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Skyguide und russische Piloten verantwortlich

Ein deutscher Experte photographiert Überreste der abgestürzten russischen TU-154.

(Keystone)

Fünf Ursachen sind für das Flugzeugunglück von Überlingen verantwortlich. Das geht aus dem Abschlussbericht der deutschen Bundesstelle für Flugunfall-Untersuchung (BFU) hervor.

Sowohl der Lotse der Schweizer Skyguide als auch die Piloten in der russischen Maschine sollen falsche Entscheidungen getroffen haben.

Der rund 120-seitige Bericht wurde am Mittwoch in Braunschweig veröffentlicht. Die BFU ist nicht zuständig für die Schuldfrage, ihre Berichte dienen aber der Justiz oft als Gutachten.

Im Fall von Überlingen müssen die Gerichte unter anderem über Entschädigungsforderungen entscheiden.

Skyguide reagierte zu spät



Bei dem Unglück am 1. Juli 2002 waren 71 Menschen umgekommen, darunter 54 Kinder und Jugendliche. In elf Kilometer Höhe war eine Tupolew-Passagiermaschine aus der russischen Teilrepublik Baschkirien mit einer Fracht-Boeing des Kurierdienstes DHL kollidiert.

Der BFU-Abschlussbericht bekräftigt frühere Angaben, wonach die Flugsicherung Skyguide die drohende Gefahr nicht rechtzeitig bemerkte. Die Anweisung zum Sinkflug an die Tupolew sei deshalb zu spät erfolgt.

Die Tupolew-Crew folgte der Anweisung zum Sinkflug, wie es weiter heisst. Sie habe sie auch weiter befolgt, als das bordeigene Warnsystem TCAS sie zum Steigflug aufgefordert habe.

Systembedingte Ursachen



Der Bericht nennt auch systembedingte Ursachen des Unfalls. So sei die Integration des bordeigenen Warnsystems unzureichend gewesen.

Das von der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) veröffentlichte Regelwerk und weitere Anweisungen zum Warnsystem seien "nicht einheitlich, lückenhaft und teilweise in sich widersprüchlich" gewesen.

Harte Kritik muss auch Skyguide einstecken. Die Schweizer Flugsicherung habe seit Jahren geduldet, dass zu verkehrsarmen Zeiten in der Nacht nur ein Lotse arbeitete, während sich der ebenfalls zur Schicht gehörende zweite Lotse Pause machte.

Skyguide bestürzt



Skyguide beherzigt nach eigenen Angaben die BFU-Sicherheitsempfehlungen. In einer Stellungnahme vom Mittwoch zeigte sich das Unternehmen bestürzt, dass ihr Sicherheitssystem, mit dem sie täglich den äusserst komplexen Luftverkehr im Zentrum von Europa leite, in der Unfallnacht versagt habe.

Skyguide übernehme deshalb alles, um die Fehler zu beheben "und auch in der Öffentlichkeit wieder einen erstklassigen Sicherheitsruf zu erlangen".

swissinfo und Agenturen

Fakten

Am 1. Juli 2002 stiessen eine russische Tupolew-Maschine und eine Boeing 757 der Firma DHL auf der deutschen Seite des Bodensees zusammen.
71 Menschen kamen ums Leben, darunter 54 Kinder und Jugendliche.
Die Flugsicherung lag bei der Skyguide.

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In Kürze

Die Schweizer Flugsicherung Skyguide ist über den Bericht der Bundesstelle für Flugunfall-Untersuchung (BFU) zu ihrer Rolle bei der Flugzeug-Katastrophe in Überlingen betroffen.

"Skyguide ist bestürzt, dass ihr Sicherheitssystem, mit dem sie täglich den äusserst komplexen Luftverkehr im Zentrum von Europa leitet, in der Unfallnacht versagt hat", erklärte das Unternehmen am Mittwoch in Genf.

Im Namen der Flugsicherung sprach Skyguide-Chef Alain Rossier Verwandten, Freunden und Bekannten der 71 Menschen, die bei diesem Unglück getötet wurden, erneut sein Beileid aus und bat sie um Entschuldigung für die begangenen Fehler.

"Skyguide übernimmt ihre Verantwortung", erklärte Rossier.

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