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Spriessen am Kastanienbaum von Treille bald an Weihnachten die Blätter?

Hier zeigt Myriam Boussina, sie hat das Amt des "Sautier de la Republique de Geneve" inne, den Kastanienbaum von Genf/Treille, wo bereits Anfang Januar die ersten Blätter spriessen (werden). Keystone

Die Wissenschaft sagt, dass sich die Erde erwärmt. Diese Feststellung wird durch die Beobachtung eines Kastanienbaums bei Genf erhärtet. So spross er im Frühling in den letzten zehn Jahre immer früher.

Dieser Inhalt wurde am 25. Dezember 2000 - 15:52 publiziert

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) erklärte in einer Studie, dass sich die Erde in den letzten hundert Jahren um 0,6 Grad erwärmte. Mittels zuverlässiger Statistiken stellte die WMO fest, dass die Bodentemperatur seit 100 Jahren steigt. Weiter zeigt eine Studie auf, dass das Jahr 2000 das viertwärmste Jahr seit 140 Jahren war und dass die Jahre 90 bis 98 die wärmsten des Jahrhunderts waren.

Weniger wissenschaftlich, aber ebenso zuverlässig lässt sich dies am Kastanienbaum von Treille in Genf feststellen, der seit 187 Jahren eine eigentliche kantonale Institution ist. Marc-Louis Rigaud-Martin war der Erste, der sich im 17. Jahrhundert für diesen Baum interessierte. Während vieler Jahre hielt er fest, wann er im Frühling die ersten Blätter trieb. Ab 1818 führte der erste Sekretär oder die erste Sekretärin des Genfer Grossen Rates, die Beobachtungen weiter.

"Die Beobachtungen gelten seit dieser Zeit als offiziell," erklärt die gegenwärtige Sekretärin des Rates, Maria-Anna Hutter. "Die Daten werden amtlich festgehalten und sorgfältig in einem Pult aufbewahrt".

Frühlingserwachen und Hitzetod

Neben dem Frühlingsbeginn entgeht dem Baum aber auch eine allfällige Klimaerwärmung nicht. "Nicht nur Klimatologen stellen fest, dass sich die Erde erwärmt", führt Maria-Anna Hutter aus, welche für die Schweizerische Meteorologische Anstalt das Wiedererwachen des Baumes beobachtet.

"Wir stellen in der Tat fest, dass sich die Erde erwärmt hat, vor allem während der letzten zehn Jahre", fügt sie bei. Am frühesten trieben die Blätter im Jahr 1991, nämlich bereits am 3. Januar. Während der ganzen 90er-Jahre begann der Frühling zu früh.

Keine vorschnelle Interpretation

Trotzdem dürfe man keine vorschnellen Schlüsse ziehen. Man könne nicht unbedingt davon ausgehen, dass die Beobachtung des Kastanienbaums die wissenschaftlichen Studien erhärte. Aber sie zeige doch, dass die Methoden von einst nicht unbedingt falsch waren.

Die Technik des Kastanienbaums hat aber auch ihre Grenzen. Wenn sich das Klima noch mehr erwärmt, könnten die ersten Blätter in der Weihnachtswoche spriessen. Und dann könnte Anna-Maria Hutter während der Festtage nicht in die Ferien verreisen.

Jean-Louis Thomas, Übersetzung Charlotte Egger, Bearbeitung swissinfo

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