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SNB: Deutliches Zinssignal

Der starke Schweizer Franken belastet die Konjunkturerholung. Daher hat die SNB nun die Zinsen gesenkt.

(Keystone Archive)

Die Schweizer Nationalbank (SNB) senkt wegen des starken Frankens den Zins um 0,5%. Sonst sei die Konjunktur-Erholung gefährdet.

Die Nationalbank reagierte am Donnerstag überraschend, nachdem Euro und Dollar gegenüber dem Franken wichtige psychologische Marken nach unten durchbrochen hatten. Sie senkte das Zielband für den Dreimonate-Libor mit sofortiger Wirkung um 0,5 Prozentpunkte auf 0,75 bis 1,75%.

Wie erwartet keinen Zinswechsel gab es hingegen bei der Europäischen Zentralbank (EBZ). Sie liess ihre Zinsen unverändert. Der wichtigste Leitzins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbank-Geld bleibt damit bei 3,25%.

Verschärfte Rahmenbedingungen für Wirtschaft

Die Schweizer Nationalbank hat mit der Reduktion vom Donnerstag den Leitzins nun innerhalb von 14 Monaten innert fünf Mal um mehr als die Hälfte reduziert.

Die Schweizer Nationalbank begründete ihren Schritt mit der jüngsten Frankenstärke. Diese habe zu einer unerwünschten Verschärfung der monetären Rahmenbedingungen in der Schweiz geführt und damit die Konjunktur-Erholung gefährdet.

Dagegen blieben die Aussichten für die Preis-Stabilität weiterhin günstig. Der Anstieg des Landesindexes der Konsumentenpreise im April sei vor allem auf Sonderfaktoren zurückzuführen.

Politische und wirtschaftliche Unsicherheiten

Für die jüngste Erstarkung des Frankens seien vor allem wirtschaftliche und politische Unsicherheiten verantwortlich. Es sei kaum abzuschätzen, ob diese Unsicherheiten längere Zeit anhalten würden. Die SNB verfolge die Entwicklung aufmerksam und werde ihren geldpolitischen Handlungs-Spielraum wenn nötig ausnützen.

Der Kurs des Euro war zum Monatswechsel erstmals seit vier Wochen wieder unter die Marke von 1,46 Franken gesunken, und der Dollar hatte erstmals seit sieben Monate vorübergehend den Kurs von 1,60 Franken unterschritten. Exportwirtschaft und der Tourismus sowie die Gewerkschaften hatten sich den letzten Monaten zunehmend über den starken Franken beklagt.

Bei ihrer letzten geldpolitischen Lagebeurteilung am 21. März hatte die SNB den Leitzins dennoch unverändert gelassen.

Marktbeobachter: "Sicherer Hafen Schweiz"

Marktbeobachter hatten den Franken-Anstieg angesichts des Nahost-Konflikts unter anderem mit der Funktion der Schweiz als "sicherer Hafen" erklärt. Auch SNB-Sprecher Roland Baumann verwies am Donnerstag nicht nur auf den verzögerten Aufschwung in der Euro-Zone sondern auch auf die Lage im Nahen Osten.

Eine neue Schätzung über das Wirtschafts-Wachstum machte die Nationalbank nicht. Roland Baumann rief aber in Erinnerung, dass die SNB mit einem erwarteten Anstieg des Brutto-Inlandprodukts (BIP) von rund einem Prozent in diesem Jahr sowieso pessimistischer gewesen sei als die meisten Prognosen.

Wirtschaft und Gewerkschaft zufrieden

Bgrüsst wurde der Zinsschritt der SNB vom Wirtschafts-Dachverband economiesuisse und auch von der Schweizer Maschinen-Industrie. Beide hatten seit Monaten gefordert, die Nationalbank müsse ihre Politik verstärkt auf ein ausgeglicherenes Verhältnis zwischen dem Franken und dem Euro ausrichten.

Positiv auf die Zinssenkung reagierte auch der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB). Die SNB habe damit ihre Entschiedenheit demonstriert, den Euro nicht unter 1,46 Franken sinken zu lassen. Diese Grenze müsse die SNB entschieden verteidigen, sagte SGB-Sekretär Serge Gaillard.

Zweifel an Auswirkungen

Banken-Ökonomen bezweifelten am Donnerstag, dass der Zinsschritt der SNB zu einer nachhaltigen Schwächung des Frankens führen wird. Wenn der Aufwertungs-Druck auf politischen Gründen basiere, lasse er sich durch die Zinssenkung nicht beiseite schaffen, erklärten Ökonomen der Grossbanken UBS und CS.

Andreas Höfert, Leiter Marktanalyse bei UBS Wartburg, befürchtet, dass die Flucht in den Franken wegen politischer Entwicklungen noch zunehmen könnte. Sollte die Zinssenkung vom Donnerstag an den Finanzmärkten als Panikreaktion wahrgenommen werden, würde die Gluabwürdigkeit der SNB geschwächt, sagte er.

Reaktionen am Devisenmarkt

Der Wechselkurs des Schweizer Frankens reagierte auf die Zinssenkung vorerst nur wenig. Gegenüber dem Euro notierte der Franken um die Mittagszeit mit 1,4571 Franken leicht über dem Wert vor der Ankündigung. Der Dollar legte am frühen Nachmittag auf 1,6136 Franken zu.

swissinfo und Agenturen


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