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Sportjahr 08: Jahrhundertanlass, Jahrhundertpleite

So heiss war Stanislas Wawrinka in Peking: Roger Federer wärmt sich am Gold-Partner die Hände.

(Reuters)

Roger Federer, Stanislas Wawrinka und Fabian Cancellara verleihen dem Schweizer Sportjahr 2008 goldenen Glanz. Für die Pleiten war die Fussball-Nati besorgt: Mit dem frühen Aus an der Euro und der Niederlage gegen Luxemburg.

Das erste Highlight des Jahres setzte Viktor Röthlin: Der Langstreckenläufer gewann im Februar den Tokio-Marathon in der Weltklassezeit von 2.07,23.

Damit ist er der zweitschnellste Europäer aller Zeiten über die 42,195 Kilometer.

Der Höhepunkt des Jahres folgte im Juni: Die Fussball-Europameisterschaften in der Schweiz und in Österreich.

Doch was zum Karrierehöhepunkt für die Nati-Spieler und Trainer Köbi Kuhn hätte werden sollen, geriet zum grossen Flop: Nach Niederlagen gegen Tschechien und die Türkei war das Turnier für die Heimmannschaft nach 180 Minuten bereits gelaufen.

So waren es denn auch die Fans aus dem Ausland, die in den vier Schweizer Austragungsstädten eine ausgelassene und friedliche Dauerparty feierten.

Vor allem die Oranjes aus den Niederlanden, die zu Zehntausenden durch Bern zogen, bleiben im kollektiven Gedächtnis der Bundesstadt lange haften.

Die Blamage von Zürich

Neuer Trainer, alte Schwächen: So liess sich nach der Sommerpause der Start in die Qualifikation für die Fussball-WM 2010 charakterisieren. Kuhn-Nachfolger Ottmar Hitzfeld weckte enorme Hoffnungen.

Doch auch der deutsche Star-Trainer konnte keine sofortigen Wunder bewirken. Gegen Israel verspielte die Schweiz einen 2:0-Vorsprung sträflich, bevor es gegen Fussballzwerg Luxemburg die Pleite des Jahrhunderts absetzte: 1:2-Niederlage in Zürich.

Spott und Hohn senkte sich über die hochbezahlten Nati-Spieler. Aber Hitzfeld wäre nicht Hitzfeld, hätte er nicht mit aller (Überzeugungs-)Kraft die Wende herbeigeführt.

Mit dem 2:1 gegen Lettland kehrten Barnetta, Inler & Co. auf die Siegerstrasse zurück, bevor sie gegen Griechenland den grossen Coup landeten: Mit dem 2:1-Auswärtssieg ist die Schweiz zurück im Rennen um ein Ticket für die WM am Kap.

Cancellara unwiderstehlich

Die Euro 2008 wurde im August vom grössten Sportanlass der Welt getoppt, den Olympischen Sommerspielen in Peking. Und die Schweizer Sportler schnitten im Reich der Mitte besser ab als die Fussball-Kollegen zuvor im eigenen Land.

Neben der "Lokomotive" Cancellara gab es auch Gold für Roger Federer und Stanislas Wawrinka im Tennis-Doppel. Zeitfahr-Spezialistin Karin Thürig, Mountainbiker Nino Schurter und Judoka Sergei Aschwanden holten je Bronze.

Tennis-Champion Federer entschädigte sich mit dem Olympiasieg für eine Saison, in der er erstmals in seiner glanzvollen Karriere bittere Momente durchmachen musste.

Die schlimmsten zwei Niederlagen erlitt der Basler gegen Rafael Nadal in den Grand-Slam-Finals von Paris und Wimbledon. Auch dank dieser Erfolge verdrängte der Spanier Federer nach 237 Wochen von der Spitze der Weltrangliste.

Mit seinem Sieg am US Open im September zeigte Federer allen Zweiflern dann allerdings, dass er sein Wundertennis nach wie vor nicht verlernt hat.

