Die Schweiz auf TikTok in 19 kurzen Video-Clips

swissinfo.ch

Die chinesische App TikTok erfreut sich auch in der Schweiz grosser Beliebtheit. In den Kurz-Clips werden Schweizer Klischees bedient und auf die Schippe genommen – und sie bieten die Möglichkeit, der hiesigen Jugend über die Schultern zu schauen.

swissinfo.ch

Sie kennen TikTok nicht? Zwei Hauptfaktoren machen den Erfolg dieser Social Media App aus:

  1. Mit etwas Übung lassen sich innerhalb der App ganz einfach effektvolle, verspielte und witzige Kurz-Video-Clips produzieren.
  2. Im Gegensatz zu allen anderen Social Media Plattformen gibt es einen Feed, in dem Inhalte zu sehen sind, ohne dass jemandem gefolgt werden muss.

Insbesondere in Zweiterem steckt grosses Suchtpotenzial. Gezeigt wird, was gefällt. Sprich: Diejenigen Clips, die von der Nutzerin oder vom Nutzer geliked, diskutiert und lange angeschaut werden, tauchen auch in deren oder dessen Stream wieder auf.

Diesem Sog bin auch ich erlegen, weshalb ich in meiner Freizeit im Moment viel Zeit auf TikTok verbringe. Welche Erfahrungen habe ich gemacht? Und wie erlebe ich die Beiträge von Schweizer Nutzerinnen und Nutzern?

Wer in der Sharing-Ökonomie etwas umsonst nutzt, sollte inzwischen wissen, dass die Nutzung nicht gratis ist. Deshalb bin ich mir bewusst, dass bei Social Media Plattformen meine Gegenleistungen aus Daten und Aufmerksamkeit bestehen. Beides dient den Plattformen zur Monetarisierung durch zielgerichtete Werbung.

Je länger ich in den Feeds bin, umso mehr Daten fallen an und umso öfter kann auf mich zugeschnittene Werbung ausgespielt werden. Das Losungswort lautet: Ausschaltvermeidung.

Aktuell hat TikTok dieses Momentum auf seiner Seite. Denn ich bin bei weitem nicht der einzige, der dem unterhaltsamen Feed verfallen ist. Im November 2019 hatte TikTok weltweit erstmals eine Milliarde monatlich aktive Nutzerinnen und Nutzer.

Was mir bei der Arbeit bei SWI swissinfo.ch aufgefallen ist: Die Berichterstattung über bestimmte Eigenschaften oder Eigenheiten führen zur Identitätsbildung innerhalb bestimmter Grenzen, betonen jedoch gleichzeitig das Trennende derselben.

Das Spiel mit diesen Grenzen – vom eigenen Körper bis zu denjenigen eines Staats oder gar Kontinents – ist auf TikTok zentral. Gemeinsamkeiten entstehen dabei vor allem über universelle Witze oder Anekdoten und über Musik. Und wenn Klischees dargestellt werden, dann kippen sie oft auch in Satire.

Weil ich ansatzweise weiss, wie der TikTok-Algorithmus funktioniert, war es für mich ein Einfaches, in meinem Feed vornehmlich Clips von Schweizer TikTokerinnen und TikTokern vorgeschlagen zu bekommen. Denn, nachdem ich die Streams mit den Hashtags #schweiz in verschiedenen Sprachen durchgescrollt hatte, wusste TikTok, dass mich im Moment diese Clips am meisten interessieren.

Hier folgt nun meine subjektive Auswahl von oft sehr klischierten und witzigen TikTok-Clips aus der Schweiz:

1. Alle Schweizerinnen und Schweizer können Jodeln!

End of insertion

Das stimmt natürlich nicht. Und bei der Volksmusik, die in solchen Clips gespielt wird, ist oft nicht klar, ob sie wirklich aus der Schweiz oder einem deutschsprachigen Nachbarland stammt.

2. Alle Schweizerinnen und Schweizer sagen "Äxgüsi!"

End of insertion

Das Spielen mit der Sprache ist auf TikTok sehr beliebt. Als Grundsprache dient oft Englisch. Den Klang der Schweizerdeutschen Dialekte finden viele Nutzerinnen und Nutzer sehr lustig. Der Ausdruck "Axgüsi!", der mit "Entschuldigen Sie bitte" übersetzt werden kann, wird nicht in allen Landesteilen und oft nur noch von älteren Menschen benutzt.


3. Alle Schweizerinnen und Schweizer essen "Weggli mit Schoggistängeli" und trinken das saubere Wasser direkt aus dem See!

End of insertion

Die Kombination aus dem Weissmehlgebäck "Weggli" und dem Riegel-ähnlichen "Schoggistängeli" schmeckt vorzüglich. Aber es empfiehlt sich nicht, Wasser direkt aus dem See zu trinken, auch wenn das Wasser in den Schweizer Gewässern sehr sauber ist und in Gebäuden und aus öffentlichen Brunnen bedenkenlos getrunken werden kann. 


4. Alle Schweizerinnen und Schweizer wünschen sich beim Sport "Hals- und Beinbruch!"

End of insertion

Bitte ahmen Sie die nachfolgenden Action-Szenen nicht nach!

5. Alle Schweizerinnen und Schweizer sagen nicht einfach nur "Hallo!"

End of insertion

Das Grüssen in der Schweiz ist schwierig. Es könnte aber auch komplizierter sein. Und natürlich gelten nicht überall dieselben Grussregeln. Beispielsweise hat aktuell in urbanen Zentren das Umarmen die Luft-Küsschen ersetzt.


6. Alle Schweizerinnen und Schweizer mögen die Polizei

End of insertion

Zumindest dann, wenn die sehr beliebte und bis jetzt einzige Schweizer "TikTok-Polizistin" aus der Stadt Winterthur Tiere befreit.


7. Alle Schweizerinnen und Schweizer mögen die Landschaft und die Klischees und die Landschaft.

End of insertion

Das war kein Schreibfehler. Auch Schweizerinnen und Schweizer mögen die Landschaft. Sehr sogar! Manchmal auch dann, wenn es regnet. Sie mögen auch Schokolade, Käse und Uhren. Aber nicht alle mögen alles. Aber auf TikTok gibt es ganz viel davon. Vor allem von Touristinnen und Touristen. Ich beschränke meine Auswahl auf zwei Clips.

8. Alle Schweizerinnen und Schweizer gehen in luxuriöse Schulhäuser!

End of insertion

Das stimmt natürlich auch nicht. Aber beklagen können sich die meisten Schweizer Schülerinnen und Schüler nicht. Mit dem rasanten Bevölkerungszuwachs in den letzten Jahren wurden viele neue Schulhäuser gebaut.


Daten und China
Jede Social Media Plattform, die eine kritische Grösse erreicht hat, wird für die Manipulation der öffentlichen Meinung attraktiv. Über deren Einfluss wird zwar gestritten, trotzdem sollte es dafür ein breites Bewusstsein geben.

So wie US-amerikanische Plattformen das Web nach westlichen Standards "kolonialisieren", liegt es auf der Hand, dass bei TikTok der chinesische Staat Einfluss nehmen möchte.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen