1,2 Prozent auf 8797 Franken zu.

36,6 Prozent für obligatorische Ausgaben

Die administrierten Ausgaben - Versicherungsprämien, Steuern und weitere obligatorische Beiträge - beliefen sich für das gleiche Jahr auf 2899 Franken, was 36,6 Prozent des Einkommens entsprach. Im Jahr 1990 mussten die Haushalte für diesen Posten nur gerade 1923 Franken aufwenden.

Die administrierten Ausgaben haben demnach innerhalb von 11 Jahren um annähernd 50 Prozent zugelegt. Im Vergleich dazu haben die Konsumausgaben, der zweite grosse Posten im Budget eines Privathaushalts, praktisch keine Änderungen erfahren.

Fast nur noch individuelle Lohnerhöhungen

Für Flückiger ist die von der UBS errechnete Lohnerhöhung 2004 ein Mittelwert, der je nach Branche unterschiedlich hoch ausfallen kann. So kämen bei Schätzungen der Lohnentwicklung Bereiche wie Restauration, Bau oder Einzelhandel in der Regel schlecht weg. Die höchsten Lohnabschlüsse werden trotz schwierigem Umfeld in der Telekommunikations- und Informatikbranche erwartet.

Weiter gibt Flückiger zu bedenken, dass in Zeiten schleppender Konjunktur Lohnerhöhungen in den meisten Fällen nur individuell zugestanden werden. Denis Torche, Sekretär bei der Gewerkschaft Travail.Suisse, weist seinerseits auf den ständig tiefer werdenden Graben zwischen den hohen und den tiefen Löhnen hin.

Verfügbare Einkommen deutlich gesunken

Gestützt auf einen Bericht des Staatssekretariats für Wirtschaft (seco) stellt Torche fest, dass das verfügbare Einkommen (nach Abzug der administrierten Ausgaben) der finanziell schwächsten Haushalte zwischen 1990 und 1998 proportional deutlich stärker abgenommen hat, als jenes der besser gestellten Haushalte.

So haben die obligatorischen Ausgaben für die finanziell schwachen Haushalte in dieser Zeitspanne um mehr als 60 Prozent zugenommen, während es bei der zweiten Kategorie zwischen 20 und 30 Prozent gewesen sind. Das verfügbare Einkommen der finanziell schwachen Haushalte hat demnach um annähernd 14 Prozent abgenommen.

Unterschiedliche Rezepte

Im Rahmen der Lohnverhandlungen 2004 hat der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) Lohnerhöhungen von 2 bis 3 Prozent gefordert. Er begründete seine Forderung unter anderem damit, dass eine substanzielle Lohnerhöhung zur Ankurbelung des Privatkonsums unabdingbar sei. Vom Privatkonsum hängen rund 60 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) ab.

Die Arbeitgeber wiesen diese Forderung jedoch als absurd zurück und verwiesen darauf, dass sich die Lohnverhandlungen unterdessen auf Unternehmens- und nicht auf Branchenebene abspielten. Rudolf Walser, Mitglied der Direktion von economiesuisse, schiebt den Schwarzen Peter der Steuerbelastung zu.

Laut Walser ist eine substanzielle Steuersenkung eine Voraussetzung für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit des Werkplatzes Schweiz. Für Flückiger dagegen hängt die Wiederbelegung der Schweizer Wirtschaft vor allem von wieder anziehenden Exporten, sinkenden Arbeitslosenzahlen und weniger von einer staatlichen Konjunktur-Ankurbelungspolitik ab.

Zeitliche Verzögerung

Eine wirtschaftliche Erholung führt aber nicht automatisch zu einer höheren Kaufkraft. Paradoxerweise kann ein Wirtschaftswachstum wegen generell steigenden Lebenshaltungskosten von einem relativen Rückgang des Reichtums der Privathaushalte begleitet sein.

Ein weiteres Phänomen ist die zeitliche Verzögerung, mit der sich das Wirtschaftswachstum auf Reallöhne auswirkt. So hätten die Arbeitnehmer lohnseitig erst im Jahr 2001 von der wirtschaftlichen Erhöhung profitiert, die bereits im Jahr 1998 eingesetzt habe, gibt Flückiger zu bedenken.

swissinfo und Agenturen


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