Sein Gold-Partner Wawrinka führt die Kategorie "Schweizer Aufsteiger des Jahres" an. Der kampfstarke Romand spielte sich im Schlagschatten seines grossen Landsmanns klammheimlich in die Top-Ten der Welt. Momentan liegt der Lausanner auf Rang 13.

Neue Sterne

Neben Wawrinka gibt es vier Namen, die sich die internationale Sportwelt merken muss: Lara Gut, Nino Schurter, Luca Sbisa und Sébastien Buemi.

Anfang Februar landete die 16-jährige Ski-Teenagerin Lara Gut mit Platz drei in der Abfahrt von St. Moritz eine Weltcup-Premiere mit Pauken und Trompeten. Und wäre sie nicht kurz vor dem Ziel gestürzt und bäuchlings ins Ziel geschossen, hätte sie gar gewonnen.

Der 22-jährige Bündner Schurter fuhr in Peking im Mountainbike-Rennen mit furiosem Finish aufs Podium.

Der Wunderknabe und sein Idol

Wie im Märchen muss sich gegenwärtig der Eishockeyaner Sbisa vorkommen: Vor eineinhalb Jahren verliess er Zug als nameloses Bürschchen, im Herbst schaffte er mit seinen erst 18 Jahren sensationell den Sprung in die NHL.

Der Verteidiger der Philadelphia Flyers ist erst der zweite Feldspieler aus der Schweiz, der sich einen Platz in der besten Eishockey-Liga der Welt erobert hat. Sbisas Vorbild ist Mark Streit. Der Verteidiger schaffte den Durchbruch in Nordamerika im letzten Winter, allerdings erst im Alter von 30 Jahren.

Belohnt wurde der Spätzünder Streit im Sommer mit einem Vertrag der New York Islanders, der ihm in den nächsten fünf Jahren über 20 Mio. Dollar einbringt. Damit steigt Streit zum bestverdienenden Schweizer Teamsportler aller Zeiten auf.

Autorennfahrer Sébastien Buemi könnte schaffen, was seit Jo Siffert, Clay Regazzoni und Marc Surer keinem Schweizer mehr gelungen war: der Sprung in die Formel 1.

In der Formel 1 gelang BMW Sauber, an dem der Schweizer Gründer Peter Sauber immer noch beteiligt ist, endlich der erste Grand-Prix-Sieg. In Kanada landeten der Pole Robert Kubica und Teamkollege Nick Heidfeld gar einen Doppelerfolg.

Sorgenkinder...

Nach den Aufsteigern zu den Sorgenkindern. Stürmer Alex Frei wandelte sich vom Goalgetter zum Dauerverletzten, während Ex-Töffweltmeister Tom Lüthi nicht mit den Gegnern, sondern in erster Linie mit sich und der Maschine zu kämpfen hatte.

Etwas weiter zurück liegen die Erfolge von Schweizer Athleten in den Wintersportarten Ski und Eishockey. Speed-Spezialist Didier Cuche schloss die Saison im März als Dritter des Gesamtweltcups ab.

Zum zweiten Mal in Folge gewann der Neuenburger aber die kleine Kristallkugel für den Sieg im Abfahrts-Weltcup. Im Super G verpasste er den Disziplinensieg nur um einen einzigen Punkt.

An den Eishockey-Weltmeisterschaften in Kanada gelang dem Team von Ralph Krueger ein historischer Sieg über Schweden: Das 4:2 in der Vorrunde war der erste Sieg über das Drei-Kronen-Team seit 15 Jahren.

...und Könige der Vergangenheit

Im ablaufenden Jahr sind vier grosse Figuren des Schweizer Sports abgetreten. Nach Olympia-Bronze trat Judoka Sergei Aschwanden auf dem Höhepunkt ab.

Dies war Falvia Rigamonti und dem Fechter Marcel Fischer nicht vergönnt. Die dreifache Schwimm-Vizeweltmeisterin hatte in Peking enttäuscht, während sich der Ex-Olympiasieger gar nicht erst qualifizieren konnte.

Bei Eiskunstlauf-Doppelweltmeister Stéphane Lambiel schliesslich war es der Körper, der nicht mehr mitmachte.

swissinfo, Renat Künzi


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