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Steuerparadies Herrliberg

In Herrliberg ist die SVP die stärkste Partei.

(Keystone Archive)

Das einstige Bauerndorf Herrliberg ist heute eine Steuer-Oase für Superreiche - und will dennoch ein normales Dorf bleiben.

Das Dorf am rechten Zürichseeufer hat eindrückliche Zahlen zu bieten: Mit einem Steuerfuss von 70 Prozent ist es die steuergünstigste Gemeinde im Kanton Zürich. Die Steuerkraft ist mit 8974 Franken pro Einwohner die dritthöchste hinter zwei anderen Goldküsten-Gemeinden, Küsnacht und Zumikon (Stand Jahr 2000). Das kantonale Mittel beträgt 3227 Franken.

Beim Netto-Vermögen pro Kopf liegt Herrliberg mit 12'974 Franken an erster Stelle, während sich der kantonale Mittelwert auf 2325 Franken beläuft. Herrliberg ist die reichste Zürcher Gemeinde, nimmt man das Netto-Vermögen pro Kopf als Reichtums-Indikator, wie es die kantonale Abteilung für Gemeinde-Finanzen vorschlägt.

Auch die reichste?

Ist die steuergünstigste Gemeinde auch die reichste? Im Herrliberger Gemeindehaus erhält man keine direkte Antwort: "Herrliberg ist die herrlichste Gemeinde", sagt Gemeinde-Schreiber Pius Rüdisüli. Auf dem neuen Logo der Gemeinde heisst es denn auch "Herrli(CH)berg".

Die selbstbewusste Präsentation ist zwar in der Nachbarschaft nicht überall positiv angekommen, kann sich aber auf überzeugende Tatsachen stützen: Der Zürichsee, Hanglagen und Häuser mit herrlicher Aussicht, mildes Klima, grosse Grünflächen, Ruhe, Stadtnähe, gute Verkehrs-Erschliessung, nicht zuletzt tiefe Steuern.

Aus diesen Gründen hat Herrliberg - auch das Dorf auf fünf Terrassen genannt - im vergangenen Jahrzehnt einen Bevölkerungs-Boom erlebt. Die Einwohnerzahl stieg um rund 1000 auf 5637. Auf Grund der noch vorhandenen Bauflächen dürfte sich die obere Grenze bei etwa 6000 Einwohnern einpendeln, sagt Gemeinde-Schreiber Rüdisüli.

Mehr ein Dorf zum Wohnen denn zum Arbeiten

In der jüngeren Geschichte entwickelte sich Herrliberg von einer Bauern- zu einer Agglomerations-Gemeinde, ist allerdings ein Dorf geblieben, "in dem man sich noch kennt". An frühere Zeiten erinnern noch zwei richtige Alpbetriebe: die Schönalp und die Blüemlisalp.

Grösste Arbeitgeberin ist die Gemeinde, die zusammen mit dem Altersheim rund 100 Personen beschäftigt. Angesiedelt sind kleinere und mittlere Betriebe, aber keinerlei Industrie. Das bekannteste Produkt ist "Strath", ein Kraftsaft der gleichnamigen Firma, die bis vor kurzem noch "Bio-Strath" hiess. In Herrliberg sind in rund 200 Arbeitsstätten knapp 860 Personen erwerbstätig.

Gemeinde-Präsident Rolf Jenny (SVP) räumt ein, dass Herrliberg mehr Wohn- denn Arbeitsort ist. Die Gemeinde und die gegen 50 Vereine engagieren sich allerdings für ein lebendiges Dorf. Die mitgliederstärksten Vereine seien der Fussball- und der Tennis-Club sowie der Singkreis und der Musikverein. Mit dem Gemeindezentrum Vogtei gibt es eine schmucke Begegnungsstätte mit einmaligem Cachet.

Änderung des Flugregimes für Kloten macht Sorgen

Auch in Herrliberg herrscht nicht immer eitel Sonnenschein. Zur Besorgnis Anlass gibt zurzeit die geplante Änderung des Flugregimes am Flughafen Zürich. Dies könnte Anflüge über die Goldküste zur Folge haben und würde die Bevölkerung im oberen Dorfteil von Herrliberg betreffen.

"Einzelne gute Steuerzahler haben bereits gedroht, dass sie wegziehen", erklärt Gemeinde-Präsident Jenny. Gemeinsam mit den anderen Bezirks-Gemeinden versucht nun Herrliberg, über das Fluglärmforum Süd Einfluss zu nehmen.

Herrliberg ist die steuergünstigste Gemeinde im Kanton Zürich, will diesen Status aber nicht unter allen Umständen behaupten. "Wir schauen für uns, wir wollen uns nicht auf einen Steuerwettbewerb einlassen", erklärt Gemeinde-Schreiber Rüdisüli. Dennoch: Eine weitere Reduktion des Steuerfusses ist nicht ausgeschlossen. Dies hängt laut Rüdisüli vor allem von den Einnahmen aus den Vermögenssteuern ab.

Der prominenteste Steuerzahler ist der Unternehmer und SVP-Politiker Christoph Blocher, der vor drei Jahren von Meilen nach Herrliberg zog. Früher sei Herrliberg mit den Bobsportlern Erich und Peter Schärer in Verbindung gebracht worden, heute mit Blocher, scherzt Gemeinde-Präsident Jenny. Er gehört ebenfalls der SVP an, der stärksten Partei in Herrliberg.

Steuerprozent für Solidaritätsaktionen

Als wohlhabende Gemeinde will sich Herrliberg auch solidarisch zeigen. Im Juni 2001 beschloss das Volk an der Urne, dass künftig ein Steuerprozent für gemeinnützige, soziale oder kulturelle Projekte im übrigen Kantonsgebiet eingesetzt werden soll. Ein Steuerprozent entspricht rund 500'000 Franken.

Dieses Jahr sollen die Gartengestaltung einer Behindertenschule in Zürich-Oerlikon sowie die Bühnensanierung des Gemeindesaals in Fischenthal mit je 250'000 Franken unterstützt werden, wenn dies das Volk genehmigt.

In nächster Zeit will sich der Herrliberger Gemeinderat laut Präsident Jenny schwerpunktmässig drei Vorhaben widmen: Schaffung von günstigem Wohnraum für junge Familien, Erweiterung des Gemeindehauses und Alterspolitik, insbesondere Wohnen im Alter.

swissinfo und Agenturen

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