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So haben Auslandschweizer die Wahlen erlebt

(swissinfo.ch)

Auch im Ausland wurden die Eidgenössischen Parlamentswahlen mit Interesse verfolgt. Viele Auslandschweizer-Klubs kamen am Sonntag zusammen um sich gemeinsam über die Wahlen zu informieren.

So auch in Argentinien, Brasilien und Deutschland, von wo Auslandschweizer berichten, wie sie die Wahlen erlebt und beobachtet haben.

"Wir haben am Abend des Wahltags ein Fondue-Essen organisiert", sagt Vreni Fenske, Vizepräsidentin der Auslandschweizer-Organisation Deutschland.

Leider hätten sie im gemieteten Raum in Nürnberg keinen Internet-Anschluss gehabt. Doch eine Lösung war schnell gefunden: "Jemand aus der Schweiz hat uns punkt sieben Uhr angerufen, als die ersten Hochrechungen da waren. Die haben wir dann verlesen."

Das Resultat der Wahlen allerdings, der grosse Sieg der Schweizerischen Volkspartei (SVP), sei beim Treffen der Auslandschweizer auf Enttäuschung gestossen.

"Denn die meisten bei uns haben eine europafreundliche Einstellung; wir wohnen ja in Europa", sagt Fenske. "Deshalb hat die SVP bei uns weniger Zustimmung."

Kaum wahrgenommen

Enttäuschend für Fenske war auch die Wahrnehmung der Schweiz im Ausland. "Die Schweiz findet im Ausland kaum statt", betont sie.

"Wir haben rund um die Wahlen wenig und nur gering fundierte Berichte in Zeitungen oder im Fernsehen gehabt. Und wenn, dann nur über Herrn Blocher und die Krawalle vor dem Bundeshaus."

Von Problemen mit den Wahlunterlagen, wie sie aus anderen Ländern bekannt wurden, hat Fenske in Deutschland nichts gehört. "Aber wenn ich an Auslandschweizer denke, die viel weiter weg wohnen, wo die Post nicht so gut funktioniert wie bei uns, wäre E-Voting schon eine wesentliche Erleichterung."

Treue Wähler

Einer, der weit weg von der Schweiz lebt, ist Heinz Rostock. Der 74-jährige Auslandschweizer wohnt seit 40 Jahren in der Nähe der brasilianischen Grossstadt Rio de Janeiro.

"Ich habe an allen Wahlen und Abstimmungen teilgenommen, seit dies aus dem Ausland möglich ist", sagt er.

Von allen Parlamentswahlen in der Schweiz, die er bereits verfolgt hat, seien diese die "heissesten" der letzten Jahre gewesen, erklärt der Rentner.

"Dies ist das Ende der seit 50 Jahren bestehenden Konkordanz. Die Debatten in Bern werden viel härter geführt, als wir uns das gewohnt sind." Auch Rostock ist nicht besonders glücklich über die starke SVP, freut sich aber über die Sitzgewinne der Grünen und ihren ersten Ständerat im Kanton Genf.

Den Sieg der SVP erwartet hat André Stuker, auch er aus Rio. "Die SVP hat die beste Präsenz in den Medien und macht das beste Marketing."

Der Sozialdemokratischen Partei (SP), die bei den Wahlen mehrere Sitze eingebüsst hat, hätten die Ideen gefehlt, ist der 42-Jährige überzeugt. "Davon und vom Film des früheren US-Vizepräsidenten Al Gore konnten die Grünen profitieren."

Fünfte Schweiz

Die Fünfte Schweiz bezeichnet die Gesamtheit der Schweizer Gemeinden im Ausland. Der Begriff Fünfte Schweiz nimmt Bezug auf die vier ...

Lahme Post

Auch Hans-Rudolph Würgler, Auslandschweizer des Jahres 2004 aus Argentinien, hat die Wahlen genau beobachtet.

"Ich nehme immer teil, denn mir ist es wichtig, die Bindung zu meiner zweiten Heimat zu behalten."

Der SVP-Wahlsieg hat ihn nicht erstaunt. "Ihre aggressiven Kampagnen machen mir Sorgen. Ich frage mich, ob ihre Vorschläge und wie sie diese einbringen das Beste für die Schweiz sind."

Würgler holt sich seine Informationen zu den Vorgängen im Land über die Schweizer Presse, swissinfo, die Schweizer Revue und den Sender TV5. Ein Problem sieht er im Wahlverfahren per Post. "Ich denke, E-Voting würde vieles erleichtern."

Gian-Paolo Minelli, Fotograf aus dem Tessin und seit 1999 in Buenos Aires, bestätigt, dass die argentinische Post unzuverlässig ist. "Viel besser wäre es, wenn die Botschaft die Stimmzettel sammeln - wie es das italienische Konsulat macht - und sie per diplomatischer Post in die Schweiz senden würde."

Ein Beispiel für das Versagen der Post liefert Raúl Vögeli. "Vor fünf Tagen habe ich die Wahlunterlagen erhalten", sagt der 57-Jährige. "Und darüber hinaus war das Couvert, in welchem ich den Wahlzettel zurückschicken sollte, total zerstört."

swissinfo, Christian Raaflaub, Norma Domínguez (Buenos Aires) und Maurício Thuswohl (Rio de Janeiro)

ASO

Die Auslandschweizer-Organisation (ASO) vertritt in der Schweiz die Interessen der rund 650'000 Auslandschweizerinnen und -schweizer. Sie ...

Wähler 5. Schweiz

Ende 2006 lebten 645'000 Schweizerinnen und Schweizer im Ausland. Pro Jahr werden es rund 10'000 Personen mehr.

Fast zwei Drittel von ihnen leben in der Europäischen Union. Die meisten in Frankreich (171'732), Deutschland (72'384) und Italien (47'012).

Im Rest der Welt lebten 2005 mehr als 163'000 in Amerika, die Mehrheit von ihnen in den USA, Kanada, Argentinien und Brasilien.

18'000 lebten in Afrika, davon 8000 in Südafrika.

In Asien befanden sich rund 30'000 Auslandschweizer und in Australien und Ozeanien rund 27'000.

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Kandidaten 5. Schweiz

Insgesamt nahmen 44 Auslandschweizerinnen und -schweizer an den Parlamentswahlen teil (7 Frauen, 37 Männer).
SVP: 33
FDP: 6
CVP: 3
EDU: 1
Grüne: 1
Die meisten (31 Personen) kandidierten im Kanton Zürich.
Die anderen in den Kantonen Bern, Freiburg, Genf, Waadt, Schaffhausen und Wallis.
Vor vier Jahren hatten insgesamt 15 Expats kandidiert.

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Resultate 5. Schweiz

Resultate aus Genf, Luzern und Waadt, wo die Stimmen der Auslandschweizer separat ausgezählt werden:

Im Kanton Luzern wählten 19,4% der Auslandschweizer SVP, im Kanton insgesamt 25,3%.
CVP und FDP verzeichnen starke Verluste.

In Genf bekam die SVP mehr Stimmen aus dem Ausland als vor 4, 8 und 12 Jahren, aber weniger als im Inland. Die Grünen haben Aufschwung. SVP International kam bei den Auslandschweizern auf 2,19% der Stimmen, im Inland 1,25%.

Auch in Waadt holte die SVP mehr Stimmen als bei früheren Wahlen. Die Freisinnigen verlieren Stimmen.

Die Stimmbeteiligung der registrierten Auslandschweizer lag in diesen drei Kantonen tiefer als in den letzten drei Legislaturperioden: Genf: 34,63%, (total 47,46), Luzern: 39%, (53 ingesamt).

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