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Sponsoren für den Papst

Arbeiter beim Einrichten der Bühne für den Papst.

(Keystone)

Der Besuch des Papstes ist für viele Schweizer Katholiken ein grosses Ereignis. Im Vordergrund stehen Spiritualität und Andacht, im Hintergrund Zahlen mit einigen Nullen.

2,5 Mio. Franken kostet der Abstecher - eine Übersicht über das Budget der Berner Papstvisite.

Der Papst zu Besuch in Bern – eine ehrgeizige Initiative, welche die Katholische Jugend der Schweiz ergriffen hat. 2,5 Mio. Franken beträgt das Budget. Freundliche und tatkräftige Unterstützung zur Deckung der Kosten stammt unter anderem von der Schweizer Bischofskonferenz (SBK).

Öffentliche Gelder sind beim Paptsbesuch tabu: Einzig die Kosten für die Sicherheit werden von Stadt und Kanton Bern übernommen.

Den grössten Teil der Kosten für den Papstbesuch wird also die katholische Kirche selber berappen müssen. Dazu kommen Beiträge von Sponsoren.

Willkommen zur Show

Nicht weniger als 100 Tonnen wiegt das Material, welches für die Bühne von 54 Metern Länge und einer Fläche von 800 Quadratmetern nötig ist. Geschützt wird die Plattform von einem 18 Meter hohen Dach.

Von solchen Dimensionen können viele Stars aus dem Rock-Business nur träumen. Nur die Rolling Stones hatten auf ihrer letzten Tournee mehr zu bieten: Ihre Bühne war 60 Meter breit und 25 Meter tief.

Allein für die Bühnen-Infrastruktur veranschlagen die Organisatoren des Papstbesuchs 600'000 Franken. Dazu kommen 500'000 Franken für Vorbereitung und Wieder-Instandstellung des Rasens auf der Berner Allmend. Dort, auf der grossen Grünfläche, wird am Sonntag Morgen die Messe zelebriert.

BEA-Hallen als Schlafsäle

Weitere organisatorische Knacknuss: Genügend Schlafplätze für die 10'000 katholischen Jugendlichen zu finden, die am Samstagabend zum Papst-Treffen in der Eishalle BernArena erwartet werden. Sie werden in den benachbarten Hallen des Berner Ausstellungs-Geländes BEA untergebracht, was weitere Kosten von 350'000 Franken mit sich bringt.

Bei der Bischofskonferenz scheint das noch nicht ganz gedeckte Budget keine Bauchschmerzen zu verursachen. "Ich habe noch nie erlebt, dass das Budget für solch einen Grossanlass zum vornherein gedeckt ist", sagt SBK-Sprecher Marc Aellen, der auch Kommunikationschef des Anlasses ist.

Allenfalls "After-hour"-Kollekte

Die Gelder fliessen aus mehreren Quellen: Beiträge stammen von der römisch-katholischen Kirche und verschiedenen Stiftungen. Weitere Einnahmen sind Kollekten und vor allem die Einschreibegebühr der Jugendlichen: Das "Ticket" für das Jugendtreffen am Samstagabend kostet 50 Franken.

Wer aber trägt ein allfälliges Defizit? In einem solchen Fall werden die Organisatoren an die religiösen Kongregationen appellieren und eine zusätzliche Kollekte anregen.

"Es gibt zwar eine Defizitgarantie von der Bischofskonferenz, aber wir suchen weiter nach Sponsoren", erklärt Angela Kreis, Verantwortliche für die Suche nach Geldgebern.

Sponsoren und Wohltäter

Der Papst gesponsert wie ein Rock- oder ein Fussballstar? Ja, aber mit Mass, fanden die Organisatoren. Sie begrenzten den Anteil der Sponsoren auf 410'000 Franken. Davon sind bisher aber erst rund 250'000 Franken gesichert.

"Ich habe über 200 Firmen in der Schweiz kontaktiert", so Kreis. "Religiöse und politische Anlässe werden im Allgemeinen nicht von Sponsoring unterstützt. Darüber entscheiden die Firmenleitungen."

Textilfirma und Chemiemulti

Die Marke Switcher, die für die katholischen Jugendlichen T-Shirts mit dem Aufdruck "Steh auf! " liefert, hat damit keine Probleme. "Ich sehe das als christliche Versammlung, die allen Konfessionen offen steht. Damit nehmen wir politisch nicht Stellung ", hatte kürzlich Switcher-Chef Robin Cornelius erklärt.

Neben dem Texil-Unternehmen sind weitere Firmen involviert. So hat Nestlé mehr als 50'000 Franken beigesteuert, um in der Kategorie der "Goldsponsoren" zu figurieren.

"Silbersponsoren" (Beiträge von 20'000 bis 50'000 Franken) sind Switcher, BEA und Bio-Familia. Coca-Cola Schweiz und Global System AG gehören in die Kategorie der "Projektsponsoren".

Im Übrigen gibt es auch "Wohltäter": Firmen, welche eine Spende entrichten, aber nicht als Sponsoren genannt werden wollen. Dazu gehören die Berner Kantonalbank, der Chemiegigant Novartis, die Mobiliar-Versicherung und die Schweizer Milchproduzenten.

Eine Frage der Ethik

Finanzielle Unterstützung ist aber nicht aus allen Quellen willkommen. Die Initianten haben sich entsprechende Sponsoring-Richtlinien auferlegt: Genehm sind nur diejenigen Firmen oder Institutionen, "welche nach ethischen Prinzipien arbeiten, für die Ethik kein leeres Wort ist", lautet einer der Grundsätze.

Dabei scheint der Begriff der Ethik angesichts der beteiligter Multis allerdings als weit gefasst. Wie steht es beispielsweise mit Coca-Cola? "Das ist eine schweizerische, in der Schweiz niedergelassene Firma. Sie produziert zwar ein amerikanisches Produkt, aber sie arbeitet nach Schweizer Richtlinien. Deshalb haben wir überhaupt kein Problem, mit Coca-Cola Schweiz zusammenzuarbeiten", führt Kreis aus.

swissinfo, Bernard Léchot
(Übersetzung aus dem Französischen: Charlotte Egger)

Fakten

Das Gesamtbudget des Papstbesuchs beträgt 2,5 Mio. Franken.
Der grösste Anteil ist Sache der katholischen Kirche.
Beiträge stammen zudem von Sponsoren aus der Wirtschaft.

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