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Solidarität der Zuger

8 Personen kamen in Nanterre ums Leben, 19 wurden teils schwer verletzt. Keystone Archive

Mit einer Schweigeminute hat der Zuger Kantonsrat am Donnerstag der Opfer des Amoklaufs im Pariser Vorort Nanterre gedacht. Das Blutbad rief in Zug eigene Erinnerungen wach.

Dieser Inhalt wurde am 28. März 2002 - 14:53 publiziert

Exakt 6 Monate nach dem Blutbad im Kantonsrats von Zug erlebte der Pariser Vorort Nanterre in der Nacht zum Mittwoch einen ähnlichen Amoklauf.

Der 33-jährige Täter von Nanterre hat sich am Donnerstag während des Verhörs durch einen Sprung aus dem Fenster des Gerichtsgebäudes das Leben genommen, wie die französische Polizei mitteilte. Zuvor hatte er seine Bluttat mit 8 Toten und 19 Verletzten gestanden.

Solidarität und Anteilnahme aus Zug

Das Zuger Parlament eröffnete seine Donnerstags-Sitzung mit einer Schweigeminute. "Wir wissen nur zu gut, was dieser Anschlag für die Betroffenen bedeutet", sagte Kantonsrats-Präsident Christoph Straub zu Beginn der Sitzung.

Man habe aber auch erfahren, wie gut es tue, in dieser Situation Solidarität und Anteilnahme zu erfahren. Straub sprach den Betroffenen in diesem Sinne sein Beileid aus und wünschte ihnen Mut und Zuversicht.

Der Anschlag in Nanterre rief im Parlament die Erinnerung an das Attentat vom 27. September 2001 wach. Der 57-jährige Friedrich Leibacher hatte damals 14 Mitglieder des Kantonsrates und des Regierungsrates erschossen, zahlreiche weitere Personen verletzt und sich dann selbst gerichtet.

Wiederholungseffekt?

Martin Killias, Professor für Kriminologie und Strafrecht an der Universität Lausanne, sieht Parallelen zwischen den Amoktaten von Nanterre und Zug. Beide Täter hätten offenbar ähnliche Vorgeschichten, sagte er gegenüber dem "Tages-Anzeiger".

"Beide waren psychisch auffällig, vorgängig bereits gewalttätig und hatten Vorkenntnisse mit Waffen", sagte Killias in dem am Donnerstag erschienenen Interview. In beiden Fällen habe man dies bagatellisiert und sich nicht weiter darum gekümmert.

Man wisse zwar nicht, ob der Täter in Nanterre Kenntnis vom Zuger Blutbad gehabt habe, müsse aber davon ausgehen. Killias: "Ich nehme an, dass Personen, die mit Waffen zu tun haben, in jedem Fall davon wussten. Solch abartige Taten haben immer einen Wiederholungseffekt."

Rückkehrende

Der neuste Anschlag in einem Parlament warf seine Schatten damit auch auf die Freude im Zuger Kantonsrat über die erstmalige Präsenz zweier nach der Schiesserei schwer Verletzter Mitglieder. Die teilweise gelähmte Kantonsrats-Vizepräsidentin Anne Ithen und Kantonsrat Michel Ebinger nahmen erstmals wieder an einer Sitzung teil.

Sie freue sich sehr, nach schweren Verletzungen und einer grossen Krise wieder in den Kantonrat zurückkehren zu können, sagte die Vizepräsidentin in einem Votum. "Sie sehen eine veränderte, aber in ihren wesentlichen Grundzügen unveränderte Anne Ithen vor ihnen."

swissinfo und Agenturen

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