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Sky Deutschland enttäuscht auf ganzer Linie - Aktie taucht ab (Zus)

Dieser Inhalt wurde am 12. November 2009 - 12:20 publiziert

MÜNCHEN (awp international) - Die höheren Preise für das Bundesliga-Paket haben dem chronisch defizitären Bezahlsender Sky Deutschland (früher Premiere) viele Kunden gekostet. "Wir haben mehr Kunden verloren als wir erwartet hatten", räumte Sky-Deutschland-Chef Mark Williams am Donnerstag in München ein. Im dritten Quartal konnten zwar etwas mehr als 200.000 neue Kunden gewonnen werden - auf der anderen Seite verabschiedeten sich auch viele, so dass unter dem Strich nur 67.000 neue Abonnenten übrig blieben.
Zwischen Juli und September enttäuschte aber nicht nur die Kundenzahl des vom Medienmogul Rupert Murdoch kontrollierten Senders. Der Umsatz sank stärker als erwartet und das Minus fiel noch höher aus als befürchtet. Die im MDax notierte Aktie ging nach den Zahlen auf Tauchstation. Bis zum Mittag verlor das 2005 für 28 Euro an die Börse gebrachte Papier rund sechs Prozent auf 2,91 Euro.
Das nach wie vor schwache Kundenwachstum veranlasste Williams das von Experten als ehrgeizig eingestufte Ziel für das kommende Jahr zu begraben. Er rechnet jetzt bis Ende 2010 nicht mehr mit 3,0 bis 3,4 Millionen Kunden wie bisher rechnet. Vielmehr will er den Sender jetzt bis Ende des kommenden Jahres mit 2,8 bis 3,0 Millionen Kunden profitabel machen. Ende September hatte Sky 2,4 Millionen Kunden. Sein Rezept klingt einfach, ist aber nach Einschätzung einiger Analysten schwer umzusetzen: Die Abonnenten sollen teure Pakete buchen und mehr zahlen. Williams rechnet bereits im laufenden und kommenden Quartal mit einem steigenden monatlichen Umsatz pro Kunde.
MITTELFRISTIGE GEWINNZIELE BESTÄTIGT
Zwischen Januar und März soll jeder Kunde im Schnitt pro Monat 29 Euro bringen. Im dritten Quartal lag der Wert bei knapp 26 Euro und damit rund 2 Euro höher als vor einem Jahr. Mit dieser Strategie soll der Sender trotz der geringeren Kundenzahl weiterhin bis Ende 2010 auf Basis des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) profitabel sein - zumindest auf Monatsbasis. Im laufenden Jahr rechnet der Sender mit einem operativen Verlust von 250 bis 270 Millionen Euro und präzisierte damit die bisherige Aussage. Bislang hatte das Unternehmen lediglich ein deutliches Minus prognostiziert.
Der Umsatz sank im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf 208,5 Millionen Euro. Unter dem Strich fiel ein Verlust von 116,7 Millionen Euro nach minus 89 Millionen Euro im Vorjahresquartal an. Der operative Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen vergrösserte sich von 27 auf 87,9 Millionen Euro. "Das Wachstum ist nicht da, wo wir uns das erhofft hatten", sagte Williams. Ungeachtet der Rückschläge will er im Jahr 2011 unter dem Strich einen Gewinn erzielen.
MURDOCH VERSPRACH ZULETZT GEDULD
Murdoch war im vergangenen Jahr bei Sky, das damals noch Premiere hiess, eingestiegen und hatte das Unternehmen kurz vor Weihnachten 2008 mit einem umfangreichen Rettungspaket vor dem Untergang bewahrt. Zuletzt hielt Murdochs Konzern News Corp knapp 40 Prozent der Sky-Aktien. Viele Experten sehen nach der Umbenennung die letzte Chance für das Unternehmen, sich am deutschen Markt durchzusetzen. Seit der Gründung vor 18 Jahren kam der Abo-Sender trotz Milliardeninvestitionen in die Bundesligarechte und andere Programme nie richtig auf die Beine. Das grösste Problem des Abo-Senders waren von Anfang an die fehlenden Kunden.
James Murdoch, Sohn von Rupert Murdoch und Europa-Statthalter des Medienmoguls, versprach zuletzt, Geduld mit dem Sender zu haben. "Uns war von Anfang an klar, dass das ein harter Brocken wird und dass wir Zeit brauchen, aber wir kriegen das hin", hatte er vor kurzem dem "Spiegel" gesagt. "Wir sind in Deutschland noch ganz am Anfang." Vieles sei hier nie wirklich ausprobiert worden. Sky versucht schon seit längerem, vor allem die Berichterstattung der Konkurrenz über die Fussball-Bundesliga einzuschränken, musste hier aber in der Vergangenheit zumeist Niederlagen einstecken. So darf die ARD-Sportschau zum Beispiel weiter die Spiele der Bundesliga vom Samstagnachmittag vor 20 Uhr zeigen. Dies wollte Sky eigentlich abschaffen, um sein Angebot besser zu verkaufen, scheiterte hier jedoch am Bundeskartellamt./zb/das/tw

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