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Skigebiete: Wettrüsten über der Waldgrenze

Investitionen in Bergbahnen sind meist risikobehaftet - und manchmal auch ökologisch fraglich. (Bild: Televerbier SA)

(Keystone)

Kurorte und Bahnen wollen mit grossen Investitionen in höher gelegene Skigebiete auf Klimawechsel und das veränderte Tourismusverhalten antworten.

Dieses Wettrüsten entrüstet Umweltorganisationen. So fordert Pro Natura mehr Rücksicht auf die Umwelt und zweifelt an der Rentabilität der Projekte.

Umweltorganisationen fordern mehr Rücksicht auf die Natur in den Alpen. Gegenwärtig sollen rund 113 Projekte für Erweiterungen und Ausbauten von Skigebieten laufen. Laut einer am Freitag publizierten Studie von Pro Natura sind dabei Gelder in der Höhe von 3,5 Mrd. Franken involviert.

"Die meisten der Ausbauprojekte sind utopisch", erwidert der Seilbahnen-Sprecher Felix Maurhofer gegenüber swissinfo."Die gegenwärtige Finanzlage schliesst das Gros dieser Projekte ohnehin aus." Bekanntlich ist die Berg- und Seilbahnen-Infrastruktur von einer grossen Überkapazität geprägt.

Die Umweltverbände argumentieren, dass eine Vielzahl dieser Ausbaupläne und inbesondere der Neuerschliessungen ökonomisch keinen Sinn mache, weil die Nachfrage nach touristischen Leistungen seit Jahren stagniere.

Maurhofer weist dagegen auf die Statistiken hin: "2003 hat man sieben Ersatzanlagen gebaut, und nur eine völlig neue Anlage im Lötschental. Diese wird vermutlich eh die letzte neue im Alpengebiet bleiben."

"Schneesicher" oder "investitionsunsicher"

Dem Vorbehalt der stagnierenden Nachfrage halten die Vertreter der Tourismusbranche entgegen, dass man erst investieren müsse, bevor sich die Nachfrage wieder erholen könne. Bekannt ist, dass in den vergangenen Jahren zu wenig investiert werden konnte, weil viele Bergbahnen in Konkurs gingen oder aufgekauft wurden. Auch laut den Umweltschützern befinden sich zwei Drittel der Bergbahnen in finanzieller Schieflage.

Der Klimawandel hat zudem Investitionen unter der Höhe der Waldgrenze als äusserst riskant erscheinen lassen. Und Schweiz Tourismus wirbt nun für den laufenden Winter damit, dass die Schweiz gegenüber ihren Konkurrenzländern die höchste Zahl von Skiorten und Skianlagen in "schneesicheren Höhen" ab 2500 Metern über Meer verfüge. "Die intakte Natur ist für den Tourismus äusserst wichtig. Sie ist der Hauptgrund, weshalb unser Gäste in die Schweiz kommen", sagt Oliver Kerstholt, Sprecher von Schweiz Tourismus, gegenüber swissinfo.

Missstände wie in den Siebzigern

Neben Pro Natura fordern auch WWF Schweiz und die Stiftung Landschaftsschutz mehr Fairplay, da die Ausbauprojekte wichtige Naturschätze gefährdeten. Laut den Umweltorganisationen herrscht gegenwärtig in den Alpen ein Bauboom-Szenario wie in den siebziger Jahren.

Damit eingeschlossen seien ambitiöse Ausbaupläne, zweifelhafte Rentabilität, politischer Druck auf Fachbehörden, massive Landschafteingriffe und illegale Bautätigkeit.

Diese Investitionsvorhaben werden, so die Umweltorganisationen, vielfach von den Gemeinden, Kantonen und Bund noch unterstützt.

Das hat auch seine Gründe. So weist Oliver Kerstholt darauf hin, dass "punktuell in gewissen Regionen Neuinvestitionen Sinn machen, und zwar aus wirtschaftlichen wie ökologischen Gründen, zum Beispiel um die Beschäftigung in den Berggebieten zu erhalten".

Auerhahn kontra Subventionshahnen

So müssten in Flims Laax, der bekannten Bündner "Weissen Arena", sechs Hektaren Wald einer neuen Skipiste weichen. Doch ausgerechnet dort kommt der stark gefährdete Auerhahn noch vor. Im Kanton Glarus wiederum soll das älteste Jagdbanngebiet Europas teilweise in eine Intensivtourismus-Zone umgeteilt werden.

Die Umweltorganisationen fordern deshalb einen konsequenten Schutz der Naturschätze, einen Subventionsstopp für Skigebiete unter 1500 Metern über Meer und das Einstellen der Vergabe von öffentlichen Geldern für Skigebiets-Projekte mit zweifelhaften wirtschaftlichen Erfolgsaussichten.

"Die Anschuldigung der hohen Subventionsvergabe stimmt so nicht", sagt Maurhofer. "Denn das Staatssekretariat für Wirtschaft, das seco, hat schon längst den Subventionshahnen abgedreht. Die Projekte werden viel besser geprüft als früher."

Ausserdem müssten neue Kredite neu auch den Finanzierungsvorgaben von "Basel II" genügen, sagt der Seilbahnen-Sprecher. Im Fall der Bergbahnen heisst das, die Projekte müssen auch im touristischen Umfeld Sinn machen.

swissinfo, Alexander Künzle und Agenturen


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